Broukal zu Forschungspolitik: "Universitäten nicht zu Tode sparen!"

"Es knirscht schon im Gebälk" - SPÖ für bessere finanzielle Ausstattung von Ausbildung und Forschung

Wien (SK) - Man dürfe "die Universitäten nicht zu Tode sparen" -in den letzten Jahren sei die schwarz-bunte Regierung einen solch rigiden Sparkurs gefahren, dass es "schon im Gebälk knirscht", warnte SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal Dienstagnachmittag anlässlich einer vom Renner-Institut und vom Wissenschaftszentrum Wien veranstalteten Enquete zum Thema "Welche Forschungspolitik braucht Österreich?". Broukal hielt ein flammendes Plädoyer für eine bessere finanzielle Ausstattung der heimischen Forschung und Ausbildung, forderte aber auch "mehr man- und woman-power in der Forschung" - so dürfe man speziell Schüler- und Studentinnen "nicht abschrecken", im naturwissenschaftlichen Bereich tätig zu werden. Zudem müsse man den ForscherInnen "berufliche Lebensperspektiven bieten". So sollte "etwa die Hälfte der wissenschaftlichen Universitätsstellen auf Lebenszeit angelegt sein" - durch regelmäßige Kontrollen sei zu prüfen, dass das Personal die gesetzten Standards erfülle, führte Broukal aus, der betonte, dass dieser Vorschlag nicht eine Pragmatisierung bedeute. ****

Die Einleitungsreferate zur Enquete des Renner-Instituts hielten Helga Nowotny(Vizepräsidentin des ERC Scientific Council) und Haim Hararis(Chairman of the Board, Davidson Institute of Science Education). Danach diskutierten unter der Leitung von Peter Menasse (Agentur Communication Matters): Ulrike Felt (Professorin am Institut für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung der Uni Wien), Christoph Badelt (Rektor der Wirtschaftsuni Wien, Vorsitzender der Rektorenkonferenz) und Jörg Flecker (Leiter der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt FORBA).

"Österreich braucht breite Basis an gut ausgebildeten Menschen"

Österreich brauche eine "breite Basis an gut ausgebildeten Menschen, um sich im wirtschaftlichen Wettbewerb halten zu können", so Broukals Forderung nach einer "ordentlichen Alimentierung" der heimischen Ausbildung und Forschung. Während die europäische Rektorenkonferenz dafür eintrete, zwei Prozent vom BIP für die Forschung bereitzustellen, liege dieser Prozentsatz in Österreich unter einem Prozent, übte der SPÖ-Wissenschaftssprecher heftige Kritik daran, dass die "Tendenz unter Schwarz-Blau-Orange sogar sinkend ist". Österreich sei reich genug, "um den Universitäten das Ihre zu geben", so Broukal, der unterstrich, dass "gute ForscherInnen nicht daran scheitern dürfen, dass ihnen die nötigen Geräte fehlen".

Unfairer "stiller Numerus clausus" in Österreich

"Die österreichischen Universitäten sind nach allen internationalen Vergleichen unteralimentiert", so Broukal, der zudem einen "stillen Numerus clausus" (lange Wartezeiten, "hohe Mauern", die den Bildungszugang erschweren) ortete und die Tendenz ausmachte, "Schwächen des System als subjektive Schwächen der Studierenden auszugeben". Das sei nicht nur "unfair", sondern gehe auch auf Kosten der Wissenschaftsstandortes Österreich. Er verwehre sich dezidiert gegen die These, die hohen Drop-out-Raten seien Folge "der Dummheit der Studierenden" - vielmehr resultiere dies aus der "Überlastung und Überforderung des Systems", verdeutlichte Broukal. Der SPÖ-Wissenschaftssprecher forderte weiters eine engere Zusammenarbeit zwischen den Universitäten und der Politik. So habe er bis dato noch von keiner Universität eine Antwort darauf bekommen, was die Ausbildung eines Studierenden jeweils kostet - stattdessen sei er mit einem "alles überdeckenden Nebel" konfrontiert, der eine längere Ausbildungsplanung verunmögliche.

Wissenschaftlichen Nachwuchs forcieren

Die Forschungspolitik brauche einen "langen Atem" und sei "so aufzustellen, dass sie parteipolitische Machtwechsel unbeschadet übersteht". Es brauche in der österreichischen Forschungspolitik überdies andere Strukturen: Nach wie vor sei jungen ForscherInnen zu lange die volle Konzentration auf ihre eigenen Forschungsthemen verwehrt, so Broukals abschließendes Plädoyer für eine Forcierung des wissenschaftlichen Nachwuchses und ein "Öffnen der Türen", wie es etwa in den USA für die jungen ForscherInnen geschehe. (Schluss) mb

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