• 07.09.2006, 11:49:27
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NS-Schwerpunkt im Architekturzentrum Wien

Wien (OTS) - Mitte September nähert sich das Architekturzentrum
Wien mit zwei Programmschwerpunkten dem Thema Nationalsozialismus und
Architektur. Damit soll eine längst fällige Reflexion über die
tabuisierte Gegenwart des baulichen Nazi-Erbes ins Rollen gebracht
werden. Erstmals wurde eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik
auf seriöser Grundlage geschaffen: Das Bundesdenkmalamt ist gerade im
Begriff zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte das Baugeschehen
der NS-Zeit zu erfassen und zu dokumentieren. Beim
Symposium "Erbe verweigert" - eine Zusammenarbeit des
Architekturzentrum Wien und dem Bundesdenkmalamt - werden die Inhalte
von ExpertInnen analysiert und diskutiert. Die Ausstellung "The
Atlantic Wall" widmet sich anderen Spuren nationalsozialistischer
Architektur: Veranschaulicht werden die
gigantischen Ausmaße des von der Deutschen Wehrmacht errichteten
Verteidigungswalls entlang der Atlantikküste von Frankreich bis
Norwegen.

The Atlantic Wall. In Beton gegossener Wahn - 12.000 deutsche Bunker
am Meer

In den Jahren 1942-1944 errichtete die Deutsche Wehrmacht einen
gigantischen Verteidigungswall entlang der Atlantikküste von
Frankreich bis Norwegen. Das Projekt verschlang enorme Ressourcen,
unzählige Zwangsarbeiter wurden für seine Realisierung eingesetzt.
Zur Bewältigung des Vorhabens unterteilte man die Küstenlinie in
Sektoren und kalkulierte jeweils einen nach Gefährdungsgrad
unterschiedlichen Bedarf an Festungsbauten. Am dichtesten sollte die
Nordküste Frankreichs bestückt werden: 11 Anlagen pro Kilometer! Das
Az W zeigt vom 14.09.-09.10.2006 zu freiem Eintritt eine vom
DPA-Politecnico di Milano in Zusammenarbeit mit Institutionen in
Frankreich und Belgien erarbeitete Schau, die erstmals sämtliche
Bautypen vom kleinsten Unterschlupf bis zum größten U-Boot-Hangar
präsentiert. Ferner werden einzelne Bunker anhand alter Pläne und
Fotografien dokumentiert. Ein begehbarer Plan der Küstenlinie mit
sämtlichen Bunkeranlagen illustriert die Ausmaße des Projekts. Die
verwirklichten Bauten beherrschen bis heute weite Teile der
Atlantikküste und zeigen eine große architektonische Bandbreite: von
erstaunlich durchdacht in Form und Funktion bis einfach und geradezu
plump. Alle aber sind das unübersehbare Erbe des vom
nationalsozialistischen Deutschland unternommenen Versuchs, einem
Raum und den darin befindlichen Gesellschaften seine Herrschaft
aufzuzwingen. Die Bauten fordern Stellungnahme, geben zu Diskussionen
Anlass. Ergänzend dazu interpretiert eine Fotoserie von Guido Guidi
die Anlagen - Spuren einer nationalsozialistischen Variante der
Festung Europa.

Symposium: Erbe verweigert - Österreich und NS-Architektur

An zwei Tagen, dem 15. und 16. September 2006, werden von
ExpertInnen Inhalte rund um die Thematik NS-Architektur diskutiert.
NS-Architektur - das sind nicht nur die Wiener Flaktürme, die
Führerstadt Linz oder das aktuell diskutierte "Hitlerzimmer" im
Wiener Volkstheater. In den sieben Jahren nationalsozialistischer
Herrschaft in Österreich entstanden auch Kasernen, Fabrikbauten,
Schulen, Verwaltungsgebäude und zahlreiche Wohnanlagen sowie
Siedlungen, die heute wie selbstverständlich genutzt werden. Bei
teilweise durchaus guter Funktionalität und einer idyllisch-harmlosen
architektonischen Gestaltung ist der Kontext, in dem sie entstanden,
vielen nicht mehr bekannt. Das vom Architekturzentrum Wien und dem
Bundesdenkmalamt gemeinsam veranstaltete Symposium soll die
spannungsvolle Dialektik zwischen Entstehungsgeschichte und
alltäglichem Gebrauch dieser Gebäude thematisieren und Fragen nach
dem adäquaten Umgang stellen.
Das detaillierte Programm gibt es auf der Homepage unter www.azw.at.
Eintritt frei an beiden Tagen!

Rückfragehinweis:
Mag. Ines Purtauf
Architekturzentrum Wien
Tel.: 01/522 31 15-23
mailto:[email protected]
www.azw.at

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