- 05.08.2006, 11:36:38
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Greenpeace kritisiert Verharmlosung des AKW-Unfalls in Forsmark
INES-Skala und Klassifizierung mit Störfallklasse 2 nur bedingt aussagekräftig
Wien/Stockholm (OTS) - Greenpeace kritisiert die Verharmlosung des
Störfalls im schwedischen AKW Forsmark durch österreichische und
finnische Atomexperten. "Die immer wieder zitierte INES-Skala der
Internationalen Atomenergiebehörde IAEO sagt nichts darüber aus, was
passieren hätte können und wie weit Europa vor einem erneuten
Tschernobyl-Supergau entfernt war", kritisiert Greenpeace-Atomexperte
Erwin Mayer.
Die Störfallklassifizierung erfolgt zunächst nur durch den Betreiber
des betroffenen AKW, nicht durch unabhängige Experten. Erst danach
kann die IAEO, deren Ziel es immerhin ist, die Atomenergie weltweit
zu fördern, eine Herab- oder - zumeist - Hinaufstufung vornehmen. Wie
etwa im Fall des bulgarischen AKW Kozloduj am 1. März dieses Jahres
geschehen. Ein von den Betreibern zuerst als Stufe Null
klassifizierter Störfall wurde auf Stufe Zwei korrigiert. Unabhängige
Experten aus AKW-freien Staaten wie etwa Österreich erhalten kaum
Zutritt zum AKW, noch viel weniger Einsicht in relevante Dokumente,
die den Unfallhergang erklären. "AKW-Betreiber und pro-nukleare
Überprüfungsbehörden bis hin zur IAEO bleiben bei den Untersuchungen
über das wahre Ausmaß von Störfällen meist unter sich", kritisiert
Mayer.
Im AKW Forsmark waren zwei von vier Dieselgeneratoren nicht
ausreichend für die Notstromversorgung des Kraftwerks. Computer, die
dem Bedienpersonal relevante Daten wie Temperatur und Reaktordruck
hätten berichten sollen, waren ohne Strom und standen still. Die
Ursache für den Ausfall von zwei der vier Notstromgeneratoren - ein
Fehler in der elektrischen Anlage - hätte auch zum Ausfall der
Generatoren 3 und 4 führen können. Bei einem längeren Stromausfall
hätte es leicht zu einer Kernschmelze kommen können. Wenn diese nicht
rechtzeitig mittels Überflutung des Reaktors mit Borwasser und
anderen Maßnahmen gestoppt wird, wäre ein Super-GAU wie in
Tschernobyl möglich gewesen.
"Nur wenige falsche Schritte können aus einem Störfall der
INES-Kategorie 2 in kürzester Zeit einen der Kategorie 5, 6 oder gar
7 - wie in Tschernobyl - machen. Im Fall des AKW Forsmark hat selbst
die schwedische Aufsichtsbehörde SKI in ihrem Untersuchungsbericht
von einem "außergewöhnlichen" Vorfall gesprochen", schließt Mayer.
Der Bericht der schwedischen Atomaufsichtsbehörde SKI ist
englischsprachig nachzulesen unter
http://www.ski.se/dynamaster/file_archive/060803/33cd15dfe7e3739372aa
77bbc24f96b0/RASK%2dreport%20english.pdf
Rückfragehinweis:
Thomas Hohenberger, Pressesprecher, 0664-5308186
Mag. Erwin Mayer, Greenpeace-Atomexperte, 0664-2700441
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