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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Nach Prodis Sieg" (Von MONIKA DAJC)
Ausgabe vom 12. April 2006
Innsbruck (OTS) - Nächster Akt auf der großen Bühne Italien.
Während die Stimmenauszählung weiter in der Endlosschleife hing,
überraschte Romano Prodi Freund und Feind mit zupackender Art. Er
erklärte sich kurzerhand zum Wahlsieger. Das ersehnte offizielle
Ergebnis kam dann Stunden später. Von einem beeindruckenden Start
wagt man kaum zu sprechen, von einem glücklichen Ende erst recht
nicht. Das übrige Europa darf sich erneut über italienische Sitten
und Gebräuche wundern.
Die satte Mehrheit in der Abgeordnetenkammer wird einem
Mitte-Links-Regierungschef nicht entscheidend helfen, um seine
Konzepte für ein modernisiertes und gesellschaftspolitisch erneuertes
Italien durchzusetzen. Im mindestens so wichtigen Senat bietet sich
nur eine hauchdünne Mehrheit. Prodi braucht Verbündete aus dem
ominösen Kreis der Senatoren auf Lebenszeit wie Giulio Andreotti und
Francesco Cossiga. Eine überzeugende Basis für kraftvolle Politik
sieht anders aus.
Als weiteres Damoklesschwert wirkt die mehrfache Spaltung des
Landes. Das politische Klima wurde im Wahlkampf mit Berlusconis
Vulgaritäten vollends vergiftet. Knapp Unterlegene hegen wenig
Neigung, das nun führende Lager zu unterstützen, so sinnvoll dessen
Ansätze sein mögen. Berlusconi, der sich bis zum Überdruss seiner
vollen fünf Amtsjahre als Ministerpräsident rühmte, hat eine Vielzahl
überfälliger Aufgaben unerledigt gelassen. Mitte-links mit dem
freundlich lächelnden Romano Prodi und manch finsteren Gesellen wird
dem Land und seinen Bürgern Härten verordnen müssen, wofür man
bekanntlich nicht immer Applaus und Popularität erntet. Berlusconi
und die Seinen können sich behaglich zurücklehnen und auf neue
Chancen warten. Dass die Italiener vom Medienzaren noch nicht genug
haben, das bewies das knappe Wahlergebnis.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion Tel.: 05 04 03 DW 610
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