- 15.05.2006, 13:39:27
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Friedensdialog mit dem Dalai Lama an der Uni Klagenfurt
Seine Heiligkeit referierte auf Einladung von LH Haider über Weltfrieden - Ehrenbürgerschaft der Universität für den Dalai Lama
Klagenfurt (LPD) - Seine Heiligkeit, der 14. Dalai Lama, sprach
heute, Montag, an der Universität Klagenfurt über den Weltfrieden.
Zum Friedensdialog unter dem Motto "Vision Weltfriede - Illusion oder
Chance" hatte Landeshauptmann Jörg Haider geladen. Der Dalai Lama
strich vor den Studierenden die große Verantwortung der jungen
Menschen für die zukünftige Gestaltung des Lebens auf der Erde
hervor. Er appellierte dafür, dass moderne Ausbildung auch die
Entwicklung der inneren Werte fördere. Mitgefühl und Toleranz sowie
die Bereitschaft mit anderen zu sprechen, seien Voraussetzung für
Frieden. Von der Universität Klagenfurt wurde dem Dalai Lama die
Ehrenbürgerschaft verliehen.
Der Landeshauptmann sagte, dass der Besuch Seiner Heiligkeit eine
große Ehre für das Land sei. Er dankte für die Unterstützung des
Dalai Lama beim Projekt des Tibetischen Gesundheitszentrums
Hüttenberg. Haider hofft, dass der Dalai Lama nach der Eröffnung des
Tibetzentrums im Jahr 2008 öfter nach Kärnten kommen und seine
Verbundenheit mit dem Land ausdrücken werde.
Der Dalai Lama sagte, dass es ihm eine große Freude sei, an der
Klagenfurter Uni über den Frieden sprechen zu können. Zu den
Studierenden meinte er, dass sie sich durch gute Ausbildung auf die
Zukunft vorbereiten sollten. Dabei gelte es jedoch nicht nur, die
Fähigkeiten des Gehirns zu steigern. Man brauche vielmehr ein "warmes
mitfühlendes Herz kombiniert mit Weisheit". In diesem Zusammenhang
sagte er, dass Wissen sowohl konstruktiv, als auch destruktiv
eingesetzt werden könne. Er verwies auf die Terroranschläge vom 11.
September. Dabei seien fortschrittliche Intelligenz und Technologie
von Hass, Wut und Feindseligkeit geführt worden. Deshalb müsse
Intelligenz mit guten menschlichen Eigenschaften gepaart sein, so der
Dalai Lama.
In der modernen Ausbildung ortete der Dalai Lama einen Mangel bei
der Entwicklung der inneren Werte. Früher hätten Kirchen und Familien
Mitgefühl und Zuneigung vermittelt, doch deren Einfluss scheine
abgenommen zu haben. So haben für Seine Heiligkeit Institutionen wie
Schulen und Universitäten dahingehend eine große Verantwortung.
Um inneren Frieden zu erreichen, brauche man auch Mitgefühl,
Gemeinschaftsgefühl, Toleranz und Weisheit, betonte der Dalai Lama.
Rein über materielle Dinge könne man keine Zufriedenheit erlangen.
"Wenn wir Wut, Stress, Ängste, Neid und Missgunst in unseren Herzen
tragen, können wir keine Freude erfahren", meinte Seine Heiligkeit.
Die inneren Werte und die Bereitwilligkeit, mit anderen zu sprechen,
würden auch den Dialog ermöglichen.
In der Zeit der beiden Blöcke Ost und West habe es auch einen
"gewissen Frieden" gegeben. Dieser habe jedoch auf Abschreckung
basiert. Nun habe sich die Situation verändert und es seien neue
Chancen für die Menschen entstanden. Der Dalai Lama appellierte, den
anderen als gleichwertigen Partner und Menschen zu akzeptieren. Jeder
habe das gleiche Recht, nach Wohlergehen zu streben. Frieden entstehe
in uns selbst und sei von uns selbst abhängig. Nicht ein Gott
entscheide dahingehend, sondern wir selbst, betonte der Dalai Lama.
Auf die Frage eines Studenten über den Dialog von Buddhismus und
der Katholischen Kirche antwortete der Dalai Lama, dass verschiedene
Philosophien und Theologien hilfreich seien. Im Grunde würden alle
Religionen die gleiche Botschaft für die Stärkung der inneren Werte
tragen. Dies sei auch eine gute Grundlage für die Harmonie
untereinander. Er und der vorige Papst hätten sich als "spirituelle
Brüder" verstanden, sagte der Dalai Lama. Im Oktober werde er sich
mit dem neuen Papst in Rom treffen, mit dem er auch eine solche
Beziehung aufbauen wolle.
Auf die Frage nach der Rolle der Frau im Buddhismus sagte der
Dalai Lama, dass es in der Lehre des Buddha keine Unterschiede bei
den rechten von Frauen und Männern gebe. Die Studentin fragte auch,
ob eine Frau Dalai Lama werden könnte. Seine Heiligkeit antwortete,
dass das tibetische Volk darüber entscheide, ob die Institution des
Dalai Lama weiter bestehen bleibe und in welcher Form ein neuer Dalai
Lama bestimmt werde. Wenn eine Frau für dieses Amt besser geeignet
sei, dann könne auch eine Frau auserwählt werden. Scherzhaft merkte
der Dalai Lama an, dass er sich in einem solchen Fall eine hübsche
Nachfolgerin wünsche.
Im Rahmen des Friedensdialoges ging der Dalai Lama auch auf seine
Beziehung zum Hüttenberger Forscher Heinrich Harrer ein. Mit Harrer
sei "ein wichtiger Mensch in meinem Leben von uns gegangen". Harrer
habe viel für Tibet getan, sagte Seine Heiligkeit, dem auch der
Besuch von Harrers Grab sehr wichtig gewesen sei. Er freue sich, dass
viele Freunde Harrers dessen Erbe aufgegriffen hätten und sich für
die Umsetzung des Tibetzentrums in Hüttenberg einsetzen würden. "Ich
sehe mit Freude und Mut der weiteren Entwicklung entgegen", so der
Dalai Lama, der Landeshauptmann Jörg Haider, der Familie Rogner und
Bürgermeister Rudolf Schratter persönlich für deren Enthusiasmus
dankte.
Von Universitätsrektor Heinrich C. Mayr wurde dem Dalai Lama
schließlich die Ehrenbürgerschaft der Universität Klagenfurt
verliehen. Mayr will auch mit dem in Hüttenberg entstehenden Institut
für tibetische Medizin in wissenschaftlichen Diskurs treten. Dem
Dalai Lama sagte er, dass ihm an der Uni Klagenfurt die Türen immer
offen stünden. Der Dalai Lama dankte für die Ehrung und sagte, dass
er nach der Eröffnung des Tibetzentrums öfter nach Kärnten kommen
wolle. Dann wolle er auch mehr Zeit für den Dialog mit den
Studierenden finden.
(Schluss)
Rückfragehinweis:
Kärntner Landesregierung
Landespressedienst
Tel.: 05- 0536-22 852
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