"Die Presse": Kommentar: "Vogelgrippe: Ohne Unernst geht es nicht" (von Dietmar Neuwirth)

Ausgabe vom 16.2.2006)

Wien (OTS) - Die Steiermark wollte nach dem Fund von zwei an Vogelgrippe erkrankten Schwänen die Stallpflicht für Hühner einführen. Wien blockt ab.

Einmal nur soll ein kleines Redaktionsgeheimnis preisgegeben werden:
Eigentlich hätte das ein Kommentar sein sollen, der uneingeschränkt Lob ausspricht. Dafür gibt es Augen- und Ohrenzeugen. Lob sollte es geben für das professionelle Verhalten der Behörden nach dem Auftreten des ersten Verdachts, der mittlerweile zur Gewissheit geworden ist, dass die Vogelgrippe Österreich erreicht hat. Lob für die rasche Information der Bevölkerung, für das scheinbar geräuschlose Anlaufen der seit Monaten festgeschriebenen Maßnahmen im Kampf gegen die Tierseuche.
Doch dann holen uns doch noch Realität und Skurrilitäten ein - kein Thema ist hierzulande zu ernst, um nicht innerhalb kurzer Zeit in Unernst abzugleiten. Da kündigt ein Landesrat eine steiermarkweite Stallpflicht für Hühner an. Und wird von Wien zurückgepfiffen. Ministerin Maria Rauch-Kallat sorgt sich nicht nur um das gesundheitliche Wohlergehen der Bürger, wofür sie schließlich auch bezahlt wird. Sie will den Hühnern die "Qual" des Einsperrens ersparen, wie sie sagt. Aha. Ist die Vogelgrippe in der Steiermark am Ende weniger gefährlich als in der Türkei? Im Herbst wurde sehr wohl ein wochenlanges Stallgebot für Hühner verhängt, als die Seuche am Bosporus aufgetaucht war. Und bei der Information der Bürgermeister und Bauern zeigen sich bei genauerer Betrachtung beängstigende Lücken.
Also doch nichts mit dem uneingeschränkten Lob. Schade. Vielleicht ein anderes Mal.

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