• 26.04.2006, 10:01:49
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Diabetes: Arme fünfmal so stark betroffen wie Reiche

In der Gesundheitspoltik und Prävention wird zu wenig Augenmerk auf die sozialen Lebensbedingungen gelegt. Armut schwächt die Abwehrkräfte. Armut macht verletzlich.

Wien (OTS) - "Im untersten Einkommensfünftel leiden 15,4% aller
Frauen an Diabetes, im obersten Einkommensfünftel 3,3%. (Männer:
unterstes 7,6%, oberstes 1,7%)", zitiert die Armutskonferenz die
aktuellsten Daten für Österreich.

"In der Gesundheitspoltik und Prävention wird einfach zu wenig
Augenmerk auf die sozialen Lebensbedingungen gelegt, obwohl wir
wissen, dass mit fallendem Einkommen die Krankheiten steigen und die
Lebenserwartung sinkt", fordert Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk
die zuständigen GesundheitsministerInnen zu mehr Engagement in
sozialen Fragen auf.

"Armut macht verletzlich. Armut macht krank."

"So konnte in allen Industrieländern festgestellt werden , dass
mit fallendem Durchschnittseinkommen der Bevölkerung die Krankheiten
ansteigen, dass in nahezu allen Gesellschaften die untersten
Sozialschichten die häufigsten und die schwersten Erkrankungen haben
und dass mit dem Abfall der Einkommen die Lebenserwartung deutlich
sinkt", analysiert das Anti-Armutsnetzwerk.

Es sind 4 Faktoren, die zu den Ungleichheiten vor Krankheit und
Tod führen, so Schenk: 1. die Unterschiede in den gesundheitlichen
Belastungen, 2. die Unterschiede in den Bewältigungsressourcen und
Erholungsmöglichkeiten, 3. die Unterschiede in der
gesundheitlichenVersorgung und 4. die Unterschiede im Gesundheits-
und Krankheitsverhalten.

Das eine bedingt das andere. Stress durch finanziellen Druck und
schlechte Wohnverhältnissen gehen Hand in Hand mit einem geschwächten
Krisenmanagement, verbinden sich mit mangelnder Inanspruchnahme von
Gesundheitsdiensten und einem ungesunden Lebensstil.

"Wer in Kauf nimmt, dass immer mehr Menschen in sozial prekäre
Lebensverhältnisse abrutschen, gefährdet die Gesundheit.", weist
Sozialexperte Schenk auf die Auswirkungen hin: "Leben am Limit macht
Stress. Leben am Limit schwächt die Abwehrkräfte und das
Immunssystem. Leben am Limit macht verletzlich.

"Einen Teil der Energie, die in den Verhaltens-Kampagnen gebunden
ist, wäre jedenfalls auch gut investiert in Maßnahmen gegen die
steigende Zahl der working poor, der wachsenden Einkommensschere oder
der Reduzierung der hohen "sozialen Vererbung" im Bildungssystem.
Auch reiche Raucher leben länger als arme Raucher. Ein wichtiger
Schritt wäre, Gesundheitsdeterminanten in den anderen Politikfeldern
zu implementieren: in der Budgetpolitik, in der Arbeitsmarktpolitik,
in der Verkehrsplanung, im Sozialressort,", analysiert die
Armutskonferenz.

"Das hohe Erkrankungsrisiko unterer Einkommen ist vermeidbar. Die
Gesundheitsdienste müssen den Zugang, die Inanspruchnahme und die
Qualität unabhängig von Einkommen und Herkunft gewährleisten. Die
Ärmeren müssen in ihren Selbsthilfepotenzialen und Ressourcen
gestärkt werden. Und sozialer Polarisierung können wir
entgegentreten. Die vorliegenden Daten sprechen für sich: Sozialer
Ausgleich ist eine gute Medizin.", so die Armutskonferenz.

Rückfragehinweis:
DIE ARMUTSKONFERENZ
Österreichisches Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung.
www.armutskonferenz.at
Rückfragen Medien: 01/ 409 80 01 oder 0664/ 544 55 54
Koordinationsbüro: 01/ 402 69 44

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ARM

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