• 28.06.2006, 13:41:11
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Wieselburger Messe: Pröll fordert Parallelität bei WTO-Runde

Wettbewerbsfähigkeit der bäuerlichen Betriebe muss gestärkt werden

Wieselburg (AIZ) - Auf die große Bedeutung des morgen, Donnerstag,
in Genf beginnenden WTO-Ministertreffens wies heute
Landwirtschaftsminister Josef Pröll bei der Eröffnung der
Wieselburger Messe hin. "Unsere Verhandlungspartner, insbesondere
jene in Übersee, drängen massiv auf eine Öffnung der europäischen
Agrarmärkte, wollen jedoch selbst keine entsprechenden Angebote zur
Marktöffnung machen. Ohne eine Parallelität in dieser Frage kann es
aber keine Zustimmung der EU geben", hielt Pröll fest.

Bei den WTO-Verhandlungen stünden einander - neben den
Entwicklungsländern - zwei gegensätzliche Landwirtschaftsmodelle
gegenüber: das agroindustrielle System, wie es in den USA und in
Brasilien zu finden sei, und das nachhaltige Modell in Europa mit
seinen hohen Produktionsstandards, erläuterte Pröll. Die EU habe in
dieser WTO-Runde bereits ein substanzielles Angebot gemacht und mit
der jüngsten Agrarreform eine wichtige Vorleistung für den Abbau
produktionsbezogener Stützungen gemacht. Von der Gegenseite warte man
aber immer noch auf ein adäquates Vorgehen, kritisierte der Minister.

Wettbewerb wird härter

"Wir werden alles tun, um ein Aufbrechen des europäischen
Agrarmarktes, wie es in der WTO angestrebt wird, zu verhindern.
Dennoch müssen sich unsere Bauern auf einen härteren Wettbewerb
einstellen", unterstrich Pröll. Daher sei auch das Programm für die
Ländliche Entwicklung in der Förderperiode 2007 bis 2013 auf diese
neuen Herausforderungen ausgerichtet worden.

"Das Umweltprogramm ÖPUL wird so wie bisher das Kernstück der
Ländlichen Entwicklung sein. Mit EUR 520 bis 530 Mio. werden auch die
meisten Mittel dafür verwendet. Bei der Bergbauernförderung wird kein
Cent weggenommen, die Mittel für die Ausgleichszulage bleiben mit
rund EUR 276 Mio. praktisch gleich. Die dritte Säule des Programms,
die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, wird - nicht nur wegen der
WTO-Runde - immer mehr zu einer strategischen Schlüsselfrage. Daher
werden deutlich mehr Mittel als bisher in die Investitionsförderung,
in die Vermarktung von Qualitätsprodukten, in Bildungsmaßnahmen und
auch in den Bereich Bioenergie fließen", betonte Pröll. Obwohl die
erneuerbaren Energieträger für die Landwirtschaft ein sehr wichtiger
Hoffnungsmarkt seien, werde die Lebensmittelerzeugung ihren
Stellenwert behalten und nicht verdrängt werden.

Verhandlungserfolg für Österreich

Der Minister erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass
Österreich als eines von sehr wenigen EU-Ländern künftig mehr
EU-Mittel für die Ländliche Entwicklung erhalte, nämlich EUR 3,5 Mrd.
anstatt der erwarteten EUR 3,2 Mrd. "Diesen Verhandlungserfolg haben
wir sehr hart erkämpfen müssen", sagte Pröll und dankte dabei auch
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für seinen Einsatz. Wenn man bedenke,
dass am Anfang der Finanzverhandlungen der britische Vorschlag einer
Halbierung der EU-Agrarmittel auf dem Tisch lag, so könne man
ermessen, wie hart man hier verhandelt habe.

Auf den Messestandort Wieselburg eingehend, verwies der Minister
darauf, dass hier mit dem Neu- und Umbau der Höheren Bundeslehr- und
Forschungsanstalt Francisco Josephinum ein wichtiger Impuls für die
landwirtschaftlliche Ausbildung und Forschung gesetzt werde.
Wieselburg habe sich als agrarisches Kompetenzzentrum etabliert.

Bundespräsident Fischer würdigt Bedeutung der Landwirtschaft

Die offizielle Messeeröffnung nahm Bundespräsident Heinz Fischer
in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste aus dem agrarischen Bereich
(Landesrat Josef Plank, LK-Präsident Hermann Schultes, SVB-Obmann
Karl Donabauer usw.) und vieler politischer Mandatare vor. Fischer
würdigte in seiner Rede die "große Bedeutung der Landwirtschaft für
die Gesellschaft, für die Lebensmittelerzeugung, die Umwelt und für
die Pflege der Kulturlandschaft". Das Staatsoberhaupt erinnerte
weiters an "die verantwortungsvolle Rolle der Landwirtschaft bei den
EU-Beitrittsverhandlungen". Anlässlich der zu Ende gehenden
österreichischen EU-Präsidentschaft hielt Fischer fest, dass "alle
Verantwortlichen dazu beigetragen haben, dass sich unser Land hier
einen großen Namen gemacht hat". Österreich habe gezeigt, "dass wir
eine solche Aufgabe gut erfüllen können".

Bioenergie als neuer Messe-Schwerpunkt

Die Wieselburger Messe mit ihrem landwirtschaftlichen Fachteil
"Inter Agrar" steht vom 28.06. bis 02.07 im Zeichen neuer fachlicher
Akzente. Während bisher die Ausstellungs-Schwerpunkte bei Tierhaltung
und Grünlandwirtschaft lagen, wird ab heuer den nachwachsenden
Rohstoffen mehr Raum gewidmet. Unter dem Titel "Grüne Rohstoffe,
Energie und Treibstoffe" findet man in der Halle 12 eine Sonderschau
der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Laut LK-Präsident
Schultes wird hier gezeigt, welche enormen Chancen die Bauern künftig
mit ihren "grünen Ölfeldern" haben. So gesehen, sei die Messe ein
"Spiegelbild der agrarischen Entwicklung", sagte Schultes.

Neben der "Inter Agrar" beinhaltet die Messe auch umfassende
Angebote in den Bereichen Bauen & Wohnen, Haushaltsausstattung,
Freizeit, Garten, Gesundheit und die allgemeine Warenmesse sowie das
beliebte Wieselburger Volksfest. Die Messe ist auch heuer völlig
ausgebucht, auf einer Fläche von 80.000 m2 werden 550 Aussteller (die
mehr als 1.300 Firmen vertreten) ihr Produkt- und Beratungsangebot
präsentieren. Erwartet werden laut Messepräsident Bernhard Lechner
auch heuer etwa 250.000 Besucher.
(Schluss) kam

Rückfragehinweis:
AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38

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