- 31.05.2006, 09:00:00
- /
- OTS0026 OTW0026
Konjunktur 2005 regional relativ ausgeglichen
Wien (WIFO) - Während sich das Wirtschaftswachstum in Österreich
2005 abschwächte, war die Entwicklung regional relativ ausgeglichen.
Die Unterschiede zwischen den Bundesländern wie auch zwischen den
Großregionen fielen gering aus. Der kleine Vorsprung der Südregion
(+2,4%) war hauptsächlich auf die Entwicklung in der Steiermark
zurückzuführen. In der Westregion entsprach das Wirtschaftswachstum
insgesamt dem Österreich-Durchschnitt, variierte aber stärker nach
Bundesländern (z. B. Vorarlberg +2,7%, Salzburg +1,9%). Geringfügig
unter dem Durchschnitt blieb das recht ausgeglichene
Wirtschaftswachstum in der Ostregion (+2,0%). Die regionalen
Arbeitsmärkte waren durch eine Zunahme von Beschäftigung und
Arbeitslosigkeit und gewisse Verdrängungsprozesse gekennzeichnet. Der
Anstieg der Arbeitslosigkeit war auf eine Ausweitung des
Arbeitskräfteangebotes zurückzuführen. Diese war in den Bundesländern
mit guter Beschäftigungsentwicklung am größten (Vorarlberg, Tirol,
Oberösterreich) und in jenen mit mäßiger Steigerung der
Arbeitskräftezahl am geringsten (Wien, Salzburg).
Die Konjunktur verlor im 1. Halbjahr 2005 etwas an Schwung, in der
zweiten Jahreshälfte setzte aber eine dynamische Entwicklung ein. Die
Bruttowertschöpfung (ohne Land- und Forstwirtschaft) nahm 2005 um
etwas mehr als 2% zu. Durch das Nachlassen des Exportwachstums
verringerte sich der Einfluss der Sachgüterproduktion auf das
regionale Konjunkturmuster. Das schlug sich in einem relativ
ausgeglichenen Konjunkturverlauf mit geringen Wachstumsunterschieden
zwischen den Bundesländern bzw. den Großregionen West-, Süd- und
Ostösterreich nieder. Einen kleinen Vorsprung erzielte die Südregion,
vor allem dank der günstigen Entwicklung in der Steiermark. Die
Westregion verzeichnete insgesamt ein durchschnittliches
Wirtschaftswachstum, aber größere Abweichungen nach Bundesländern.
Der Westen enthielt mit Vorarlberg (+2,7%) sowohl das expansivste
Bundesland als auch mit Salzburg (+1,9%) das Bundesland mit dem
schwächsten Wachstum. Geringfügig unter dem Österreich-Durchschnitt
lag das recht ausgeglichene Wirtschaftswachstum in der Ostregion
(Niederösterreich und Wien jeweils +2,0%, Burgenland +2,1%).
Trotz der deutlichen Abschwächung der Exportnachfrage produzierte
die österreichische Sachgüterproduktion um 5,7% mehr als im Vorjahr.
Regional betraf die Wachstumsverlangsamung in erster Linie
exportorientierte Bundesländer mit einer bedeutenden
Investitionsgüter- oder Zulieferindustrie, die aber vom Exportboom
des Jahres 2004 am meisten profitiert hatten. Deshalb entwickelten
sich die Industrieumsätze wenig unterschiedlich zwischen den
Bundesländern. Am stärksten nahm die abgesetzte Produktion in
Vorarlberg und Tirol (etwa +8%), am schwächsten in Salzburg und Wien
zu (+1,7%, +2,7%). Unter den Bundesländern mit einer bedeutenden und
traditionsreichen Industrie schnitten Niederösterreich und die
Steiermark besser ab als Oberösterreich.
Die Bauwirtschaft wuchs 2005 (Umsätze +2,2%) schwächer als in den
zwei Jahren zuvor, und das regionale Muster kehrte sich gegenüber
2004 nahezu um: Die größten Zuwächse gingen vom Tiefbau aus,
insbesondere in Kärnten und im Burgenland wurden neue Projekte
begonnen. In Salzburg hielt die gute Baukonjunktur an. Dagegen sanken
in Wien, Niederösterreich und Tirol die Bauumsätze.
Die österreichische Tourismuswirtschaft erzielte 2005 trotz
geringer Dynamik auf den nahen Herkunftsmärkten Deutschland und
Österreich wieder relevante Mengenzuwächse, die Gesamtzahl der
Übernachtungen nahm um 1,7% zu. Die Zuwächse verteilten sich jedoch
nicht gleichmäßig über die österreichischen Zielgebiete. Begünstigt
waren vor allem internationale Städtereiseziele (Wien, Salzburg,
Innsbruck) sowie jene außeralpinen Regionen, die sich auf Wellness-
und sommerlichen Sporttourismus spezialisiert haben. Dank der guten
Schneelage waren auch die Wintersportgebiete wieder stärker gefragt.
Vor diesem Hintergrund verzeichneten Wien und das Burgenland sowie
mit Abstand auch Salzburg, Tirol und die Steiermark die besten
Nächtigungsergebnisse. Dagegen blieb die Nachfrage nach
traditionellen Angeboten im Badeurlaub auch witterungsbedingt
schwach. In der Sommersaison setzte sich der Strukturwandel fort, der
vom Wachstum der Flugreisen zulasten der vor allem auf den deutschen
Markt ausgerichteten österreichischen Urlaubsziele ausgeht. Am
stärksten waren davon Nieder- und Oberösterreich, Vorarlberg und
insbesondere Kärnten betroffen, die Nächtigungszahlen stagnierten
bzw. waren rückläufig.
Während sich das Wirtschaftswachstum 2005 abschwächte, nahm die
Zahl der unselbständig Beschäftigten erstmals seit dem Jahr 2000
wieder stärker zu (+1,0%). Damit war eine Ausweitung des
Arbeitskräfteangebotes verbunden, die regional umso stärker war, je
mehr Arbeitsplätze hinzukamen (insbesondere Tirol, Steiermark,
Nieder- und Oberösterreich). In diesen Bundesländern nahm die
Beschäftigung in den marktorientierten Dienstleistungen
überproportional zu und in der Sachgüterproduktion nur geringfügig
ab. Andererseits fiel in Wien und Salzburg, aber auch in Vorarlberg
die Zunahme der Beschäftigung eher mäßig aus.
Die beträchtliche Ausweitung des Arbeitskräfteangebotes erlaubte -
trotz des guten Beschäftigungswachstums - keine Verringerung der
Arbeitslosigkeit und löste teilweise Verdrängungen aus. In einigen
Bundesländern mit beträchtlicher Zunahme der Beschäftigung erhöhte
sich die Arbeitslosigkeit besonders deutlich (Tirol, Oberösterreich,
Steiermark).
Lediglich in Vorarlberg war die Angebotssteigerung mit einer
schwachen Beschäftigungsentwicklung verbunden, sodass sich die
Arbeitslosigkeit wie schon in den Vorjahren relativ stark erhöhte
(+11,4%). In Vorarlberg nahm die Arbeitslosenquote seit 2001 um 2,4
Prozentpunkte zu (2005 6,7%); dies geht zu einem beträchtlichen Teil
auf den Zustrom deutscher Arbeitskräfte zurück. Wien war das einzige
Bundesland mit einem Rückgang der Zahl der Arbeitslosen (-0,7%); die
Arbeitslosenquote ist nach wie vor am höchsten unter den
Bundesländern (9,7%).
Abbildung 1: Bruttowertschöpfung 2005 - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/presse)
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
5/2006!
Rückfragehinweis:
Univ.-Doz. Dr. Gerhard Palme Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO Tel. +43 1 798 26 01-262 * Fax. +43 1 798 93 86 mailto:[email protected] Dr. Oliver Fritz Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO Tel. +43 1 798 26 01-261 * Fax. +43 1 798 93 86 mailto:[email protected] Mag. Peter Huber Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO Tel. +43 1 798 26 01-404 * Fax. +43 1 798 93 86 mailto:[email protected] Mag. Peter Mayerhofer Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO Tel. +43 1 798 26 01-275 * Fax. +43 1 798 93 86 mailto:[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WFO






