- 09.10.2006, 12:39:34
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Der Seele Aufmerksamkeit schenken
Wien (OTS) - Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie
(ÖBVP) fordert anlässlich des Internationalen Tages der seelischen
Gesundheit verstärkte Präventionsmaßnahmen für seelische Gesundheit -
die Möglichkeit, Psychotherapie (rechtzeitig) in Anspruch nehmen zu
können, ist dabei ein wesentlicher Faktor
Nach Schätzungen der WHO wird im Jahr 2010 die Depression die
Volkskrankheit Nr. 1 sein und dies ist nur eine von vielen
Untersuchungen, die aufzeigen, dass seelische Krisen und psychische
Krankheiten in den westlichen Industrieländern zunehmen.
Dr. Margret Aull, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes
für Psychotherapie (ÖBVP) auf die Frage nach den Ursachen: "Natürlich
sind die Gründe für die Zunahme seelischen Leides jeweils auf dem
subjektiven Lebenshintergrund im Einzelfall zu verstehen, trotzdem
gilt es auch auf die krankmachende Wirkung gesellschaftlicher
Rahmenbedingungen aufmerksam zu machen: Im Zuge der Globalisierung
vervielfacht sich die Entwicklungsgeschwindigkeit des Individuums
sowie gesellschaftlicher Veränderungsprozesse und geht mit einem
radikalen Wertewandel verbunden mit der Auflösung traditioneller
Lebensformen einher.
Die Zukunft ist für den Menschen weniger planbar geworden, unsere
Lebensentwürfe können sich über weite Strecken nicht mehr an
Gelungenem der vorherigen Generationen orientieren - denken Sie nur
an die Veränderungen in der Arbeitswelt, die Krise des Sozialstaates,
an den sich verschärfenden Generationenkonflikt, den Wandel im
Verständnis der Geschlechterrollen und damit einhergehend die
unterschiedlichsten Familienkonstellationen und Familienbilder.
Die zunehmende Komplexität von Aufgaben der Lebensbewältigung und
zugleich die individualisierten hohen Ansprüche an ein gelingendes
Leben haben häufig zur Folge, dass die Angst vor der eigenen Zukunft
wächst. Angst und zunehmende reale materielle Not sind in unserer
"Erfolgsgesellschaft" tabuisiert und führen in die Isolation. Im
Sinne des oben Gesagten gilt es neben der Zunahme depressiver
Erkrankungen, auch das vermehrte Auftreten von Angst- und
Panikstörungen, sowie Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen wahr und
vor allem ernst zu nehmen. Existenzielle Krisen und seelische
Krankheiten sind die häufigsten Hintergründe bei der Entscheidung,
sein Leben zu beenden. Dabei zeigt konsequent umgesetzte
Suizidprävention, wie wirksam gut koordinierte und umfassende
Präventionsprogramme sind: Die Zahl der Suizide sinkt seit 1986
kontinuierlich, wobei die Initiativen in der Bundeshauptstadt Wien
als besonders erfolgreich beschrieben werden können. (Quelle:
Kriseninterventionszentrum, Statistik).
"Die Stärkung sozialer Kompetenz, der Umgang mit Stress und vor
allem das Bemühen, Probleme zu benennen und an einer Bewältigung zu
arbeiten, sollten endlich in die Schulen aber auch in das Berufsleben
Eingang finden", so die Präsidentin Dr. Aull. Zugleich ist es
wichtig, auch in der Öffentlichkeit Angst besetzte und daher
tabuisierte Themen wie z.B. Suizid anzusprechen und in dem
Zusammenhang v.a. die Bevölkerung zu informieren, wo Hilfe und
Unterstützung gefunden werden kann. Dies gilt sowohl für unmittelbar
Betroffene als auch für Angehörige. Der österreichweite kostenfreie
Zugang zur psychotherapeutischen Behandlung wäre eine wesentliche
Säule in der Prävention, aber auch in akuten Krisen. Hier besteht
seit 15 Jahren akuter Handlungsbedarf seitens der Gesundheitspolitik.
Rückfragehinweis:
Dr. Margret Aull
1030 Wien, Löwengasse 3/5/6
Tel. 01/ 513 17 304
mailto:[email protected]
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