Kinder sind wichtig für die Zukunft - auch im und für den Handel: Gefragt sind Verständnis und Flexibilität aller

Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich und GPA suchen gemeinsame Lösungen

Wien (GPA/ÖGB) - "Kinder sind ein wichtiger Teil unserer Zukunft, auch im und für den Handel", stellten Manfred Wolf, Sekretär des Wirtschaftsbereichs Handel der Gewerkschaft der Privatangestellten und Erich Lemler, Obmann der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich, gleich zu Beginn der hochkarätig besetzten Veranstaltung 'Arbeiten im Handel & Familie: Konflikte und Lösungen' klar. "Denn schrumpft die Bevölkerung, schrumpfen potentielle Kunden und Möglichkeiten der gesellschaftlichen Weiterentwicklung."++++

Die Zahlen weisen den Handel in Österreich als Schlüsselbranche für die wirtschaftliche und demographische Zukunft aus: Kaum eine Branche beschäftigt so viele Frauen und so viele Mütter. Von 550.000 Beschäftigten im Handel sind mehr als die Hälfte Frauen, im Einzelhandel sogar zwei Drittel. Ein großer Teil davon hat Kinder unter 15 Jahren. Tagtäglich stehen sowohl diese Arbeitnehmerinnen wie auch die Unternehmen vor der Aufgabe, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren - erwarten doch die KundInnen offene Geschäfte außerhalb üblicher Arbeitszeiten, also am Samstag oder am frühen Abend.

Wolfgang Mazal, Professor am Institut für Arbeits- und Sozialrecht der Universität Wien und Präsident des Österreichischen Instituts für Familienforschung, befasst sich mit Tendenzen verschiedener Indikatoren zur Familienentwicklung in Österreich und leitet daraus die Frage an den Handel ab, wie denn der stärker werdende Druck auf Familien reduziert werden könne. "Dazu eignen sich insbesondere Verbesserungen in der Kinderbetreuung im Wohnumfeld, ein neuer Zugang der Unternehmen zur Frage der Flexibilität. Vom Ansatz her sei es unzutreffend, 'work' und 'life' zu balancieren; vielmehr müssen die Bereiche 'work' und 'family' so ausbalanciert werden, dass sie in Summe ein geglücktes Leben ergeben.

Sandra Stern von der Interessengemeinschaft work@flex der GPA kritisiert, dass aufgrund des überwiegenden Teilzeitangebots und der hohen Zahl geringfügiger Beschäftigung solche Gehälter nicht zur Existenzsicherung von Familien ausreichen, gleichzeitig aber ein hohes Maß an Flexibilität gefordert wird. "Das kann sich nachteilig auf das Familienleben auswirken. Oftmals heißt arbeiten im Handel, prekär arbeiten."

Trotzdem gibt es handfeste Gründe, warum gerade viele Frauen mit Kindern im Handel arbeiten: "Handelsunternehmen haben Erfahrung mit Problemen von Eltern. Speziell Mütter brauchen Teilzeitangebote und die finden sie im Handel. Nach einer EU-Studie arbeiten diesen Ergebnissen zufolge übrigens nur 9 Prozent der Teilzeitbeschäftigten in Österreich unfreiwillig Teilzeit. Eine Zahl, die seitens der ArbeitnehmervertreterInnen stark hinterfragt wird. Auch ist der Wiedereinstieg nach der Karenz im Handel leichter als in anderen Branchen", führt Bundesspartenobmann Lemler aus.

"Wir können zwar nicht alle Arbeitszeitwünsche erfüllen; meistens finden wir aber eine Konsenslösung", sagt Claudia Oszwald, Geschäftsführerin von Hennes & Mauritz. Und weiter: "Auf Grund meiner Erfahrung haben Mütter sogar oft mehr Sozialkompetenz und sind daher wertvolle Mitarbeiterinnen", schildert sie.

Aus Sicht von Felicitas Seebach, der Frauenbeauftragten des Bundesausschusses Handel der GPA, widerspricht die reale Situation in Handelsbetrieben oft der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. "Eltern sind zwischen Arbeitspflicht und Aufsichtspflicht hin- und hergerissen. Vor diesem Hintergrund fordert die GPA familiengerechtes Arbeitszeitmanagement in den Handelsbetrieben", so Seebach.

Für Handelsunternehmer sei die Situation oft noch schwieriger, gilt es doch, die Bedürfnisse von ArbeitnehmerInnen mit Kindern, deren kinderlosen Kollegen und von Kunden zu vereinbaren: "Mütter wollen meist nur vormittags arbeiten, ihre Arbeitskollegen ebenso. Die KundInnen, von denen die Arbeitsplätze abhängen, kommen aber nachmittags", schildert Lemler das Dilemma aus Arbeitgebersicht. Einig sind sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter darin, dass weitere Verbesserungen etwa in der Kinderbetreuung nötig sind.

Unterschiedliche Auffassungen der Sozialpartner gibt es zur Elternteilzeit: Während Handelsobmann Lemler von einer Zwangsbeglückung wenig hält, sieht Manfred Wolf in der Regelung eine Chance, dass Eltern kindgerechte Arbeitszeiten sicherstellen können. Wichtig ist allerdings für beide: "Wir brauchen Verständnis und Flexibilität aller Beteiligten - von Unternehmen, Eltern, Kollegen und Gesellschaft."

ÖGB, 18. Jänner
2006
Nr. 24

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