- 31.07.2006, 12:48:53
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Stadlbauer zu Kinderbetreuung im Sommer: Für Regierung kein Thema!
Große Probleme für berufstätige Mütter - FOTOS
Wien (SK) - "Diese Woche taucht eine Problematik auf, die uns alle
Jahre wieder beschäftigt - die Urlaubsschließtage der Kindergärten im
August und die damit verbundenen großen Probleme für berufstätige
Mütter", so SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Bettina Stadlbauer am
Montag in einer Pressekonferenz. Während jedoch die SPÖ klare
Konzepte parat habe und flächendeckende Kinderbildungseinrichtungen
fordert, stecke die Regierung einmal mehr den "Kopf in den
Sandkasten", kritisierte Stadlbauer. Auch betroffene Mütter kamen in
der Pressekonferenz zu Wort. Almut Zillner, vierfache Mutter aus
Oberösterreich, und Manuela Himmelsbach, zweifache Mutter aus
Niederösterreich, schilderten aus sehr persönlicher Sicht, mit
welchen Problemen sie konfrontiert sind. Ein weiteres "Schummelpaket"
das Stadlbauer ansprach: Die Umsetzung des Schulorganisationsgesetz
im Herbst. ****
Stadlbauer machte auf die hohe Anzahl von Schließtagen aufmerksam. So
gibt es in Österreich durchschnittlich 34 Schließtage der
Einrichtungen, dabei ist der Wohnort entscheidend. "Wien ist mit nur
fünf Schließtagen eine sehr positive Ausnahme", unterstrich
Stadlbauer. Negativ sei die Situation vor allem in den westlichen
Bundesländern. Vorarlberg rangiert mit 38 Tagen auf Platz eins der
Negativliste, gefolgt von Tirol mit 32 Tagen und Niederösterreich mit
27 Tagen.
Zudem würden die Schließtage im Sommer die ohnedies schwierige
Situation durch die Öffnungszeiten verschärfen. "Auch hier ist Wien
wieder die positive Ausnahme, denn 90 Prozent der Krippen und Horte
sowie 80 Prozent der Kindergärten haben zumindest bis 17:00 Uhr
geöffnet", so Stadlbauer. Ein ganz anderes Bild ergibt sich in Tirol:
Dort haben 59 Prozent der Kindergärten im besten Falle bis 14:00 Uhr
Betreuung. Das Resümee der Bundesfrauengeschäftsführerin: "Diese
Bundesregierung könnte etwas gegen diese Situation unternehmen, aber
sowohl der Frauenministerin als auch der Sozialministerin und dem
Bundeskanzler fehlt es an politischem Willen, und die Frauen und
Familien müssen schauen, wie sie das Problem selbst lösen".
Dass es auch anders gehen kann, zeigen die skandinavischen Länder
oder auch Frankreich: Dort sind flächendeckende
Kinderbildungseinrichtungen mit Öffnungszeiten, die sich an
berufstätigen Eltern orientieren, möglich. Doch in Österreich wolle
sich Kanzler Schüssel nicht einmischen, Bildungsministerin Gehrer
meine, auf Kinderbetreuung könne niemand Rechtsanspruch haben und bei
der Sozialministerin gibt es zum Trost Beratungsgespräche. "Meisterin
in der Vogel-Strauß-Politik ist aber wie immer Frauenministerin
Rauch-Kallat, die sich explizit gegen Geld vom Bund ausspricht",
kritisierte Stadlbauer.
Almut Zillner war, als sie aufs Land gezogen ist, mit einer Situation
konfrontiert, wie sie sich "in ihren kühnsten Träumen nicht erwartet
hätte". So hatte der Kindergarten im Sommer einfach zwei Monate
geschlossen und Eltern und Großeltern mussten nacheinander Urlaub
nehmen, um über den Sommer zu kommen. Der Kindergarten der
Nachbargemeinde, der auch über die Sommermonate geöffnet hatte, sei
schlichtweg zu teuer gewesen. Zillner hat es mit "Biegen und Brechen"
geschafft, mit Hilfe einer Privatinitiative Nachmittagsbetreuung zu
schaffen. Ihr Resümee: "Die Lage am Land ist nicht lustig".
Für Manuela Himmelsbach ist die Situation auch alles andere als
rosig. Nach Ablauf der Karenz würde sie gerne wieder arbeiten gehen,
doch stellt sich für sie die Frage, ob sich das auch auszahlt. Denn
von einem Halbtagsjob mit ca. 700 Euro müsste sie ca. 500 Euro für
Kinderbetreuung hinlegen. Himmelsbach: "Eine leistbare Betreuung wäre
toll, denn wenn ich zwanzig Stunden arbeiten gehe, soll auch noch
Geld übrig bleiben".
Umsetzung des Schulorganisationsgesetz lässt zu wünschen übrig
"Im Herbst wird eine weitere, unangenehme Welle auf uns zurollen,
dann wird das neue Schulorganisationsgesetz umgesetzt werden", so
Stadlbauer. Auch die SPÖ habe dem Gesetz zugestimmt, doch nun lasse
die Umsetzung zu wünschen übrig, kritisierte Stadlbauer. "Es fehlt am
politischen Willen, genügend Nachmittagsbetreuung, vor allem für
Schulkinder, zur Verfügung zu stellen". Stadlbauer skizzierte anhand
des Beispiels Oberösterreich, wo die Probleme liegen. So müssen die
Gemeinden für gemeindeeigene Schulen Nachmittagsbetreuung anbieten,
bekommen dafür aber keine zusätzlichen finanziellen Mittel, so
Stadlbauer, die von einem "ganz großen Handicap" sprach. "Schulfreie
Tage sind in diesem Paket kein Thema und werden weiterhin
betreuungsfrei sein".
"Ein großer Pferdefuß, zumindest in Oberösterreich, sind auch die
Ressourcen für die Nachmittagsbetreuung", sagte Stadlbauer. So hätten
LehrerInnen in Oberösterreich in den Hauptschulen 22 Stunden
Lehrverpflichtung und müssten für die Nachmittagsbetreuung
zusätzliche Stunden arbeiten. "Dadurch entstehen jedoch dauerhafte
Überstunden, die geringer entlohnt werden", kritisierte Stadlbauer.
Sie schlug vor, JunglehrerInnen für die Nachmittagsbetreuung
heranzuziehen. "Doch auch hier gibt es wieder eine Bremse, denn in
Oberösterreich bekommen Lehrerinnen und Lehrer nur dann einen
Arbeitsvertrag für Nachmittagsstunden, wenn sie eine zehn-stündige
Lehrverpflichtung haben". Gerade arbeitslose JunglehrerInnen hätten
aber keine Lehrverpflichtung, so Stadlbauer, die von einem
"Schummelpaket" sprach.
"Wir brauchen ganz rasch den flächendeckenden Ausbau der
Kinderbildungseinrichtungen", forderte Stadlbauer. "Die SPÖ in
Regierungsverantwortung wird sich dafür verbürgen, 100.000
Betreuungsplätze für Kinder zu schaffen", so Stadlbauer. Sie verwies
auf das "Clever-Kids-Programm" der SPÖ. Hochwertige und ganztägige
Kinderbetreuung von Schulkindern stehen im Vordergrund. "Mit diesem
Programm fordern wir einen eigenen Rechtsanspruch auf einen
Kinderbildungs- oder Ganztagsschulplatz für die Eltern und deren
Kinder", so Stadlbauer. Zudem fordere die SPÖ ein Bundesrahmengesetz,
das einheitliche Standards in ganz Österreich schafft.
"Es muss eine durchgängige Kinderbetreuung auch in den Ferienmonaten
garantiert sein", sagte Stadlbauer. Die Betreuung könnte z. B. in der
AHS an schulfreien Tagen von arbeitslosen JunglehrerInnen übernommen
werden oder als Betreuungsteil in die Lehrverpflichtung aufgenommen
wird. "Aber die Regierung ist untätig und ignoriert das Problem",
schloss Stadlbauer.
Fotos von der Pressekonferenz und der Medienaktion finden Sie unter
www.spoe.at. (Schluss) sk
Rückfragehinweis:
Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
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