EU Seminar Content for Competitiveness- 3: - Wirtschaftswachstum durch Rechtssicherheit

Wien (OTS) - Beim ersten Panel der heute Vormittag eröffneten Konferenz die unter dem Generalthema "European Content in a global and converging environment" stand, wies Rudolf Strohmeier, Kabinettschef von EU Kommissarin Viviane Reding, auf die wirtschaftliche Bedeutung der neuen Technologien im allgemeinen und der Contentindustrie im besonderen als Wirtschaftsfaktor für die Zukunft hin. So gehen Studien davon aus, dass im Bereich der Contentindustrie in den nächsten Jahren rund eine Million neuer Arbeitsplätze entstehen könnten. Notwendig für dieses Wachstum wären jedoch nicht nur benutzerfreundliche Technologien für die Konsumenten sondern auch eine verbesserte Rechtssicherheit für die Produzenten. In diesem Zusammenhang wies Strohmeier auf den Vorschlag der Kommission zur Revision der Richtlinie "Fernsehen ohne Grenzen" hin. Ebenso sprach er sich für eine Harmonisierung des Urheberrechtsschutzes innerhalb der Europäischen Union aus. Nach Ansicht der Kommission verhindert die Zersplitterung auf 25 nationale Regelungen die Herausbildung eines funktionierenden europäischen Binnenmarktes im Bereich der Contentwirtschaft. Die Kommission plädiert daher für neue grenzüberschreitende Regelungen. Neben dieser legistischen Initiative zur Stärkung der europäischen Contentindustrie habe die Kommission mit dem I 2010 Programm weitere zukunftsorientiere und wettbewerbstärkende Maßnahmen gesetzt, so Rudolf Steinmeier. So wurde anlässlich der Filmfestspiele in Cannes ein Pilotprojekt für den online Filmvertrieb vorgestellt. Dieses Projekt soll nun auf den Musikbereich ausgeweitet werden. Strohmeier kritisierte jedoch die "ab- und zurückhaltende Position" der Industrie bei der Erschließung neuer Märkte. Neben diesen kommerziell orientierten Initiativen fördert die besonders EU die Digitalisierung von Bibliotheken, multilinguale digitale Projekte und Initiativen zur Herstellung und Verbreitung von wissenschaftlichen und kulturellen Inhalten.

Jan Mojto, CEO von EOS Entertainment, und damit einer der großen Vertreter in der europäischen audiovisuellen Industrie, wies in seinem Beitrag auf die Defizite der europäischen Filmindustrie im Gegensatz zur europäischen Fernsehwirtschaft hin. So sinkt der Anteil der europäischen Kinoproduktionen seit Jahren kontinuierlich, während die europäischen Fernsehproduktionen Marktanteile gewinnen konnten. Mit verantwortlich für diese negative Entwicklung sind nach Ansicht von Jan Mojto die unzulänglichen Verleihstrukturen für den Film und die mangelnde Internationalisierung. Mojto sprach sich daher für verstärkte Bemühungen aus, Filme im kontinentaleuropäischen Bereich zu bewerben, denn im Gegensatz zum angelsächsischen Kulturraum akzeptiere man in diesem rund 300 Millionen Konsumenten umfassende Markt auch synchronisierte Filme. Durch steuerliche Vergünstigungen könnten zudem Anreize für neue Produktionen hergestellt werden. Die Notwendigkeit für europäische Produktionen sah Mojto nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. Er wies auch auf den bestimmenden Einfluss von Medien in den internationalen Beziehungen und kulturellen Wertschätzungen hin.

Die Generaldirektorin des ORF, Monika Lindner, unterstrich die Funktion von Medien als Orientierungsfaktor in der modernen Kommunikationsgesellschaft. Den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten komme dabei, nach Ansicht von Lindner, die Funktion zu, diesen Zugang für alle zu ermöglichen. Lindner: "Die größte Herausforderung für den ORF ist es, auf allen Plattformen präsent zu sein und die österreichische und europäische Kultur mit allen technologischen Möglichkeiten zu vermitteln." Um die Ausstrahlung von kulturell hochwertigen Programmen mit lokalem Kolorit zu sichern, engagiert sich der ORF auch in der Förderung von Nachwuchsautoren für Drehbücher.

Die Nachfrage nach dem "Lokalen" innerhalb des globalisierten Medien-und Informationsmarktes hob auch Angela Beesley, Direktorin von Wikipedia, hervor. Als "Produzent" von kostenloser und lizensfreier Information habe man die Erfahrung gemacht, dass die Mitarbeiter an diesem Projekt verstärkt ihre nationalen Sprachen verwenden und damit ihren eigenen kulturellen Inhalt unübersetzt einbringen. Lediglich 30% aller Beiträge werden auf Englisch verfasst.

Kontroversiell diskutierten die Teilnehmer das von Jens Redmer, Vertreter von "Google Book Europe" vorgestellte Projekt der Digitalisierung von Büchern. Stefano Mauri, CEO von Mauri Spagnol und Italiens Vertreter im Europäischen Verlegerverband, sprach sich für eine Stärkung der Autorenrechte bei diesem Projekt aus und lehnte eine allgemeine Digitalisierung ab. Jens Redmer, unterstrich, dass das Projekt nur innerhalb der geltenden Copyrightbestimmungen durchgeführt werde

Information zur Konferenz: www.contentconference.at

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