Stadlbauer zu Kinderbetreuung im Sommer: Für Regierung kein Thema!

Große Probleme für berufstätige Mütter - FOTOS

Wien (SK) - "Diese Woche taucht eine Problematik auf, die uns alle Jahre wieder beschäftigt - die Urlaubsschließtage der Kindergärten im August und die damit verbundenen großen Probleme für berufstätige Mütter", so SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Bettina Stadlbauer am Montag in einer Pressekonferenz. Während jedoch die SPÖ klare Konzepte parat habe und flächendeckende Kinderbildungseinrichtungen fordert, stecke die Regierung einmal mehr den "Kopf in den Sandkasten", kritisierte Stadlbauer. Auch betroffene Mütter kamen in der Pressekonferenz zu Wort. Almut Zillner, vierfache Mutter aus Oberösterreich, und Manuela Himmelsbach, zweifache Mutter aus Niederösterreich, schilderten aus sehr persönlicher Sicht, mit welchen Problemen sie konfrontiert sind. Ein weiteres "Schummelpaket" das Stadlbauer ansprach: Die Umsetzung des Schulorganisationsgesetz im Herbst. ****

Stadlbauer machte auf die hohe Anzahl von Schließtagen aufmerksam. So gibt es in Österreich durchschnittlich 34 Schließtage der Einrichtungen, dabei ist der Wohnort entscheidend. "Wien ist mit nur fünf Schließtagen eine sehr positive Ausnahme", unterstrich Stadlbauer. Negativ sei die Situation vor allem in den westlichen Bundesländern. Vorarlberg rangiert mit 38 Tagen auf Platz eins der Negativliste, gefolgt von Tirol mit 32 Tagen und Niederösterreich mit 27 Tagen.

Zudem würden die Schließtage im Sommer die ohnedies schwierige Situation durch die Öffnungszeiten verschärfen. "Auch hier ist Wien wieder die positive Ausnahme, denn 90 Prozent der Krippen und Horte sowie 80 Prozent der Kindergärten haben zumindest bis 17:00 Uhr geöffnet", so Stadlbauer. Ein ganz anderes Bild ergibt sich in Tirol:
Dort haben 59 Prozent der Kindergärten im besten Falle bis 14:00 Uhr Betreuung. Das Resümee der Bundesfrauengeschäftsführerin: "Diese Bundesregierung könnte etwas gegen diese Situation unternehmen, aber sowohl der Frauenministerin als auch der Sozialministerin und dem Bundeskanzler fehlt es an politischem Willen, und die Frauen und Familien müssen schauen, wie sie das Problem selbst lösen".

Dass es auch anders gehen kann, zeigen die skandinavischen Länder oder auch Frankreich: Dort sind flächendeckende Kinderbildungseinrichtungen mit Öffnungszeiten, die sich an berufstätigen Eltern orientieren, möglich. Doch in Österreich wolle sich Kanzler Schüssel nicht einmischen, Bildungsministerin Gehrer meine, auf Kinderbetreuung könne niemand Rechtsanspruch haben und bei der Sozialministerin gibt es zum Trost Beratungsgespräche. "Meisterin in der Vogel-Strauß-Politik ist aber wie immer Frauenministerin Rauch-Kallat, die sich explizit gegen Geld vom Bund ausspricht", kritisierte Stadlbauer.

Almut Zillner war, als sie aufs Land gezogen ist, mit einer Situation konfrontiert, wie sie sich "in ihren kühnsten Träumen nicht erwartet hätte". So hatte der Kindergarten im Sommer einfach zwei Monate geschlossen und Eltern und Großeltern mussten nacheinander Urlaub nehmen, um über den Sommer zu kommen. Der Kindergarten der Nachbargemeinde, der auch über die Sommermonate geöffnet hatte, sei schlichtweg zu teuer gewesen. Zillner hat es mit "Biegen und Brechen" geschafft, mit Hilfe einer Privatinitiative Nachmittagsbetreuung zu schaffen. Ihr Resümee: "Die Lage am Land ist nicht lustig".

Für Manuela Himmelsbach ist die Situation auch alles andere als rosig. Nach Ablauf der Karenz würde sie gerne wieder arbeiten gehen, doch stellt sich für sie die Frage, ob sich das auch auszahlt. Denn von einem Halbtagsjob mit ca. 700 Euro müsste sie ca. 500 Euro für Kinderbetreuung hinlegen. Himmelsbach: "Eine leistbare Betreuung wäre toll, denn wenn ich zwanzig Stunden arbeiten gehe, soll auch noch Geld übrig bleiben".

Umsetzung des Schulorganisationsgesetz lässt zu wünschen übrig

"Im Herbst wird eine weitere, unangenehme Welle auf uns zurollen, dann wird das neue Schulorganisationsgesetz umgesetzt werden", so Stadlbauer. Auch die SPÖ habe dem Gesetz zugestimmt, doch nun lasse die Umsetzung zu wünschen übrig, kritisierte Stadlbauer. "Es fehlt am politischen Willen, genügend Nachmittagsbetreuung, vor allem für Schulkinder, zur Verfügung zu stellen". Stadlbauer skizzierte anhand des Beispiels Oberösterreich, wo die Probleme liegen. So müssen die Gemeinden für gemeindeeigene Schulen Nachmittagsbetreuung anbieten, bekommen dafür aber keine zusätzlichen finanziellen Mittel, so Stadlbauer, die von einem "ganz großen Handicap" sprach. "Schulfreie Tage sind in diesem Paket kein Thema und werden weiterhin betreuungsfrei sein".

"Ein großer Pferdefuß, zumindest in Oberösterreich, sind auch die Ressourcen für die Nachmittagsbetreuung", sagte Stadlbauer. So hätten LehrerInnen in Oberösterreich in den Hauptschulen 22 Stunden Lehrverpflichtung und müssten für die Nachmittagsbetreuung zusätzliche Stunden arbeiten. "Dadurch entstehen jedoch dauerhafte Überstunden, die geringer entlohnt werden", kritisierte Stadlbauer. Sie schlug vor, JunglehrerInnen für die Nachmittagsbetreuung heranzuziehen. "Doch auch hier gibt es wieder eine Bremse, denn in Oberösterreich bekommen Lehrerinnen und Lehrer nur dann einen Arbeitsvertrag für Nachmittagsstunden, wenn sie eine zehn-stündige Lehrverpflichtung haben". Gerade arbeitslose JunglehrerInnen hätten aber keine Lehrverpflichtung, so Stadlbauer, die von einem "Schummelpaket" sprach.

"Wir brauchen ganz rasch den flächendeckenden Ausbau der Kinderbildungseinrichtungen", forderte Stadlbauer. "Die SPÖ in Regierungsverantwortung wird sich dafür verbürgen, 100.000 Betreuungsplätze für Kinder zu schaffen", so Stadlbauer. Sie verwies auf das "Clever-Kids-Programm" der SPÖ. Hochwertige und ganztägige Kinderbetreuung von Schulkindern stehen im Vordergrund. "Mit diesem Programm fordern wir einen eigenen Rechtsanspruch auf einen Kinderbildungs- oder Ganztagsschulplatz für die Eltern und deren Kinder", so Stadlbauer. Zudem fordere die SPÖ ein Bundesrahmengesetz, das einheitliche Standards in ganz Österreich schafft.

"Es muss eine durchgängige Kinderbetreuung auch in den Ferienmonaten garantiert sein", sagte Stadlbauer. Die Betreuung könnte z. B. in der AHS an schulfreien Tagen von arbeitslosen JunglehrerInnen übernommen werden oder als Betreuungsteil in die Lehrverpflichtung aufgenommen wird. "Aber die Regierung ist untätig und ignoriert das Problem", schloss Stadlbauer.

Fotos von der Pressekonferenz und der Medienaktion finden Sie unter www.spoe.at. (Schluss) sk

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