• 15.02.2006, 13:23:24
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ÖBVP: Schule angstfrei erleben können - lernen heißt: Fehler machen dürfen

Wien (OTS) - Die Weihnachtsbotschaft von "Frieden und Liebe"
trifft unsere Sehnsucht und uns in einer Stimmung, die von
Unsicherheit und Zweifel geprägt ist. Existenzielle Ängste, wie z.B.
um den Arbeitsplatz, immer größer werdende Spannungen zwischen den
verschiedenen sozialen und ethnischen Gruppen, aber auch die
Bedrohung durch familiäre Gewalt, Terror und Krieg beunruhigen viele
Menschen. Doch diese Verunsicherung kann nicht bewusst wahrgenommen
werden. Gerade ÖBVP: Schule angstfrei erleben können - lernen heißt:
Fehler machen dürfen

"Sinn und Werte verlangen in einer pluralistischen Gesellschaft
vom Einzelnen, sich persönlich mit Lebensthemen auseinanderzusetzen
und sich Zeit für sich zu nehmen. Zeit, die wir uns das ganze Jahr
über nicht nehmen. Viele erleben sich als hilflos, wenn ihre
Erwartungen der familiären Harmonie nicht eintreffen. Geschenke
können gekauft werden, Glück nicht. Gemeinsamkeit stellt sich nicht
einfach ein, sie muss immer wieder auf`s Neue erarbeitet und gelebt
werden. In diesem Sinne wird Weihnachten als Fest der Familie
überstrapaziert", so Dr. Margret Aull, Präsidentin des
Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP). "Wir
PsychotherapeutInnen sind gerade in der Weihnachtszeit mit vielen
psychosozialen Krisen konfrontiert - ältere Menschen, die ihre
Einsamkeit in diesen Tagen besonders schmerzlich erleben,
PartnerInnen, die auf diesem Hintergrund an Trennung denken, aber
auch Jugendliche, die gegen die Pseudoharmonie revoltieren. Gemeinsam
ist diesem krisenhaften Geschehen die Unfähigkeit, Konflikte als Teil
des Familienlebens anzunehmen und nicht als Versagen zu empfinden",
erzählt Frau Aull aus ihrer Praxis. "Die Feiertage für gemeinsame
Unternehmungen vorsehen, ohne zu erwarten, dass alles "perfekt" ist.
Der Wunsch, dass die Feiertage friedlich und genussvoll verlaufen,
geht am ehesten dann in Erfüllung, wenn man sich keinem allzu hohen
Erwartungsdruck aussetzt", betont Margret Aull.

Angst gehört zum Leben und hat eine wichtige Funktion. Kinder ohne
Angst haben kein Warnsystem, können Risiken nicht einschätzen.
Leider ist aber für viele Kinder die Angst im Umfeld "Schule" ein
Problem. Neuesten Forschungen zufolge leidet jede/r 5. SchülerIn an
Schulangst, das sind 20% der Schüler. Dabei ist es wichtig, die
unterschiedlichen Ausprägungen von Schulangst zu kennen: die
Schulphobie als Ausdruck einer tiefer liegenden Trennungsangst; eine
generalisierte Angststörung, die in den verschiedensten Kontexten zum
Ausdruck kommt und Angstphänome, die in unmittelbarem Zusammenhang
mit Leistungsdruck und sozialen Konflikten in der Schule zu sehen
sind.

Ursachen dieser Schulangst sind neben dem Notendruck auch der
Gruppendruck, die Position des Außenseiters und andere Situationen
des Sich-Behaupten-Müssens. Eltern wie SchülerInnen sind zu sehr auf
die Noten als Ergebnis fixiert, statt auf das eigentliche Können als
Prozess des Lernens zu achten. Leistungsangst entsteht aber auch aus
dem Vergleich mit den Noten und Leistungen anderer. Wenn ein Kind bei
diesem Vergleich nicht so abschneidet, wie die Eltern es sich
wün-schen, leidet es darunter, ihren Erwartungen nicht gerecht
geworden zu sein, und entwickelt möglicherweise sogar Schuldgefühle.
Bei weiteren Vergleichen kann sich dann die Erinnerung an die letzte
Enttäuschung störend auf die Leistung auswirken - aus der Angst vor
dem Versagen entsteht so allmählich ein Verzagen und damit ein
Teufelskreis. Als Reaktion auf diesen Leistungsdruck gibt es zwei
Möglichkeiten: den depressiven Rückzug oder die aggressive
Auflehnung. Etwa drei Prozent der SchülerInnen neigen zu
Depressionen, für die sich eine verhängnisvolle Spirale nach unten
dreht: sie versuchen, ihre schlechten Leistungen über intensives
Lernen zu verbessern. Dabei bleibt ihr Selbstwertgefühl weiter auf
der Strecke, die Prüfungsangst steigt und es kommt durch erhöhten
Leistungsdruck zu neuerlichem Versagen. Der Leistungsdruck ist
natürlich nicht nur das Resultat schlechter Leistungen, sondern ein
Zusammenspiel mit den elterlichen Erwartungen und einem Mangel an
ausgleichenden Erfolgen, wie z.B. im Sport oder bei anderen
Freizeitangeboten. Das Fatale an diesen Erwartungen ist, dass gerade
der Druck, der leistungssteigernd wirken soll, letztlich Blockaden
durch Angst erzeugt.

Eltern können ganz wesentlich zum Erfolg ihrer Kinder beitragen,
wenn sie das Vertrauen des Kindes zu sich selbst und seinen
Fähigkeiten fördern, sie für ihre Erfolge - ohne es zu übertreiben -
loben und ihnen ein beständiges Grundgefühl des Geliebt-Werdens und
Akzeptiert-Seins vermitteln können. Auf dem Boden einer sol-chen
Beziehungserfahrung können Kritik und Schimpfen keine zerstörerischen
Auswirkungen annehmen.

Kinder wollen im Prinzip lernen und wissen und sich auf diesem Weg
"die Welt erobern". Sie sind dabei auf behutsame Anleitung angewiesen
- sehr oft brauchen sie unsere Unterstützung, um selber den Umgang
mit kleinen Misserfolgen zu erlernen: Schule gehen heißt lernen und
noch nicht alles wissen müssen und können.

Eltern brauchen den Mut, ihre Kinder vor allem mit ihrer Lebendigkeit
wahrnehmen und lieben zu können, um nicht dem Druck zu unterliegen,
diese als "erfolgreiches Erziehungsprodukt" präsentieren zu müssen.
Manchmal kann professionelle Hilfe Eltern und Kindern helfen, aus der
destruktiven Versagensspirale einen Ausstieg zu finden.

Rückfragehinweis:
Dr. Eva Mückstein
Vizepräsidentin des ÖBVP
Tel.: 01/513 17 304
E-Mail: [email protected]

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