- 30.08.2006, 12:31:33
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Hilfswerk fordert trotz Wahlkampf eine strukturierte Pflegedebatte
Präsident Othmar Karas: "Kraut- und Rübendebatte hilft nicht. Der richtige Maßnahmen-Mix zur richtigen Zeit ist entscheidend!"
Wien (OTS) - "Der richtige Maßnahmen-Mix zum richtigen Zeitpunkt
entscheidet über den Erfolg!". Das ist die Quintessenz der
Präsentation des Pflege- und Betreuungsprogramms des Hilfswerks, das
heute, Mittwoch, in Wien vorgestellt wurde.
"Wir müssen aufpassen, dass die große Chance, endlich etwas zu
bewegen, nicht dadurch vertan wird, dass Personen, die sich bisher
kaum mit dem Thema Pflege und Betreuung beschäftigt haben, sich aber
jetzt zu Wort melden, Kraut und Rüben durcheinanderbringen.", sagt
Hilfswerk-Präsident Othmar Karas, angesichts der Vielzahl von
Wortmeldungen, die in den letzten Wochen präsentiert wurden. Auch das
Durcheinander von Kurz-, Mittel- und Langfristszenarios helfe der
Debatte nicht.
Entgegen der vielfach undifferenziert geäußerten Meinung gibt es
beispielsweise im Pflegebereich keinen akuten allgemeinen
Personalnotstand! Eine Lockerung der Ausländerbeschäftigung sollte es
daher ausschließlich im Bereich "Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu Hause"
geben.
"Kurzfristig muss die derzeit illegale Betreuung der älteren
Menschen durch ausländische BetreuerInnen auf Basis des
Hausangestelltengesetzes legalisiert werden", so Karas weiter, "weil
hier gibt es offene Strafverfahren. Den Menschen sollte so rasch wie
möglich eine legale Lösung geboten werden. Die Betroffenen und die
Behörden haben einen Anspruch auf Rechtssicherheit!" Der notwendigen
öffentlichen Zusatzfinanzierung in der Höhe von etwa 170 Millionen
Euro pro Jahr stehen auch Sozialversicherungseinnahmen gegenüber, die
derzeit nicht geleistet werden.
Andere, derzeit bekannte politische Vorschläge wie
"Au-Pair-Modell", "Saisonniers" oder "Tagesmüttermodell" sind zur
kurzfristigen Legalisierung der "24-Stunden-Betreuung zu Hause" eher
ungeeignet, weil entweder zu viele bestehende Gesetze geändert werden
müssten oder der Arbeitsmarkt massiv gestört würde. Der Einsatz von
branchenfremden Arbeitslosen und Personen, die ein freiwilliges
Sozialjahr machen wollen, Zivildiener und Praktikanten aller Art ist
für die unbeaufsichtigten Einsatz in Privathaushalten kein geeignetes
Modell, wohl aber vielleicht in anderen Betreuungsformen
(teilstationäre, stationäre Einrichtungen, Essen auf Rädern, Besuchs-
und Begleitdienste).
Eine Bewertung der einzelnen Modelle steht auf www.hilfswerk.at zum
Download bereit.
"Bei den mittelfristigen bis langfristigen Maßnahmen haben die
meisten Verantwortlichen bereits erkannt, wohin die Richtung gehen
muss: massiver Ausbau der mobilen Dienste und der teilstationären
Einrichtungen wie Tageszentren und Forcierung des betreuten Wohnens
für Senioren, damit die Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes
Leben in der vertrauten Umgebung führen können.", so Karas weiter.
"Dazu eine beherzte Ausbildungsreform, damit auch die zukünftigen
Personalerfordernisse in erster Linie durch heimische Arbeitskräfte
gedeckt werden können. Aber das muss man auch rasch starten, sonst
haben wir in ein paar Jahren wirklich einen Pflegenotstand!"
Das Hilfswerk ist im Bereich der mobilen Pflege die größte
Organisation in Österreich. Es unterstützt regelmäßig 20.910 alte und
kranke Menschen durch professionelle Hilfe und Pflege daheim. Das
Hilfswerk beschäftigt 7.600 MitarbeiterInnen. Die Gesamtleistung des
Hilfswerks (Umsatz) beträgt 149,62 Millionen Euro.
Rückfragehinweis:
Mag. Harald Blümel Österreichisches Hilfswerk Bundesgeschäftsstelle Tel.: 01 / 40442 - 12 Mobil: 0676 / 8787 60203 mailto:[email protected] www.hilfswerk.at
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