Markt braucht mehr Biobauern

Wien (OTS) - Bio ist die Erfolgsaktie auf dem österreichischen Lebensmittelmarkt. 2005 kletterte das Umsatzvolumen auf 500 Millionen Euro, im Lebensmittelhandel wuchs der Biomarktanteil um ein Viertel und beträgt bereits fünf Prozent. Eine steile Erfolgskurve, die die 19.900 österreichischen Biobäuerinnen und Biobauern an die Grenzen ihrer Produktionskapazitäten stoßen lässt. Die aktuelle Marktsituation verlangt nach mehr Biobetrieben.

"Alleine letztes Jahr haben die österreichischen Konsumenten um 100 Millionen Euro mehr Bio-Lebensmittel gekauft. Wir verzeichnen derzeit Absatzmengenzuwächse von über zehn Prozent - wobei die nationale und internationale Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln ständig steigt. Dieser Erfolg freut uns Biobauern natürlich sehr, stellt uns aber auch vor große Herausforderungen, denn es wird immer schwieriger, unsere Marktpartner mit den gewünschten Mengen zu beliefern" - schildert Ing. Johannes Tomic, Obmann von BIO AUSTRIA, die aktuelle Marktsituation.

Knappheit bei biologischem Obst und Gemüse - Handel muss auf Importware zurückgreifen.

Besonders gering ist die Verfügbarkeit bei Bio-Obst und Bio-Gemüse: Nur jeder zweite Bio-Apfel, der 2005 in Österreich verkauft wurde, ist auch hierzulande herangereift. Mit unter 50% war der Selbstversorgungsgrad bei biologischem Obst wie Äpfel, Birnen, Pfirsichen, Zwetschken und Kirschen besonders niedrig.
Ebenso gab es bei biologischem Gemüse starke Engpässe, die nur mit Importen ausgeglichen werden konnten. Das Zurückgreifen auf Importware gilt jedoch beim Handel nicht als eine zufriedenstellende Lösung - denn die Konsumenten wünschen sich vorwiegend Bio-Qualität aus Österreich. Das bestätigt auch Otto Bauer von Österreichs renommiertem Gastronomieversorger C+C Pfeiffer, dem es für seine neue Bio-Linie an heimischen Anbietern mangelt:

"Bio und Regionalität sind für viele unserer Kunden untrennbar miteinander verbunden. Je regionaler, desto besser. Aber am Markt gibt es zu wenig österreichisches Bio-Gemüse. Das zwingt uns auf Importware zurückzugreifen. Dabei wünschen sich unsere Kunden österreichische Bio-Qualität. Bei Tomaten, Gurken, Sellerie, Karotten, Zwiebeln, Kartoffeln und Salate gibt es noch ein großes Potential."

Die ständig steigende Konsumentennachfrage und das begrenzte, österreichische Bio-Angebot erfordert längst von den Supermarktketten eine internationale Einkaufspolitik.
"Bei Äpfeln, aber auch Birnen ist die Situation dramatisch. Hier gibt es viel zu wenig österreichische Ware. Bei Salat, Kraut, Zwiebeln und Kartoffeln können wir ebenfalls unseren Kunden nicht genügend heimische Produkte anbieten. Bei den Kartoffeln müssen wir beispielsweise bereits Ende Februar auf ägyptische Ware umstellen" -erläutert Ing. Rudolf Himmelsberger vom Zentraleinkauf SPAR Österreich die Marktsituation.

Mit über 50% im Obst- und Gemüsebereich ist der österreichische Bio-Anteil in den Billa- und Merkurfilialen von REWE Austria noch relativ gut. "Höhere Anteile sind nur durch eine Ausweitung beziehungsweise Verlängerung der Anbauzeiten möglich. Obst aus Österreich ist generell knapp. Bei Gemüse ist es uns aber trotzdem gelungen für 2006 eine erweiterte Produktion mit österreichischen Biobauern für Zucchini, Broccoli, Salat, Fenchel und Stangensellerie zu erreichen" - so Mag. Martina Hörmer, Geschäftsführerin von Ja! Natürlich.

Engpässe bei Fleisch - Bewegung auf dem Milchmarkt

Lange galten Fleisch und Milch als die Sorgenkinder des erfolgsverwöhnten Bio-Marktes. Die Sorgenfalten der Bio-Fleischvermarkter gehören längst der Vergangenheit an: "Wir verzeichneten 2005 beim Bio-Jungrind Produktions- und Vermarktungssteigerungen von 11%. Die derzeitigen Kapazitäten reichen gerade aus, um unsere langjährigen Partner wie Billa und Merkur zufriedenstellend zu versorgen. Neue Interessenten für Bio-Jungrindfleisch müssen wir derzeit vertrösten, weil wir keine konstante Belieferung von größeren Mengen gewährleisten können" -sieht Otto Kicker, Produktmanager von BIO AUSTRIA, beim Bio-Fleischmarkt Versorgungsprobleme. So gibt es bereits bei Bio-Kühen, Bio-Ochsen und Bio-Kalbinnen über mehrere Wochen im Jahr eine Unterversorgung im regionalen Vermarktungsbereich. Und die Prognosen für 2006 versprechen viel Arbeit für die österreichischen Bio-Fleischproduzenten: Nachfragesteigerungen von bis zu 20% werden im Bio-Rinderbereich laut der größten österreichischen Vermarktungsgesellschaft ARGE Bio-Rind erwartet. Das entspricht rund 6.000 Bio-Rindern!

Ebenfalls hoch im Kurs bei Händlern und KonsumentInnen steht österreichisches Bio-Schweinefleisch: Durch die steigende Nachfrage wird es zunehmend schwieriger, die über Jahre aufgebauten Marktpartner mit heimischen Bio-Schweinefleisch zu versorgen. Obwohl die Produktion gesteigert wurde, konnten 2005 von Kunden gewünschte Bio-Wurstprojekte und eine verstärkte Bio-Schinkenproduktion nicht umgesetzt werden.

Selbst auf dem lange überschüssigen Bio-Milchmarkt zeichnet sich erstmals eine Entspannung ab: Schon auf Grund der österreichischen Topografie ist die Milch das mengenstärkste, und wichtigste Produkt der biologischen Landwirtschaft. Derzeit werden jährlich rund 395 Millionen Liter Bio-Milch produziert. Davon ca. 120 Millionen Liter von sogenannten Codex-Betrieben, also nicht in Verbänden organisierte Biobetriebe. Hier gehen durch Schwierigkeiten in der Sammellogistik ca. 50 - 70 Millionen Liter "verloren" und werden konventionell vermarktet.

BIO AUSTRIA konnte durch eine verstärkte Konzentration auf die Bio-Milchvermarktung erste Erfolge erzielen. Rund 90% der von den BIO AUSTRIA Mitgliedsbauern produzierten Milch wird bereits mit einem Bio-Zuschlag vermarktet. Wie DI Johann Költringer, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Milchverarbeiter (VÖM) anlässlich der Wintertagung 2006 kundtat, erfolgen im Bio-Milchbereich in den nächsten Monaten zahlreiche, neue Vermarktungsmaßnahmen in Richtung Export.

Zusätzliche Bewegung auf dem Bio-Milchmarkt wird bereits in den nächsten Wochen erwartet: Ende Februar 2006 plant der Diskonter Hofer die Umstellung seiner Langfrischmilch auf Bio - zeitgleich wird Lidl Süddeutschland verstärkt auf Bio-Milch aus Österreich setzen.

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