• 04.09.2006, 14:05:22
  • /
  • OTS0214 OTW0214

"Die kunstpolitische Depression muss ein Ende haben!" - BILD/ANHANG

Gerald Bast, Universität für angewandte Kunst Wien, und Peter Noever, MAK, starten gemeinsame Kunstoffensive "GegenwartsKunst in die Regierung!"

Kunstaktion "GegenwartsKunst in die Regierung"
Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien, und Peter Noever, Direktor MAK - Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst

Wien (OTS) - Zum Start ihrer gemeinsamen Kunstoffensive
"GegenwartsKunst in die Regierung!" setzten Gerald Bast, Rektor der
Universität für angewandte Kunst Wien, und Peter Noever, Direktor MAK
- Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst,
heute, 4. September 2006, einen politischen Akt im öffentlichen Raum.
Mit einem Transparent mit dem Schriftzug "GegenwartsKunst in die
Regierung" forderten sie in Anwesenheit zahlreicher Journalisten,
Künstler und Schaulustiger am Wiener Stubenring, Ecke
Weiskirchnerstraße, eine progressivere Kunstpolitik in Österreich
ein. Der politische Diskurs im Vorfeld der Nationalratswahl 2006
streift die Kunst, vor allem die Gegenwartskunst, nur am Rande. Um zu
verhindern, dass zeitgenössische Kunst in der kommenden
Legislaturperiode einmal mehr kein Thema ist, sehen Bast und Noever
dringenden Handlungsbedarf.

"Die kunstpolitische Depression in Österreich muss ein Ende
haben!" forderten Bast und Noever bei einer Pressekonferenz im
Vorfeld der öffentlichen Aktion im Atelier der Universität für
angewandte Kunst Wien. Ihre Vorschläge für eine konstruktive
Kunstpolitik subsumiert das gemeinsam verfasste Aktionspapier
"GegenwartsKunst in die Regierung", das bei der Pressekonferenz
präsentiert wurde. Bast und Noever konzentrieren sich darin auf fünf
wesentliche Punkte:

- Ein "Ministerium für Gegenwartskunst" soll der zeitgenössischen
Kunst eine adäquate Verankerung in der politischen Landschaft
sichern. Seit 1997 ist Kunst zum Ressort im Bundeskanzleramt
degradiert. Peter Noever: "Österreich beansprucht für sich eine
Vorreiterrolle im Bereich Kultur. Diesem Anspruch muss auch im
politischen Handeln Rechnung getragen werden." Bast und Noever
fordern vor allem mehr politisches Gewicht für Bildende Kunst,
Architektur und Design, sehen aber auch Handlungsbedarf für alle
anderen Äußerungen im künstlerischen Bereich wie Literatur und Musik.

Als idealen Standort für das neue Ministerium schlagen sie Günther
Domenigs seit August 2004 stillgelegte "Z"-Filiale in Wien-Favoriten
vor. Das berühmte Gebäude war in den 70er Jahren Vorbild für neue
Strömungen in der Architektur und gilt als Pionierleistung.

Auch in anderen Ministerien und politischen Ämtern fordern Bast
und Noever eine "Künstlerquote", also einen Einbezug der Kunst in
staatstragende Gremien.

- Eine "Österreichische Nationalstiftung für Gegenwartskunst" soll,
ausgestattet mit angemessenen finanziellen Mitteln, die
Sammlungslücke im Bereich zeitgenössische Kunst schließen. Sie
garantiert, dass zeitgenössische künstlerische Produktionen wieder in
der Gegenwart leistbar sind und nicht erst als künstlerisches Erbe
beansprucht werden. Ähnlich wie die Wissenschaften mit dem Fonds zur
Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) braucht auch die
Kunst ein unabhängiges Instrumentarium, um die Entwicklung der Kunst
nicht allein dem Kunstmarkt und der Kunst-Event-Industrie zu
überlassen.

- Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk fordern Bast und Noever eine
Vertiefung und Ausweitung des sukzessive ausgedünnten Kunst- und
Kulturprogramms. Seriöse Kunstformate wie "Kunststücke" oder jüngst
"Tipp - die Kulturwoche" wurden gestrichen und durch leicht
produzier- und konsumierbare kulturelle Kost ersetzt. Für umfassende
Reportagen oder Dokumentationen aus dem Bereich Kunst ist im
Fernsehen kein Platz. Für ein neues Konzept für kompetente
Kunstberichterstattung regen Bast und Noever auch den Einbezug von
Kunstschaffenden in die Programmgestaltung an.

- Gefordert wird weiters ein internationaler "Design Award of the
Year", der von der Universität für angewandte Kunst Wien und dem MAK
gemeinsam einmal im Jahr vergeben wird. Ähnlich dem Pritzker-Preis,
dem weltweit renommiertesten Preis im Bereich Architektur, soll diese
Auszeichnung einen wichtigen Beitrag für die nationale wie
internationale Designszene leisten. Ein "Design Award of the Year"
von internationalem Format, der etwa vergleichbar sein könnte mit dem
Nobelpreis bei den Naturwissenschaften, würde einen maßgeblichen
Akzent für die Kreativszene setzen.

- Eine Neupositionierung des Kunstunterrichts mit einem starken
Fokus auf zeitgenössische Kunst, Architektur und Design sehen Bast
und Noever als essenziell für die gesellschaftliche Entwicklung. Die
derzeitige Situation an den österreichischen Schulen bietet wenig
Freiraum für die Einbeziehung von künstlerischen Fächern und der
Kunstvermittlung. Hierfür müsste eine neuartige Unterrichtsform
entwickelt werden, die auf alle Schulformen und Schulstufen
angewendet werden kann. Derzeit gibt es eine klare Hierarchie in der
"Wichtigkeit" der einzelnen Unterrichtsfächer. Künstlerische Fächer
stehen von der ersten bis zur letzten Schulstufe am untersten Ende
dieser Hierarchieskala. Die künstlerisch-kreativen Fähigkeiten müssen
in der Schule gefördert werden, denn das Bewusstsein für Kunst und
Kultur sind Teil einer funktionierenden Gesellschaft.

Die heutige Pressekonferenz mit anschließender Aktion war der
Auftakt zu einer mehrwöchigen Initiative, die auch Unterstützung aus
der Kunst selbst erfährt. Maßgebende Gegenwartskünstler, darunter
unter anderem Michael Kienzer, Brigitte Kowanz, Hans Kupelwieser,
Marko Lulic, Wolf D. Prix, Arnulf Rainer, Eva Schlegel und Erwin Wurm
haben sich spontan bereit erklärt, sich mit künstlerischen Beiträgen
an der Kunstoffensive zu beteiligen. Constantin Luser begleitete
bereits die Aktion am 4. September mit einem zu einem "fahrbaren
Rotationsquintett" umgebauten Karussel, das er gemeinsam mit Lukas
Galehr und Matthias Makowsky für die Kunstaktion "Geschichte(n) vor
Ort" im Volkertviertel entwickelt hatte. Bis zur Nationalratswahl am
1. Oktober 2006 wird mit einem Transparent, das sich über die Fassade
der Universität für angewandte Kunst und des MAK erstreckt, mit
Plakaten in ganz Wien, sowie regelmäßigen Flyerverteilungen auf die
Notwendigkeit einer aktiveren Politik im Bereich zeitgenössische
Kunst in Österreich hingewiesen. Ein weiterer Höhepunkt der Offensive
wird ein Aktionstag am 21. September 2006 sein.

Für Gerald Bast und Peter Noever ist "GegenwartsKunst in die
Regierung" auch der Auftakt für eine zukünftige verstärkte
Zusammenarbeit der Universität für angewandte Kunst und des MAK. Die
beiden Häuser vertreten gemeinsame Anliegen und blicken auf eine
lange, gemeinsame Geschichte zurück. Als Symbol des näher
Aneinander-Rückens wurde zwischen dem Hof der Universität und dem
Garten des MAK ein Tor eingerichtet, das am 4. September erstmals
geöffnet wurde.

Fotos zur Aktion schicken das MAK-Pressebüro und die Stabstelle
für Öffentlichkeitsarbeit der Universität für angewandte Kunst Wien
gerne zu.

Presseunterlagen, Pressefotos und laufend aktualisierte
Informationen zur Initiative "GegenwartsKunst in die Regierung"
stehen unter www.MAK.at, www.MAK.at/presse sowie www.dieangewandte.at
zum Download bereit.

Anhänge zu dieser Meldung finden Sie als Verknüpfung im
AOM/Original Text Service sowie beim Aufruf der Meldung im Volltext
auf http://www.ots.at

Rückfragehinweis:

MAK Presse
   Judith Anna Jungmann
   Sandra Ghignone
   Teresa Raninger
   Tel.: (+43-1) 711 36-233, 212, 229
   Fax:  (+43-1) 711 36-227
   mailto:[email protected]
   www.MAK.at 
   
   Universität für angewandte Kunst Wien
   Stabstelle für Öffentlichkeitsarbeit
   Anja Seipenbusch
   Oskar Kokoschka-Platz 2
   A-1010 Wien
   Tel.: (+43-1) 711 33-2160
   Fax:  (+43-1) 711 33-2169
   mailto:[email protected]
   www.dieangewandte.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MAK

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel