Wieselburger Messe: Pröll fordert Parallelität bei WTO-Runde

Wettbewerbsfähigkeit der bäuerlichen Betriebe muss gestärkt werden

Wieselburg (AIZ) - Auf die große Bedeutung des morgen, Donnerstag, in Genf beginnenden WTO-Ministertreffens wies heute Landwirtschaftsminister Josef Pröll bei der Eröffnung der Wieselburger Messe hin. "Unsere Verhandlungspartner, insbesondere jene in Übersee, drängen massiv auf eine Öffnung der europäischen Agrarmärkte, wollen jedoch selbst keine entsprechenden Angebote zur Marktöffnung machen. Ohne eine Parallelität in dieser Frage kann es aber keine Zustimmung der EU geben", hielt Pröll fest.

Bei den WTO-Verhandlungen stünden einander - neben den Entwicklungsländern - zwei gegensätzliche Landwirtschaftsmodelle gegenüber: das agroindustrielle System, wie es in den USA und in Brasilien zu finden sei, und das nachhaltige Modell in Europa mit seinen hohen Produktionsstandards, erläuterte Pröll. Die EU habe in dieser WTO-Runde bereits ein substanzielles Angebot gemacht und mit der jüngsten Agrarreform eine wichtige Vorleistung für den Abbau produktionsbezogener Stützungen gemacht. Von der Gegenseite warte man aber immer noch auf ein adäquates Vorgehen, kritisierte der Minister.

Wettbewerb wird härter

"Wir werden alles tun, um ein Aufbrechen des europäischen Agrarmarktes, wie es in der WTO angestrebt wird, zu verhindern. Dennoch müssen sich unsere Bauern auf einen härteren Wettbewerb einstellen", unterstrich Pröll. Daher sei auch das Programm für die Ländliche Entwicklung in der Förderperiode 2007 bis 2013 auf diese neuen Herausforderungen ausgerichtet worden.

"Das Umweltprogramm ÖPUL wird so wie bisher das Kernstück der Ländlichen Entwicklung sein. Mit EUR 520 bis 530 Mio. werden auch die meisten Mittel dafür verwendet. Bei der Bergbauernförderung wird kein Cent weggenommen, die Mittel für die Ausgleichszulage bleiben mit rund EUR 276 Mio. praktisch gleich. Die dritte Säule des Programms, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, wird - nicht nur wegen der WTO-Runde - immer mehr zu einer strategischen Schlüsselfrage. Daher werden deutlich mehr Mittel als bisher in die Investitionsförderung, in die Vermarktung von Qualitätsprodukten, in Bildungsmaßnahmen und auch in den Bereich Bioenergie fließen", betonte Pröll. Obwohl die erneuerbaren Energieträger für die Landwirtschaft ein sehr wichtiger Hoffnungsmarkt seien, werde die Lebensmittelerzeugung ihren Stellenwert behalten und nicht verdrängt werden.

Verhandlungserfolg für Österreich

Der Minister erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass Österreich als eines von sehr wenigen EU-Ländern künftig mehr EU-Mittel für die Ländliche Entwicklung erhalte, nämlich EUR 3,5 Mrd. anstatt der erwarteten EUR 3,2 Mrd. "Diesen Verhandlungserfolg haben wir sehr hart erkämpfen müssen", sagte Pröll und dankte dabei auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für seinen Einsatz. Wenn man bedenke, dass am Anfang der Finanzverhandlungen der britische Vorschlag einer Halbierung der EU-Agrarmittel auf dem Tisch lag, so könne man ermessen, wie hart man hier verhandelt habe.

Auf den Messestandort Wieselburg eingehend, verwies der Minister darauf, dass hier mit dem Neu- und Umbau der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Francisco Josephinum ein wichtiger Impuls für die landwirtschaftlliche Ausbildung und Forschung gesetzt werde. Wieselburg habe sich als agrarisches Kompetenzzentrum etabliert.

Bundespräsident Fischer würdigt Bedeutung der Landwirtschaft

Die offizielle Messeeröffnung nahm Bundespräsident Heinz Fischer in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste aus dem agrarischen Bereich (Landesrat Josef Plank, LK-Präsident Hermann Schultes, SVB-Obmann Karl Donabauer usw.) und vieler politischer Mandatare vor. Fischer würdigte in seiner Rede die "große Bedeutung der Landwirtschaft für die Gesellschaft, für die Lebensmittelerzeugung, die Umwelt und für die Pflege der Kulturlandschaft". Das Staatsoberhaupt erinnerte weiters an "die verantwortungsvolle Rolle der Landwirtschaft bei den EU-Beitrittsverhandlungen". Anlässlich der zu Ende gehenden österreichischen EU-Präsidentschaft hielt Fischer fest, dass "alle Verantwortlichen dazu beigetragen haben, dass sich unser Land hier einen großen Namen gemacht hat". Österreich habe gezeigt, "dass wir eine solche Aufgabe gut erfüllen können".

Bioenergie als neuer Messe-Schwerpunkt

Die Wieselburger Messe mit ihrem landwirtschaftlichen Fachteil "Inter Agrar" steht vom 28.06. bis 02.07 im Zeichen neuer fachlicher Akzente. Während bisher die Ausstellungs-Schwerpunkte bei Tierhaltung und Grünlandwirtschaft lagen, wird ab heuer den nachwachsenden Rohstoffen mehr Raum gewidmet. Unter dem Titel "Grüne Rohstoffe, Energie und Treibstoffe" findet man in der Halle 12 eine Sonderschau der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Laut LK-Präsident Schultes wird hier gezeigt, welche enormen Chancen die Bauern künftig mit ihren "grünen Ölfeldern" haben. So gesehen, sei die Messe ein "Spiegelbild der agrarischen Entwicklung", sagte Schultes.

Neben der "Inter Agrar" beinhaltet die Messe auch umfassende Angebote in den Bereichen Bauen & Wohnen, Haushaltsausstattung, Freizeit, Garten, Gesundheit und die allgemeine Warenmesse sowie das beliebte Wieselburger Volksfest. Die Messe ist auch heuer völlig ausgebucht, auf einer Fläche von 80.000 m2 werden 550 Aussteller (die mehr als 1.300 Firmen vertreten) ihr Produkt- und Beratungsangebot präsentieren. Erwartet werden laut Messepräsident Bernhard Lechner auch heuer etwa 250.000 Besucher.
(Schluss) kam

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