Österreichische Projekte Sieger beim Aachener "R.I.O. Award" für Nachhaltigkeit

Österreich räumt ab: Ein erster Preis, ein zweiter Preis und viele Anerkennungen - Schwarzer: Das Produkt ist Dreh- und Angelpunkt nachhaltiger Entwicklung.

Wien (PWK637) - Unter dem Motto "Hirnströme statt Massenströme" wurde in Wien bereits zum vierten Mal der R.I.O. Award der Aachener Stiftung Kathy Beys überreicht. Der in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgeschriebene und mit 20.000 Euro dotierte Preis rückt den Verbrauch begrenzter Ressourcen in den Mittelpunkt und prämiert Unternehmen und Regionen für bedeutende Schritte zur Verbesserung der Ressourcenproduktivität. R.I.O. steht dabei für Ressourcenverbrauch reduzieren, Innovationen implementieren und Output optimieren. "Die mit dem R.I.O. Award ausgezeichneten Produkte zeigen, wie Produkte in Zukunft aussehen werden. Material- und Energiebedarf wird durch intelligente Konstruktion vermindert," analysiert Klaus Dosch, der wissenschaftliche Leiter der Aachener Stiftung.

"Umweltschutz und Wirtschaftswachstum müssen nicht im Widerstreit stehen, sie können einander auch beflügeln," meint dazu Stephan Schwarzer, Umweltexperte in der Wirtschaftskammer Österreich: "Zu wenig wird noch das Produkt als eigentlicher Dreh- und Angelpunkt für nachhaltige Entwicklung gesehen. Zukunftsversprechend ist vor allem die Entwicklung neuer Werkstoffe. Nicht die Reduktion der Materialvielfalt ist die Vision, sondern die Verringerung des Material- und Energieverbrauchs durch optimal auf den jeweiligen Verwendungszweck angepasste Werkstoffkombinationen." So könnten nachhaltige Produkte zu einem Wachstumssegment der Wirtschaft werden.

Insgesamt wurden drei Preise vergeben. Den ersten Preis in der Kategorie Produkte und Systemleistungen gewann das "S-House" der Gruppe Angepasste Technologie (GrAT) der TU Wien mit einem Baukonzept, das ein Büro- und Seminargebäude mit einem Zehntel der üblichen Menge an Ressourcen möglich macht. Die Innovation des Hauses, das ohne eine konventionelle Heizung auskommt, ist die hervorragende Dämmung aus Strohballen. Dieser altertümlich anmutende Reststoff aus der Landwirtschaft wird im architektonisch anspruchsvollen Gebäude perfekt verarbeitet und erfüllt alle baulichen Anforderungen. Das S-House gibt dem Bauen eine ganz neue Richtung: Ressourcen sparend, CO2-neutral und rückstandsfrei in den Naturkreislauf rückführbar.

Der zweite Preis in dieser Kategorie ging an das Verpackungszentrum Graz für die Entwicklung eines Schaumstoffes aus Algen namens "Alginsulat". Algen sind ein bislang wenig genutzter Rohstoff, obwohl sie beinahe in jedem Gewässer in großen Mengen vorkommen. In einem speziell entwickelten Verfahren werden die gemahlenen Algen mit Luft ausgeschäumt und bilden einen Schaumstoff, der als Dämmmaterial im Hausbau oder als Verpackungsmaterial eingesetzt werden kann. Die Besonderheit: Der nicht brennbare Schaumstoff aus Algen ist einfach, sauber und nach Gebrauch kompostierbar.

Weitere Anerkennungen für Zukunftsideen aus Österreich:

  • Maklad Innovative Fluid- & Systemtechnik GmbH (Wien) für die Entwicklung des "Maklad Injektors", einer Düse, die überall dort die Nahrungsmittelindustrie revolutionieren könnte, wo es etwas zu homogenisieren gibt.
  • natur und lehm, Lehmbaustoffe GmbH (Tattendorf) für ein mit Stroh gedämmtes und aus Lehm gebautes Passivhaus. Es besteht aus vorgefertigten Bauelementen, damit diese Kombination aus Tradition und Moderne auch wirtschaftlich interessant wird.
  • Tiefenbacher GmbH & Beyer Umwelt + Kommunikation (Wien) für ihr neues Geschäftsmodell "Verleih von Entschlackerchemikalien -Lösungsleasing". Im Vordergrund steht der möglichst lange Verkauf des Nutzens, der dem Kunden aus dem Produkt erwächst, nicht mehr der Absatz des Produktes selbst.
  • DSM Fine Chemicals Austria GmbH (Linz) für die Idee des "Mikroreaktors für Feinchemikalien", in dem komplizierte chemische Reaktionen in vielen parallel geschalteten Mikroreaktoren ablaufen, wodurch sich durch die verbesserte Ausbeute der Ressourceneinsatz senken lässt.
  • BBM Austria Beschaffungs- und Logistikbetrieb der MIVA (Stadl-Paura) für ihr Bürogebäude "Christophorus Haus", das erste dreigeschoßige Holz-Passivhaus in Österreich.
  • Lenzing Fibers GmbH (Heiligenkreuz) für die Einführung von "Tencel
  • der Baumfaser", einer Faktor 100 Faser, die durch die Entwicklung eines völlig neuen Verfahrens zur Herstellung der Zellulose möglich wurde.
  • Ertex Solar GmbH (Amstetten) für "Photovoltaik für Fassaden", einem Konstruktionsprinzip von Solarfassadenteilen, die stabil und durchbruchsicher in einer großen Formen- und Größenvielfalt hergestellt und montiert werden können.

Der Preis für ressourceneffiziente Regionen ging an den Verein Chiemgauer e.V. (Deutschland), der im Chiemgau eine regionale Währung etabliert hat. Diese mit dem Euro 1:1 tauschbaren Gutscheine werden in mittlerweile über 500 Geschäften akzeptiert und sorgen für eine Stärkung der regionalen Wirtschaft. Regionale Warenkreisläufe werden unterstützt und beginnen, unsinnige Warentransporte überflüssig zu machen.

Anerkennungen gab es für die Gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft Liezen (RepaNet - der Reparaturverbund) und den Entwicklungsförderungsverband Bezirk Hartberg (Regionalcluster Hartberg).

Damit gingen 2 der 3 Hauptpreise sowie 10 der 13 Anerkennungen an Österreich, fasst Schwarzer zusammen. (hp)

Rückfragen & Kontakt:

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Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik
Nachhaltigkeitskoordinator der WKÖ
Mag. Christoph Haller
Tel.: (++43) 0590 900-4196
christoph.haller@wko.at

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