• 26.06.2006, 10:46:55
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Jährlich 2500 Tote durch Unfälle in Österreich

Nationales Programm für Unfallverhütung soll Zahl der Toten um 25 Prozent senken

Wien (OTS) - Das Gesundheitsministerium legt ein umfassendes
Programm für Unfallverhütung vor, mit dem die Zahl der Unfalltoten
bis 2010 um 25 Prozent gesenkt werden soll. Österreich ist das erste
europäische Land mit einem solchen Plan. Bis 2010 soll damit 2500
Menschen das Leben gerettet werden. Anlässlich der Ersten
Europäischen Konferenz für Verletzungsverhütung, die derzeit auf
Einladung des KfV in Wien stattfindet, fordern auch die Europäische
Union und die Weltgesundheitsorganisation WHO entschlossene Maßnahmen
der Unfallverhütung und empfehlen ihren Mitgliedsstaaten nationale
Aktionspläne - nach dem Vorbild Österreichs.

Jährlich sterben in Österreich rund 2500 Menschen an Unfällen (2466
im Jahr 2004). Unfälle sind damit die fünftgrößte Gruppe von
Todesursachen in Österreich. Bei Jugendlichen und Erwachsenen
zwischen 15 und 39 Jahre sind Unfälle sogar Killer Nummer Eins.
Bundesministerin Rauch-Kallat hat im Vorjahr das KfV beauftragt,
einen Plan auszuarbeiten, mit dem Österreich zu den sichersten
Ländern der Europäischen Union aufschließen kann und mit dem die Zahl
der Unfalltoten um 25 Prozent gesenkt werden soll.

Österreichisches Programm zur Unfallverhütung: 2500 Menschenleben
retten

"Sicherheit ist ein zentrales Bedürfnis der Menschen und eine
zentrale Aufgabe des Staates - das gilt auch für die Sicherheit vor
Unfallverletzungen, ein Thema das bislang viel zu wenig in das
Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt ist", sagt Dr. Othmar Thann,
Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). "Mit dem
Österreichischen Programm zur Unfallverhütung 2006 bis 2010 hat das
Bundesministerium für Gesundheit und Frauen das Thema
Unfallprävention nun prominent auf gesundheitspolitische Agenda
gesetzt", erklärt Thann weiter. Als erster Mitgliedstaat der
Europäischen Union hat Österreich einen Aktionsplan zur
Unfallprävention vorgelegt - eine Maßnahme, die die Europäische Union
ihren 25 Mitgliedsstaaten, und die WHO Europa ihren 52
Mitgliedsstaaten empfiehlt. Das KfV stand dem Ministerium für
Gesundheit und Frauen bei der Erarbeitung des Programms beratend zur
Seite.

Gemeinsam wurden fünf Strategien entwickelt, um die Zahl der
Verletzten und Getöteten in Folge von Unfällen spürbar zu senken:

- Erhöhung der Sicherheit der Lebensumwelt, etwa durch technische
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr oder zum persönlichen Schutz - z.B.
bessere Sicherheitsbestimmungen in den Bauordnungen, Förderung des
barrierefreien Bauens auch im Privatbereich, Radhelmpflicht für
Kinder
- Stärkung der Eigenverantwortung durch bessere Information über
Unfallgefahren und Sicherheitsmaßnahmen - z.B. verstärkte
Informationstätigkeit der Krankenkassen, jährliche Kampagnen zu
wichtige Themen, Koppelung der Sportförderung an das Vorhandensein
von Unfallverhütungsprogrammen der Sportverbände
- Verbesserung der Qualifikation relevanter Berufsgruppen: Ärzte,
Heimhilfen, Lehrer, Gewerbetreibende sollen bereits in ihrer
Ausbildung die wichtigsten Unfallgefahren und Abhilfen kennen lernen,
um ihre Patienten, Klienten, Schüler und Kunden auch in
Sicherheitsfragen beraten zu können.
- Unterstützung von Entscheidungsträgern und Multiplikatoren durch
Daten und Informationen: Unfallstatistik zur Schwerpunktsetzungen,
Beratungsstellen zur Information über wirksame Sicherheitsmaßnahmen
- Koordination der Umsetzung des Programms: mit jährlichen
Unfallverhütungskonferenzen, Spezialplänen für Sicherheit von
Kindern, alten Menschen, Menschen am Arbeitsplatz.

"Sicherheit ist nicht nur Verantwortung jedes Einzelnen. Es braucht
auch die Mitwirkung der Meinungsbildner wie der Ärzteschaft, des
Handels und der Sportverbände. Und es braucht die gesetzlichen
Rahmenbedingungen. Es freut uns sehr, dass das Bundesministerium für
Gesundheit und Frauen Unfallprävention zu einem der Schwerpunkte der
Gesundheitsförderung macht und eine Führungsrolle übernimmt um der
Zusammenarbeit der vielen zuständigen Stellen zu erleichtern", sagt
Thann.

Wiener Konferenz setzt europäische Meilensteine

Als eine der letzten Veranstaltungen im Rahmen der Österreichischen
EU-Präsidentschaft findet derzeit in Wien die Erste Europäische
Konferenz für Verletzungsverhütung statt. Rund 300
Entscheidungsträger und Experten aus allen EU-Mitgliedsstaaten
beraten vom 25. - 27. Juni über wirksame politische Maßnahmen zur
besseren Verhütung von Unfällen und sonstigen Verletzungen.

- Der Kommissar für öffentliche Gesundheit und Konsumentenschutz,
Markos Kyprianou stellte die neue Europäische Strategie für
Verletzungsverhütung ("Actions for a Safer Europe") vor. Ein
wesentliches Element sind nationale Aktionspläne nach dem Vorbild
Österreichs sowie eine gemeinsame europäische Unfallstatistik und
gemeinsame europäische Kampagnen zu Hauptthemen wie etwa Sicherheit
von Kindern und alten Menschen.
- Roberto Bertollini (Direktor des Programms für Umwelt und
Gesundheit der WHO) stellte einen aktuellen Unfallbericht für die
gesamte Europäische Union und ein Curriculum für Unfallverhütung vor,
welches angehende Ärzte in Zukunft absolvieren sollen.
- Rupert Kisser, Bereichsleiter Heim, Freizeit & Sport im KfV und
Vorsitzender der Europäischen Gesellschaft für Verletzungsverhütung
(European Association for Injury Prevention) präsentierte eine
europäische Landkarte der Kindersicherheit, aus der ersichtlich ist,
welche Maßnahmen in welchem Land schon umgesetzt oder noch ausständig
sind, sowie das Europäische Netzwerk für Verletzungsverhütung, bei
dem Zukunft alle nötigen Hilfen auch zentral erhältlich sein werden.
- Viel Aufmerksamkeit und Lob erhielt auch das KfV mit seiner -
erstmalig erscheinenden - Verletzungsstatistik für die Europäische
Union. Damit wird ein direkter Vergleich des Sicherheitsniveaus der
Staaten möglich. Am besten schneiden derzeit Groß Britannien, die
Niederlande, Malta und Schweden ab. Österreich liegt noch im
Mittelfeld.

"Die Erhöhung der Sicherheit der Menschen ist etwas Unteilbares. Hier
ist die Mitwirkung aller Stellen von Nöten. Neben europäischen und
nationalen politischen Entscheidungsträgern sind auch
Sozialversicherer, Wirtschaft und nicht zuletzt die Zivilgesellschaft
gefragt", erläutert Thann. "Unfälle bedeuten nicht nur unermessliches
menschliches Leid, sondern sind zudem eine außerordentliche
wirtschaftliche Belastung. Dieses Problem wurde von Politik und
Gesellschaft ebenso erkannt, wie die Tatsache, dass Unfälle
vermeidbar sind. Wie Unfälle verhindert werden können ist zentrales
Thema dieser ersten europäischen Konferenz", fasst Thann zusammen.
Veranstalter der Konferenz sind das KfV und die Europäische
Gesellschaft für Verletzungsverhütung (European Association for
Injury Prevention - EuroSafe), unterstützt durch die Europäische
Union, die WHO, das Gesundheitsministerium, die Allgemeine
Unfallversicherungsanstalt und das internationale
Sicherheitsunternehmen RAM.

Rückfragehinweis:

Mag. Kerstin Gardill 
   Kuratorium für Verkehrssicherheit 
   Marketing & Kommunikation
   Tel.: 05 77 0 77-1906 
   E-Mail: [email protected] 
   www.kfv.at

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