Wifo-Aiginger: Flexibilisierung setzt hohes Wachstum voraus

Wirtschaftliche Bilanz der EU in den vergangen Jahren enttäuschend

Villach (ÖGB) - "Flexibilisierung am Arbeitsmarkt setzt hohes Wachstum voraus", stellte der Leiter des Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO), Univ. Prof. Karl Aiginger, bei der ÖGB-BetriebsrätInnenkonferenz in Villach fest. Die EU müsse daher dem Wachstum oberste Priorität beimessen. Vor allem auch angesichts der Tatsache, dass die wirtschaftliche Bilanz der EU in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren enttäuschend ausfällt.++++

"Viele in der EU setzen voll auf Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Ich sage, Wachstum muss Priorität haben und die Flexibilisierung ist die Feinabstimmung", skizzierte Wirtschaftsforscher Aiginger seine Vorstellung von der Zukunft der EU. So werde auch die europäische Integration erst ein wirtschaftlicher Erfolg, wenn die Einkommen auf breiter Front steigen und die Arbeitslosigkeit sinkt. Derzeit gäbe es ein Policy Mix, das zu geringem Wachstum und steigender Arbeitslosigkeit führe. Aiginger:
"Das ist ein tödlicher Cocktail."

Allerdings gibt es in der EU auch einige erfolgreiche Länder. Es sind dies Schweden, Dänemark und Finnland. Diese Länder haben ein dichtes Sozialnetz, sie gestalten ihre Wirtschaftspolitik unter Einbezug von Sozialpartnern und ExpertInnen und geben der Ökologie einen hohen Stellenwert. Es gibt privates und öffentliches Kostenbewusstsein, ökonomische Anreize wurden besonders auf dem Arbeitsmarkt wachstumsfreundlich gesetzt, und in die Zukunftsfaktoren Forschung, Ausbildung, Weiterbildung und Diffusion von Technologien wurde enorm investiert. Die Forschungsausgaben liegen gleich hoch wie in den USA und um 50 Prozent höher als im EU-Durchschnitt.

Aiginger schlägt vor, die Chancen der Flexibilisierung zu nutzen und die Gewinne zwischen ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen zu teilen. Gleichzeitig sollten die Rechte jener, denen Flexibilisierung zugemutet werde, gestärkt werden. Aiginger: "Das europäische Wirtschafts- und Sozialmodell ist unter diesen Bedingungen kein

Hindernis für den Wirtschaftserfolg.(ff) ÖGB, 20. Jänner 2006 Nr. 36

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