- 27.09.2006, 15:12:07
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Österreichische Projekte Sieger beim Aachener "R.I.O. Award" für Nachhaltigkeit
Österreich räumt ab: Ein erster Preis, ein zweiter Preis und viele Anerkennungen - Schwarzer: Das Produkt ist Dreh- und Angelpunkt nachhaltiger Entwicklung.
Wien (PWK637) - Unter dem Motto "Hirnströme statt Massenströme"
wurde in Wien bereits zum vierten Mal der R.I.O. Award der Aachener
Stiftung Kathy Beys überreicht. Der in Deutschland, Österreich und
der Schweiz ausgeschriebene und mit 20.000 Euro dotierte Preis rückt
den Verbrauch begrenzter Ressourcen in den Mittelpunkt und prämiert
Unternehmen und Regionen für bedeutende Schritte zur Verbesserung der
Ressourcenproduktivität. R.I.O. steht dabei für Ressourcenverbrauch
reduzieren, Innovationen implementieren und Output optimieren. "Die
mit dem R.I.O. Award ausgezeichneten Produkte zeigen, wie Produkte in
Zukunft aussehen werden. Material- und Energiebedarf wird durch
intelligente Konstruktion vermindert," analysiert Klaus Dosch, der
wissenschaftliche Leiter der Aachener Stiftung.
"Umweltschutz und Wirtschaftswachstum müssen nicht im Widerstreit
stehen, sie können einander auch beflügeln," meint dazu Stephan
Schwarzer, Umweltexperte in der Wirtschaftskammer Österreich: "Zu
wenig wird noch das Produkt als eigentlicher Dreh- und Angelpunkt für
nachhaltige Entwicklung gesehen. Zukunftsversprechend ist vor allem
die Entwicklung neuer Werkstoffe. Nicht die Reduktion der
Materialvielfalt ist die Vision, sondern die Verringerung des
Material- und Energieverbrauchs durch optimal auf den jeweiligen
Verwendungszweck angepasste Werkstoffkombinationen." So könnten
nachhaltige Produkte zu einem Wachstumssegment der Wirtschaft werden.
Insgesamt wurden drei Preise vergeben. Den ersten Preis in der
Kategorie Produkte und Systemleistungen gewann das "S-House" der
Gruppe Angepasste Technologie (GrAT) der TU Wien mit einem
Baukonzept, das ein Büro- und Seminargebäude mit einem Zehntel der
üblichen Menge an Ressourcen möglich macht. Die Innovation des
Hauses, das ohne eine konventionelle Heizung auskommt, ist die
hervorragende Dämmung aus Strohballen. Dieser altertümlich anmutende
Reststoff aus der Landwirtschaft wird im architektonisch
anspruchsvollen Gebäude perfekt verarbeitet und erfüllt alle
baulichen Anforderungen. Das S-House gibt dem Bauen eine ganz neue
Richtung: Ressourcen sparend, CO2-neutral und rückstandsfrei in den
Naturkreislauf rückführbar.
Der zweite Preis in dieser Kategorie ging an das
Verpackungszentrum Graz für die Entwicklung eines Schaumstoffes aus
Algen namens "Alginsulat". Algen sind ein bislang wenig genutzter
Rohstoff, obwohl sie beinahe in jedem Gewässer in großen Mengen
vorkommen. In einem speziell entwickelten Verfahren werden die
gemahlenen Algen mit Luft ausgeschäumt und bilden einen Schaumstoff,
der als Dämmmaterial im Hausbau oder als Verpackungsmaterial
eingesetzt werden kann. Die Besonderheit: Der nicht brennbare
Schaumstoff aus Algen ist einfach, sauber und nach Gebrauch
kompostierbar.
Weitere Anerkennungen für Zukunftsideen aus Österreich:
- Maklad Innovative Fluid- & Systemtechnik GmbH (Wien) für die
Entwicklung des "Maklad Injektors", einer Düse, die überall dort die
Nahrungsmittelindustrie revolutionieren könnte, wo es etwas zu
homogenisieren gibt.
- natur und lehm, Lehmbaustoffe GmbH (Tattendorf) für ein mit Stroh
gedämmtes und aus Lehm gebautes Passivhaus. Es besteht aus
vorgefertigten Bauelementen, damit diese Kombination aus Tradition
und Moderne auch wirtschaftlich interessant wird.
- Tiefenbacher GmbH & Beyer Umwelt + Kommunikation (Wien) für ihr
neues Geschäftsmodell "Verleih von Entschlackerchemikalien -
Lösungsleasing". Im Vordergrund steht der möglichst lange Verkauf des
Nutzens, der dem Kunden aus dem Produkt erwächst, nicht mehr der
Absatz des Produktes selbst.
- DSM Fine Chemicals Austria GmbH (Linz) für die Idee des
"Mikroreaktors für Feinchemikalien", in dem komplizierte chemische
Reaktionen in vielen parallel geschalteten Mikroreaktoren ablaufen,
wodurch sich durch die verbesserte Ausbeute der Ressourceneinsatz
senken lässt.
- BBM Austria Beschaffungs- und Logistikbetrieb der MIVA
(Stadl-Paura) für ihr Bürogebäude "Christophorus Haus", das erste
dreigeschoßige Holz-Passivhaus in Österreich.
- Lenzing Fibers GmbH (Heiligenkreuz) für die Einführung von "Tencel
- der Baumfaser", einer Faktor 100 Faser, die durch die Entwicklung
eines völlig neuen Verfahrens zur Herstellung der Zellulose möglich
wurde.
- Ertex Solar GmbH (Amstetten) für "Photovoltaik für Fassaden",
einem Konstruktionsprinzip von Solarfassadenteilen, die stabil und
durchbruchsicher in einer großen Formen- und Größenvielfalt
hergestellt und montiert werden können.
Der Preis für ressourceneffiziente Regionen ging an den Verein
Chiemgauer e.V. (Deutschland), der im Chiemgau eine regionale Währung
etabliert hat. Diese mit dem Euro 1:1 tauschbaren Gutscheine werden
in mittlerweile über 500 Geschäften akzeptiert und sorgen für eine
Stärkung der regionalen Wirtschaft. Regionale Warenkreisläufe werden
unterstützt und beginnen, unsinnige Warentransporte überflüssig zu
machen.
Anerkennungen gab es für die Gemeinnützige
Beschäftigungsgesellschaft Liezen (RepaNet - der Reparaturverbund)
und den Entwicklungsförderungsverband Bezirk Hartberg
(Regionalcluster Hartberg).
Damit gingen 2 der 3 Hauptpreise sowie 10 der 13 Anerkennungen an
Österreich, fasst Schwarzer zusammen. (hp)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik Nachhaltigkeitskoordinator der WKÖ Mag. Christoph Haller Tel.: (++43) 0590 900-4196 mailto:[email protected]
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