Dem Mythos auf der Spur: Eindrucksvolle Wiener Werkstätte-Schau in Brüssel

Das Palais de Beaux-Arts, Brüssel, zeigt in Kooperation mit dem MAK Wien "LE DÉSIR DE LA BEAUTÉ. La Wiener Werkstätte et le Palais Stoclet"

Wien (OTS) - In Brüssel, wo Josef Hoffmann die wichtigste Manifestation der Wiener Werkstätte in Form des Stadtpalais "Palais Stoclet" geschaffen hat, wird ab 17. Februar 2006 eine Ausstellung zur Kunst-und Handwerksbewegung gezeigt, die in eindruckvoller Weise ein bedeutendes traditionelles Ereignis mit zeitgenössischer Kunstauffassung und Kunstintervention verknüpft. Unter dem Titel "LE DÉSIR DE LA BEAUTÉ. La Wiener Werkstätte et le Palais Stoclet" ("DER PREIS DER SCHÖNHEIT. Die Wiener Werkstätte und das Palais Stoclet") präsentiert das Palais de Beaux-Arts, Brüssel, in Kooperation mit dem MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst einen Überblick über das 30-jährige Wirken und Schaffen der Wiener Werkstätte (WW).

Die vom MAK kuratierte und gestaltete Schau im Palais des Beaux-Arts knüpft an die Ausstellung "DER PREIS DER SCHÖNHEIT. Zum 100. Geburtstag der Wiener Werkstätte" an, die 2003/2004 im MAK zu sehen war, und widmet darüberhinaus dem Palais Stoclet einen Schwerpunkt. "LE DÉSIR DE LA BEAUTÉ. La Wiener Werkstätte et le Palais Stoclet" ist als lebendiger Beitrag Österreichs in der Zeit der österreichischen Ratspräsidentschaft der Europäischen Union zu sehen.

Das reiche Repertoire der Wiener Werkstätte wird mit über 1.000 Exponaten chronologisch präsentiert. Gläser und Silber, Schmuck und Keramik, Stoffe, Möbel und Mode zeigen die enorme Bandbreite der Produktion; sie deckte alle Bereiche des täglichen Lebens ab. Anhand von Objektgruppen werden unterschiedliche Stilstufen vor Augen geführt. Außergewöhnliche Stücke aus Ungarn, Tschechien, Großbritannien, Frankreich, Belgien und den USA sind zu sehen. Leihgaben stammen aus großen Museen, neben ausgesuchten Werken privater Sammler von internationalem Renommee.

Das Palais Stoclet symbolisiert am deutlichsten die Utopie des Gesamtkunstwerks, einem Kerngedanken der Wiener Werkstätte. Es entstand im Auftrag von Adolphe Stoclet in der Avenue de Tervuren in den Jahren 1906 bis 1911. Der von Josef Hoffmann, einem Mitbegründer der WW, errichtete Bau bildet einen Schwerpunkt der Ausstellung.

Im Palais des Beaux-Arts werden in drei eigenen Ausstellungsräumen zahlreiche Zeichnungen und Architekturskizzen von Josef Hoffmann für das Palais Stoclet, zwei Werkzeichnungen von Gustav Klimt für den Mosaikfries im Speisesaal (um 1910) aus dem MAK, Entwurfszeichnungen des Frieses im Kinderzimmer (eine Leihgabe der Albertina), Werkzeichnungen zu Stofftapeten, die von der Firma Backhausen hergestellt wurden, Gouachen aus privaten Sammlungen, Schmuck aus dem Besitz von Suzanne Stoclet, die Einreichpläne des Hauses sowie selten gezeigte Objekte aus dem Archiv der Wiener Werkstätte gezeigt, das sich seit 1955 im Besitz des MAK befindet. Historische, bislang unveröffentlichte Fotos und Dokumente sowie Audio- und Videobeiträge komplettieren die Präsentation zum Palais Stoclet.

Zu den Hauptexponaten der Ausstellung gehören außerdem neben frühen Metallobjekten die Ausstattung des Esszimmers, das Josef Hoffmann für Paul Wittgenstein entwarf (1906), ein Bücherschrank aus dem Berliner Wohnsitz der Familie Stonborough (1905), eine von Hoffmann für die Ausstellung der Wiener Werkstätte in der Galerie Miethke entworfene Vitrine (1905) sowie Gegenstände aus dem Sanatorium Purkersdorf. Besonders interessant sind die außerordentlich umfangreichen Archivsammlungen, die in dieser Fülle erstmals außerhalb Österreichs gezeigt werden.

Inhaltlich wie gestalterisch geht es Peter Noever, Direktor MAK, darum, das Schaffen der Wiener Werkstätte aus heutiger Sicht zu beleuchten. Leitgedanke ist die Corporate Identity der WW als frühes Beispiel einer konsequent aufgebauten "Trademark". In diesem Sinne gestaltete Heimo Zobernig bereits für die Wiener Schau eine künstlerischen Intervention, die das Logo der Wiener Werkstätte, das doppelte W, zum dreidimensionalen begehbaren Präsentations-rahmen transformierte. Diese Intervention passt Zobernig nun der komplexen Raumsituation des Palais des Beaux-Arts an - das doppelte W wird gleichsam gesprengt, die Splitter in Form von Vitrinen scheinen Wände zu durchdringen und verteilen sich in dekonstruktivistischer, aufgefächerter Form über die Ausstellungsräume. Die Geschichte der Wiener Werkstätte von 1903 bis 1932 wird für den Besucher zum sinnlich erfahrbaren Ereignis.

"LE DÉSIR DE LA BEAUTÉ. La Wiener Werkstätte et le Palais Stoclet" wird mit Unterstützung durch das Bundeskanzleramt, das Österreichische Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten, das Österreichische Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie das Belgische Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, Außenhandel und Entwicklungskooperation und die Region Brüssel-Hauptstadt gezeigt.

Die Ausstellung wird am 16. Februar 2006 nach einleitenden Worten von Etienne Davignon (Präsident des Palais de Beaux-Arts) vom Bundeskanzler der Republik Österreich Wolfgang Schüssel und dem belgischen Premierminister Guy Verhofstadt sowie in Anwesenheit von M. Guy Van Hengel (Minister der Regierung der Region Brüssel-Hauptstadt) von Franz Morak (österreichischer Staatssekretär für Kunst und Medien), Peter Noever (Direktor MAK), Paul Dujardin (Generaldirektor des Palais des Beaux-Arts) und Anne Mommens (Direktorin der Ausstellungsabteilung des Palais des Beaux-Arts) eröffnet.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: "YEARNING FOR BEAUTY. The Wiener Werkstätte and the Stoclet House", herausgegeben von Peter Noever, Etienne Davignon, Paul Dujardin und Anne Mommens, mit Beiträgen von Valérie Dufour, Paul Dujardin, Anette Freytag, Siegfried Mattl und Paulus Rainer sowie einem Essay von Eduard F. Sekler, Gesprächen mit Heimo Zobernig und Marc Hotermans, einer umfassenden Chronologie sowie einem Faksimile des WW-Arbeitsprogramms, Englisch, 484 Seiten, MAK/Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2006, Euro 58,-; einem Teil der Auflage ist ein Booklet beigelegt, das die Textbeiträge in französischer und holländischer Übersetzung enthält.

PRESSEDATEN

Pressekonferenz: Donnerstag, 16. Februar 2006, 11.00 Uhr

Eröffnung: Donnerstag, 16. Februar 2006, 19.00 Uhr

Ausstellungsort: Palais des Beaux-Arts, Ravensteinstraat 23,
1000 Brüssel, Belgien (www.bozar.be)

Ausstellungsdauer: 17. Februar - 28. Mai 2006

Öffnungszeiten: Di-So 10.00-18.00 Uhr, Do bis 21.00 Uhr

Ausstellung: Peter Noever, Heimo Zobernig

Künstlerische Intervention: Heimo Zobernig

MAK-Kuratorin: Katja Miksovsky, MAK-Kustodin Glas und Keramik

Publikation: "YEARNING FOR BEAUTY. The Wiener Werkstätte and
the Stoclet House", herausgegeben von Peter Noever,
Etienne Davignon, Paul Dujardin und Anne Mommens, mit Beiträgen von Valérie Dufour, Paul Dujardin, Anette Freytag, Siegfried Mattl und Paulus Rainer sowie einem Essay von Eduard F. Sekler, mit einem Gespräch mit Heimo Zobernig und Marc Hotermans, einer umfassenden Chronologie sowie einem Faksimile des WW-Arbeitsprogramms, Englisch, 484 Seiten, MAK/Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2006, Euro 58,-

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