- 17.02.2006, 12:58:33
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Markt braucht mehr Biobauern
Wien (OTS) - Bio ist die Erfolgsaktie auf dem österreichischen
Lebensmittelmarkt. 2005 kletterte das Umsatzvolumen auf 500 Millionen
Euro, im Lebensmittelhandel wuchs der Biomarktanteil um ein Viertel
und beträgt bereits fünf Prozent. Eine steile Erfolgskurve, die die
19.900 österreichischen Biobäuerinnen und Biobauern an die Grenzen
ihrer Produktionskapazitäten stoßen lässt. Die aktuelle
Marktsituation verlangt nach mehr Biobetrieben.
"Alleine letztes Jahr haben die österreichischen Konsumenten um
100 Millionen Euro mehr Bio-Lebensmittel gekauft. Wir verzeichnen
derzeit Absatzmengenzuwächse von über zehn Prozent - wobei die
nationale und internationale Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln ständig
steigt. Dieser Erfolg freut uns Biobauern natürlich sehr, stellt uns
aber auch vor große Herausforderungen, denn es wird immer
schwieriger, unsere Marktpartner mit den gewünschten Mengen zu
beliefern" - schildert Ing. Johannes Tomic, Obmann von BIO AUSTRIA,
die aktuelle Marktsituation.
Knappheit bei biologischem Obst und Gemüse - Handel muss auf
Importware zurückgreifen.
Besonders gering ist die Verfügbarkeit bei Bio-Obst und
Bio-Gemüse: Nur jeder zweite Bio-Apfel, der 2005 in Österreich
verkauft wurde, ist auch hierzulande herangereift. Mit unter 50% war
der Selbstversorgungsgrad bei biologischem Obst wie Äpfel, Birnen,
Pfirsichen, Zwetschken und Kirschen besonders niedrig.
Ebenso gab es bei biologischem Gemüse starke Engpässe, die nur mit
Importen ausgeglichen werden konnten. Das Zurückgreifen auf
Importware gilt jedoch beim Handel nicht als eine zufriedenstellende
Lösung - denn die Konsumenten wünschen sich vorwiegend Bio-Qualität
aus Österreich. Das bestätigt auch Otto Bauer von Österreichs
renommiertem Gastronomieversorger C+C Pfeiffer, dem es für seine neue
Bio-Linie an heimischen Anbietern mangelt:
"Bio und Regionalität sind für viele unserer Kunden untrennbar
miteinander verbunden. Je regionaler, desto besser. Aber am Markt
gibt es zu wenig österreichisches Bio-Gemüse. Das zwingt uns auf
Importware zurückzugreifen. Dabei wünschen sich unsere Kunden
österreichische Bio-Qualität. Bei Tomaten, Gurken, Sellerie,
Karotten, Zwiebeln, Kartoffeln und Salate gibt es noch ein großes
Potential."
Die ständig steigende Konsumentennachfrage und das begrenzte,
österreichische Bio-Angebot erfordert längst von den Supermarktketten
eine internationale Einkaufspolitik.
"Bei Äpfeln, aber auch Birnen ist die Situation dramatisch. Hier gibt
es viel zu wenig österreichische Ware. Bei Salat, Kraut, Zwiebeln und
Kartoffeln können wir ebenfalls unseren Kunden nicht genügend
heimische Produkte anbieten. Bei den Kartoffeln müssen wir
beispielsweise bereits Ende Februar auf ägyptische Ware umstellen" -
erläutert Ing. Rudolf Himmelsberger vom Zentraleinkauf SPAR
Österreich die Marktsituation.
Mit über 50% im Obst- und Gemüsebereich ist der österreichische
Bio-Anteil in den Billa- und Merkurfilialen von REWE Austria noch
relativ gut. "Höhere Anteile sind nur durch eine Ausweitung
beziehungsweise Verlängerung der Anbauzeiten möglich. Obst aus
Österreich ist generell knapp. Bei Gemüse ist es uns aber trotzdem
gelungen für 2006 eine erweiterte Produktion mit österreichischen
Biobauern für Zucchini, Broccoli, Salat, Fenchel und Stangensellerie
zu erreichen" - so Mag. Martina Hörmer, Geschäftsführerin von Ja!
Natürlich.
Engpässe bei Fleisch - Bewegung auf dem Milchmarkt
Lange galten Fleisch und Milch als die Sorgenkinder des
erfolgsverwöhnten Bio-Marktes. Die Sorgenfalten der
Bio-Fleischvermarkter gehören längst der Vergangenheit an: "Wir
verzeichneten 2005 beim Bio-Jungrind Produktions- und
Vermarktungssteigerungen von 11%. Die derzeitigen Kapazitäten reichen
gerade aus, um unsere langjährigen Partner wie Billa und Merkur
zufriedenstellend zu versorgen. Neue Interessenten für
Bio-Jungrindfleisch müssen wir derzeit vertrösten, weil wir keine
konstante Belieferung von größeren Mengen gewährleisten können" -
sieht Otto Kicker, Produktmanager von BIO AUSTRIA, beim
Bio-Fleischmarkt Versorgungsprobleme. So gibt es bereits bei
Bio-Kühen, Bio-Ochsen und Bio-Kalbinnen über mehrere Wochen im Jahr
eine Unterversorgung im regionalen Vermarktungsbereich. Und die
Prognosen für 2006 versprechen viel Arbeit für die österreichischen
Bio-Fleischproduzenten: Nachfragesteigerungen von bis zu 20% werden
im Bio-Rinderbereich laut der größten österreichischen
Vermarktungsgesellschaft ARGE Bio-Rind erwartet. Das entspricht rund
6.000 Bio-Rindern!
Ebenfalls hoch im Kurs bei Händlern und KonsumentInnen steht
österreichisches Bio-Schweinefleisch: Durch die steigende Nachfrage
wird es zunehmend schwieriger, die über Jahre aufgebauten
Marktpartner mit heimischen Bio-Schweinefleisch zu versorgen. Obwohl
die Produktion gesteigert wurde, konnten 2005 von Kunden gewünschte
Bio-Wurstprojekte und eine verstärkte Bio-Schinkenproduktion nicht
umgesetzt werden.
Selbst auf dem lange überschüssigen Bio-Milchmarkt zeichnet sich
erstmals eine Entspannung ab: Schon auf Grund der österreichischen
Topografie ist die Milch das mengenstärkste, und wichtigste Produkt
der biologischen Landwirtschaft. Derzeit werden jährlich rund 395
Millionen Liter Bio-Milch produziert. Davon ca. 120 Millionen Liter
von sogenannten Codex-Betrieben, also nicht in Verbänden organisierte
Biobetriebe. Hier gehen durch Schwierigkeiten in der Sammellogistik
ca. 50 - 70 Millionen Liter "verloren" und werden konventionell
vermarktet.
BIO AUSTRIA konnte durch eine verstärkte Konzentration auf die
Bio-Milchvermarktung erste Erfolge erzielen. Rund 90% der von den BIO
AUSTRIA Mitgliedsbauern produzierten Milch wird bereits mit einem
Bio-Zuschlag vermarktet. Wie DI Johann Költringer, Geschäftsführer
der Vereinigung der Österreichischen Milchverarbeiter (VÖM)
anlässlich der Wintertagung 2006 kundtat, erfolgen im
Bio-Milchbereich in den nächsten Monaten zahlreiche, neue
Vermarktungsmaßnahmen in Richtung Export.
Zusätzliche Bewegung auf dem Bio-Milchmarkt wird bereits in den
nächsten Wochen erwartet: Ende Februar 2006 plant der Diskonter Hofer
die Umstellung seiner Langfrischmilch auf Bio - zeitgleich wird Lidl
Süddeutschland verstärkt auf Bio-Milch aus Österreich setzen.
Rückfragehinweis:
Wilfried Oschischnig BIO AUSTRIA - Öffentlichkeitsarbeit Tel.: +43(0)1-403 70 50 DW 214 Mobil: +43(0)676-842 214 214 mailto:[email protected] http://www.bio-austria.at
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