NS-Schwerpunkt im Architekturzentrum Wien

Wien (OTS) - Mitte September nähert sich das Architekturzentrum Wien mit zwei Programmschwerpunkten dem Thema Nationalsozialismus und Architektur. Damit soll eine längst fällige Reflexion über die tabuisierte Gegenwart des baulichen Nazi-Erbes ins Rollen gebracht werden. Erstmals wurde eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik auf seriöser Grundlage geschaffen: Das Bundesdenkmalamt ist gerade im Begriff zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte das Baugeschehen der NS-Zeit zu erfassen und zu dokumentieren. Beim
Symposium "Erbe verweigert" - eine Zusammenarbeit des Architekturzentrum Wien und dem Bundesdenkmalamt - werden die Inhalte von ExpertInnen analysiert und diskutiert. Die Ausstellung "The Atlantic Wall" widmet sich anderen Spuren nationalsozialistischer Architektur: Veranschaulicht werden die
gigantischen Ausmaße des von der Deutschen Wehrmacht errichteten Verteidigungswalls entlang der Atlantikküste von Frankreich bis Norwegen.

The Atlantic Wall. In Beton gegossener Wahn - 12.000 deutsche Bunker am Meer

In den Jahren 1942-1944 errichtete die Deutsche Wehrmacht einen gigantischen Verteidigungswall entlang der Atlantikküste von Frankreich bis Norwegen. Das Projekt verschlang enorme Ressourcen, unzählige Zwangsarbeiter wurden für seine Realisierung eingesetzt. Zur Bewältigung des Vorhabens unterteilte man die Küstenlinie in Sektoren und kalkulierte jeweils einen nach Gefährdungsgrad unterschiedlichen Bedarf an Festungsbauten. Am dichtesten sollte die Nordküste Frankreichs bestückt werden: 11 Anlagen pro Kilometer! Das Az W zeigt vom 14.09.-09.10.2006 zu freiem Eintritt eine vom DPA-Politecnico di Milano in Zusammenarbeit mit Institutionen in Frankreich und Belgien erarbeitete Schau, die erstmals sämtliche Bautypen vom kleinsten Unterschlupf bis zum größten U-Boot-Hangar präsentiert. Ferner werden einzelne Bunker anhand alter Pläne und Fotografien dokumentiert. Ein begehbarer Plan der Küstenlinie mit sämtlichen Bunkeranlagen illustriert die Ausmaße des Projekts. Die verwirklichten Bauten beherrschen bis heute weite Teile der Atlantikküste und zeigen eine große architektonische Bandbreite: von erstaunlich durchdacht in Form und Funktion bis einfach und geradezu plump. Alle aber sind das unübersehbare Erbe des vom nationalsozialistischen Deutschland unternommenen Versuchs, einem Raum und den darin befindlichen Gesellschaften seine Herrschaft aufzuzwingen. Die Bauten fordern Stellungnahme, geben zu Diskussionen Anlass. Ergänzend dazu interpretiert eine Fotoserie von Guido Guidi die Anlagen - Spuren einer nationalsozialistischen Variante der Festung Europa.

Symposium: Erbe verweigert - Österreich und NS-Architektur

An zwei Tagen, dem 15. und 16. September 2006, werden von ExpertInnen Inhalte rund um die Thematik NS-Architektur diskutiert. NS-Architektur - das sind nicht nur die Wiener Flaktürme, die Führerstadt Linz oder das aktuell diskutierte "Hitlerzimmer" im Wiener Volkstheater. In den sieben Jahren nationalsozialistischer Herrschaft in Österreich entstanden auch Kasernen, Fabrikbauten, Schulen, Verwaltungsgebäude und zahlreiche Wohnanlagen sowie Siedlungen, die heute wie selbstverständlich genutzt werden. Bei teilweise durchaus guter Funktionalität und einer idyllisch-harmlosen architektonischen Gestaltung ist der Kontext, in dem sie entstanden, vielen nicht mehr bekannt. Das vom Architekturzentrum Wien und dem Bundesdenkmalamt gemeinsam veranstaltete Symposium soll die spannungsvolle Dialektik zwischen Entstehungsgeschichte und alltäglichem Gebrauch dieser Gebäude thematisieren und Fragen nach dem adäquaten Umgang stellen.
Das detaillierte Programm gibt es auf der Homepage unter www.azw.at. Eintritt frei an beiden Tagen!

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Ines Purtauf
Architekturzentrum Wien
Tel.: 01/522 31 15-23
purtauf@azw.at
www.azw.at

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