- 12.05.2006, 11:45:38
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Ausbildungsplätze im Ausland als Job-Alternative für Jungmediziner
Immer mehr Medizinpromoventen gehen nach Deutschland oder England
Wien (OTS) - In welche Zukunft blicken Österreichs Jungärzte?
Gleich vorweg: Eindeutige Prognosen konnten gestern, Donnerstag,
Abend auch die Experten einer von der Wiener Ärztekammer
organisierten Podiums- und Publikumsdiskussion in der Urania nicht
geben. Aus den Reaktionen des vorwiegend jungen Publikums ging jedoch
klar hervor, dass der Großteil der Jungmediziner bereits mit dem
Gedanken des Abwanderns ins Ausland spielt - zumindest für die Dauer
der Ausbildung. ****
In Österreich warten Medizinabsolventen bis zu drei Jahre auf
einen Ausbildungsplatz. Da sind Angebote, etwa aus Deutschland oder
England, eine große Verlockung. Zuletzt nahmen bis zu 400 Absolventen
aus Österreich diese Möglichkeit wahr. Aber "nicht jeder Student hat
die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen", betonte Philipp Kloimstein,
Medizinstudent im vierten Studienjahr. Es gebe viele Studenten mit
Familie, für die "der Weg ins Ausland sicher nicht so leicht ist wie
für jemanden, der ungebunden ist". Er selbst sei bereits im Ausland
gewesen, und "wenn sich die Möglichkeit ergibt, werde ich sicher
wieder gehen". Kloimstein kritisierte, dass es an Anreizen mangle,
die einen Jungmediziner in Österreich hielten.
"Stimmt nicht", entgegnete Michaela Moritz, Geschäftsführerin des
ÖBIG (Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen). Man
müsse nicht ins Ausland gehen, um einen Ausbildungsplatz zu
ergattern, denn "auch in Österreich gibt es Regionen, beispielsweise
in Oberösterreich, die Bedarf an Ärztinnen und Ärzten haben". Sie
höre immer wieder Klagen von Krankenanstaltsleitern, dass offene
Ausbildungsstellen nicht besetzt werden könnten. Grund dafür sei
auch, dass viele Absolventen nicht mehr in ihre Heimatregionen
zurückgingen, sondern in den Universitätsstädten blieben.
Mehr Flexibilität gefordert
Neue Wege zu gehen und die Möglichkeit zu nutzen, sich zu
verändern und zu engagieren, empfahl auch Christian Herold, Leiter
der Klinischen Abteilung Radiodiagnostik für konservative Fächer im
Wiener AKH. "Mit Mobilität, einer guten Ausbildung und
Zusatzqualifikationen sind Sie vorne mit dabei", forderte Herold die
Studenten zu mehr Flexibilität auf. Die Aussichten der
österreichischen ausgebildeten Jungmediziner seien insgesamt gut,
"weil es einen weltweiten Ärztemangel gibt". Vor allem Frankreich und
England hätten massive Probleme und müssten Ärzte aus dem Ausland,
vorwiegend aus dem Nicht-EU-Raum, importieren. So sind in Frankreich
beispielsweise derzeit 8000 Ärztinnen und Ärzte beschäftigt, die ihre
Ausbildung im Ausland absolviert haben, davon 4400 im Nicht-EU
Ausland.
Für die Schaffung eines neuen Berufsbilds des Arztes plädierte die
Spitalsärztesprecherin der Wiener Ärztekammer, Brigitte Ettl. "Wenn
junge Menschen dazu bereit sind, in andere Richtungen zu gehen und
den Arztberuf nicht ausschließlich am Krankenbett ausüben wollen,
dann sehe ich für die Zukunft eine große Chance." Generell gäbe es
zwar einen Überschuss an fertig ausgebildeten Jungmedizinern in
Österreich, "im täglichen Spitalsalltag spüre ich davon aber wenig".
Der Arztberuf müsse wieder attraktiver werden. So formulierte
Helga Azem, Obfrau der Sektion Fachärzte der Ärztekammer für Wien,
das Ziel für die Zukunft. Azem betrachtet es als Aufgabe der
Ärztekammer, dass die Standesvertretung dafür sorge, dass die
Attraktivität erhalten bliebe. Ebenso wichtig sei es, "dass wir
Visionen haben und von anderen Berufen lernen, beispielsweise von
Gewerbetreibenden und der Wirtschaft, wie wir uns dem neuen
Arbeitsmarkt der Zukunft anpassen können".
Für den "Blick über den Tellerrand" sorgte der
Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bundesärztekammer, Christoph
Fuchs. Für ihn sei nach wie vor der Arztberuf "etwas Wunderschönes",
aber die Rahmenbedingungen ließen zu wünschen übrig. Das deutsche
Gesundheitssystem würde hauptsächlich von Kontrolle und
Defensivmedizin gesteuert, ganz nach dem Motto: Vertrauen ist gut,
Kontrolle besser. Hier müssten in der Zukunft Änderungen passieren:
"Kontrolle von mir aus, aber Vertrauen ist besser. Es muss klarer
herauskommen, was der Gesellschaft die Ärzte wert sind." Nur so könne
der Beruf des Arztes auch in Zukunft attraktiv bleiben. (kp)
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle Mag. Kristin Posch Tel.: (++43-1) 51501/1223 Fax: (++43-1) 51501/1289 mailto:[email protected] http://www.aekwien.at
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