"WissenschaftlerInnen schreiben Presseaussendungen" - 1.Platz: Frisches Blut

Nachwuchsforscherin der Donau-Universität Krems schließt Sicherheitslücke in Blutreinigungssystem

Wien/Krems (OTS) - Die Gefährlichkeit einer Blutvergiftung (in der Fachsprache Sepsis genannt) wird häufig unterschätzt. Sie ist aber immer noch eine lebensbedrohende Erkrankung: 15.000 Österreicher sterben jedes Jahr an einer Sepsis. An der Donau-Universität Krems wird derzeit gemeinsam mit der Marktführenden Firma Fresenius Medical Care (FMC) ein Blutreinigungssystem entwickelt, das Blutvergiftungen künftig schneller und effektiver therapieren soll. Für die absolute Sicherheit des Systems sorgt eine Entwicklung an der die junge Forscherin Marion Ettenauer maßgeblich beteiligt war. Sie hat im Rahmen ihrer Dissertation eine Methode entwickelt, mittels magnetisierter fluoreszierender Partikel zu garantieren, dass das entwickelte System mit hoher Sicherheit am Patienten eingesetzt werden kann. Das Blutreinigungsgerät soll demnächst an erkrankten Menschen getestet werden.

Im Bereich der Biomedizinischen Technologie, vor allem auf dem Gebiet der extrakorporalen Blutreinigung und Medizintechnik, hat sich die Donau-Universität Krems in den vergangenen Jahren zu einer international renommierten Forschungseinrichtung entwickelt. Eines der Spezialgebiete der Kremser Forscher sind intelligente Systeme zur Blutreinigung, die bei Leberversagen, Sepsis bzw. Multiorganversagen zum Einsatz kommen sollen. Mit dem "Prometheus"-System, das bei Patienten mit akutem Leberversagen eingesetzt wird, hat das Donau-Uni-Team bereits ein Produkt zur Marktreife geführt. "Prometheus" wird in Kooperation mit der Fresenius Medical Care AG in Serie produziert.

Effizientes Blutreinigungssystem wird demnächst am Patienten getestet

Derzeit arbeiten die Biomediziner der Donau-Universität Krems intensiv an der Weiterentwicklung des "Prometheus"-Systems. "Microspheres-Based Detoxification System", kurz: MDS, nennt sich das Nachfolgemodell. Es arbeitet wie sein Vorgänger mit Adsorberpartikeln, die Giftstoffe aus dem Blut filtern - diese Adsorberpartikel sind jedoch viel kleiner, sodass mit weniger Adsorber-Material mehr Blut in kürzerer Zeit gereinigt werden kann. Das reduzierte Volumen bringt aber auch einen Nachteil mit sich: Mit 1 bis 20 Mikrometer Durchmesser sind die Kügelchen so winzig, dass sie in die Blutbahn geraten könnten. Zwar trennt eine Membran die Adsorber-Partikel vom Patienten. Um aber auch im Fall eines Filter-Defekts gesundheitsgefährdende Folgen ausschließen zu können, musste eine zweite Sicherheitsstufe eingebaut werden. Ein Detektor sollte daher das gereinigte Blut auf unerwünschte Adsorberpartikel testen - möglichst einfach, schnell und absolut zuverlässig. Die Frage nach dem "Wie" stellte sich Wissenschaftlerin Marion Ettenauer zu Beginn ihres Dissertationsprojekts. Zwei Jahre später hat sie nicht nur die Antwort gefunden, sondern das System bereits so weit entwickelt, dass es in naher Zukunft am Patienten getestet werden kann.

Fluoreszierende Mikropartikel markieren blutfremde Stoffe

Ettenauer koppelte einen Fluoreszenzfarbstoff an magnetische Mikropartikel, die gemeinsam mit dem Adsorbermaterial im Filtratkreislauf zirkulieren. Sind beim Zurückleiten in den menschlichen Kreislauf fluoreszierende Partikel im gereinigten Blut enthalten, löst der Detektor ein Signal aus und die Behandlung des Patienten wird sofort gestoppt.

Inzwischen ist Ettenauer sogar noch einen Schritt weiter. "Die kommerziellen Partikel, die ich ursprünglich verwendet habe, sind sehr teuer. Daher habe ich nach einem zweiten Weg gesucht, der genauso effektiv, aber günstiger ist - und diesen auch gefunden", erzählt Ettenauer. Sie arbeitet nun mit Partikeln dem vergleichsweise billigen - und zudem biokompatiblen - einem Naturstoffprodukt, dem Polysaccharid Cellulose.

200.000 US-Amerikaner sterben jährlich an Blutvergiftung

MDS soll, im Gegensatz zum Vorgängermodell "Prometheus", nicht nur zur Leberunterstützung, sondern auch bei Autoimmunerkrankungen, Blutvergiftung bzw. Multiorganversagen eingesetzt werden. "In den USA sterben jährlich mehr als 200.000 Menschen an Blutvergiftung, weil geeignete Behandlungsmöglichkeiten fehlen", weiß Ettenauer. MDS könnte künftig dazu beitragen, die prekäre Versorgungslage zu entschärfen.

Zur Person Marion Ettenauer - Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Biomedizinische Technologie der Donau-Universität Krems

"Das war schon ein harter Brocken. In einer Männerdominierenden Studienrichtung war es nicht immer leicht", erinnert sich Marion Ettenauer an ihre Studienzeit. Schon im Gymnasium hat die Kremserin einen für Mädchen eher untypischen Bildungsweg gewählt und sich für den naturwissenschaftlichen Zweig entschieden. Danach begann sie das Studium der Technischen Chemie an der Technischen Universität Wien (TU). Anfangs habe sie schon öfters Bedenken gehabt, ein Leben im Labor sei möglicherweise nicht das Richtige für sie. Heute rät die 29-jährige Wissenschaftlerin jedem interessierten Mädchen, den Schritt in das zukunftsträchtige Feld der Life-Sciences zu wagen. "Forschung ist die spannendste Tätigkeit, die ich mir vorstellen kann", sagt Ettenauer. "Zuallererst steht sehr viel Denkarbeit und Konzeption hinter jedem Projekt. Danach beginnt der experimentelle Part, Simulationen, analytische Tests. Der größte Erfolg ist natürlich, wenn es gelingt, eine Entwicklung bis zur Marktreife zu bringen."

An die Donau-Universität Krems ist Marion Ettenauer aufgrund ihres Diplomarbeitsprojekts gekommen ("Untersuchung zur Biovertäglichkeit von Polymeren auf Kohlenhydrat-Basis für die extrakorporale Blutreinigung"). "Als ich an die Donau-Uni gekommen bin, musste ich erst einmal viel Medizin lernen - Blutgerinnung, Biokompatibilität, Krankheitsbilder-, um die Gesamtsituation, die Krankheitsverläufe und Therapieansätze zu verstehen ", erzählt die Chemikerin. Ettenauer ist dem Zentrum für Biomedizinische Technologie der Donau-Universität Krems als wissenschaftliche Mitarbeiterin treu geblieben. Derzeit finalisiert sie ihre Dissertation zum Thema "Entwicklung magnetischer Fluoreszenzmikropartikel als Marker für das Microspheres-Based Detoxification Sicherheitssystem" an der Donau-Universität Krems.

Diese Pressemeldung wurde am 26. September 2006 beim Wettbewerb "WissenschaftlerInnen schreiben Presseaussendungen" mit dem 1.Platz ausgezeichnet. Der Text-Wettbewerb wird von dialog<>gentechnik in Kooperation mit APA-OTS, einer Tochter der APA - Austria Presse Agentur, und dem Fond zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) organisiert.

Die OTS-Meldungen aller GewinnerInnen finden Sie in der digitalen Pressemappe unter:
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