Ärzte kritisieren "Schmalspurvorsorge" in Wiener und NÖ Apotheken

Für ärztliche Versorgung ist bei der WGKK angeblich kein Geld vorhanden - Für Apothekenaktionen schon?

Wien (OTS) - Heftige Kritik kommt von der Wiener Ärztekammer an
der ab 20. März 2006 in den Wiener und Niederösterreichischen Apotheken geplanten so genannten Vorsorgeaktion "10 Minuten für meine Gesundheit". Es bestehe die Gefahr, dass die Patienten mit einem "Schmalspurprogramm" abgespeist und in vielen Fällen in falscher Sicherheit gewogen würden, verlautete aus der Ärztekammer.****

"Bereits der von den Apotheken gewählte Titel für die Aktion ist bezeichnend für den Wert dieser Kampagne", so Norbert Jachimowicz von der Kurie niedergelassene Ärzte der Ärztekammer für Wien und Mitverhandler der seit ungefähr einem Jahr in Kraft befindlichen Gesundenuntersuchungen NEU in den Arztordinationen. In zehn Minuten würden lediglich Bauchumfang, Cholesterin, Blutdruck, Gewicht und Blutzucker gemessen. "Jedem muss klar sein, dass ein solches Schmalspurprogramm nicht einmal annähernd verglichen werden kann mit einem kompletten ärztlichen Vorsorgecheck, wie er in den Arztpraxen angeboten wird." Die ganze Apothekenaktion sei daher aus ärztlicher Sicht mit einem großen Fragezeichen zu versehen.

Auch das Gesundheitsministerium und die Wiener Gebietskrankenkasse werden aus der Kritik an der Aktion nicht ausgenommen. Jachimowicz:
"Seit Jahren werden uns vom Ministerium und der Sozialversicherung Schlagwörter wie 'evidence based medicine' vorgehalten. Nach diesen Kriterien muss alles in den Arztordinationen ablaufen. Die Apotheken hingegen dürfen völlig unevaluiert und nach eigenem Gutdünken diagnostische Verfahren anbieten", betont Jachimowicz.

Und noch eine Brisanz enthält die Aktion in den Apotheken: Sowohl die Wiener als auch die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse unterstützen die Testreihen mit zwei Euro pro Kunden. Jachimowicz:
"In den laufenden Kassenverhandlungen in Wien hören wir ständig von WGKK-Obmann Franz Bittner, dass er derzeit nicht einmal das Geld habe, um die an die soziale Krankenversicherung gestellten Aufgaben in ärztlicher Diagnostik und Therapie entsprechend finanzieren zu können, und nun zahlt die WGKK eine Aktion, die nicht einmal annähernd etwas mit den Kernaufgaben einer Krankenkasse zu tun hat."

Für die Ärztekammer sei dies einmal mehr Indiz dafür, dass für einen neuen Kassenvertrag in Wien entgegen anders lautenden Aussagen von Seiten der Krankenkasse genügend Geld vorhanden sein müsste, um auch in Zukunft eine flächendeckende bestmögliche medizinische Versorgung in Wien zu ermöglichen.

Jachimowicz: "Gerade in Hinblick darauf, dass die Wiener Gebietskrankenkasse offensichtlich über so große finanzielle Reserven verfügt, um auch Marketingstrategien in den Apotheken finanzieren zu können, wird die Wiener Ärztekammer in den Vertragsverhandlungen konsequent bei der eingeschlagenen Linie bleiben und weiterhin vehement und im Sinne der Patienten für eine bestmögliche extramurale ärztlichen Versorgung eintreten." (hpp)

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