• 19.05.2006, 14:05:58
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Küberl zu heimischer Integrationspolitik: "Vogel-Strauß-Politik muss aufhören"

Caritas fordert Integrationsstaatssekretariat als "ersten, wichtigen Schritt"

Wien (OTS) - Angesichts der derzeit laufenden Diskussion rund um
die heute von Innenministerin Liese Prokop präsentierten Studie von
Islamexperten Mathias Rohe und angesichts der kommenden Wahlen warnt
Caritas-Präsident Franz Küberl davor, das Thema zu
instrumentalisieren: "AusländerInnen dürfen nicht zu Sündenböcken
gemacht werden, nur um die Einheimischen zufrieden zu stellen und
Wählerstimmen zu gewinnen."
"Die heimische Integrationspolitik ist stecken geblieben", sagt
Küberl und verlangt: "Die Vogel-Strauß-Politik muss endlich
aufhören."

Integration werde in Österreich vor allem mit der
sicherheitspolizeilichen Brille gesehen, kritisiert der
Caritas-Präsident: "Weder Bund noch Länder machen insgesamt eine
Integrationspolitik, die diesen Namen auch verdient. Das ist ein
großer Fehler."
"Dabei kann Integration nur im Zusammenspiel von Gemeinden, Ländern
und Bund, aber auch Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden
funkitonieren", ist Küberl überzeugt.
Zudem habe es Österreich bisher verabsäumt, die Chancen, die der
derzeitige EU-Ratsvorsitz berge, auch zu nutzen: "Ein
Integrationsstaatsekretariat im Bundeskanzleramt ist hier ein erster,
wichtiger Schritt."

Echte Integrationspolitik müsse auf sechs Säulen stehen: Recht auf
Familienleben, Arbeitserlaubnis für die, die hier leben dürfen,
gleichberechtigte Absicherung im Sozialsystem, Zugang zu Bildung,
Fort- und Weiterbildung, gezielte Infrastrukturpolitik und Wahlrecht
in kommunalen Angelegenheiten, betont Küberl. Eine wichtige
Vorbeugung vor fremdenfeindlichen Tendenzen sei eine Sozialpolitik,
die auch einheimischen Armen und Minderqualifizierten Chancen
einräumt.

Intelligente Zuwanderungspolitik beginne freilich schon in den
Herkunftsländern: "Dort, wo etwa potenzielle Auswanderer über
Chancen, aber auch mögliche Schwierigkeiten und rechtliche
Gegebenheiten in Österreich informiert werden."
Küberl: "Integration ist keine Einbahnstraße, sondern ein
zweiseitiger Prozess. Sowohl die ankommenden Menschen als auch die
Menschen in der aufnehmenden Gesellschaft müssen dazu bereit sein,
einander wertschätzend wahrzunehmen und sich miteinander
auszutauschen." Das betone auch die Europäische Kommission ganz
stark.

"Es wäre klug, wenn man bei Zuwanderern sehen würde, welches
Kapital, welche Talente, welche Fähigkeiten Österreich für seine
Zukunft hier hereinbekommt. EinwanderInnen brauchen Chancen für die
Zukunft. Es sei wichtig, ihnen dabei zu helfen, unsere Sprache zu
lernen und mit unserem Rechtssystem umgehen zu können", betont der
Caritas-Präsident weiters.

Klar müsse freilich sein: Integration hänge auch von den
Zuwanderinnen und Zuwanderern ab. Küberl: "Die Einhaltung der
Menschenrechte, etwa die Gleichberechtigung von Mann und Frau sind
wohl die Basis für ein Wertesystem, das nicht in Frage gestellt
werden darf. Werte, die unsere IntegrationspolitikerInnen auch
einfordern und schützen müssen."

Rückfragehinweis:
Caritas Österreich
Mag. Silke Ruprechtsberger
Tel: 01/488 31/417 oder: 0664/82 66 909
[email protected]
www.caritas.at

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