ARGE ÄrztInnen: Versicherungspflicht hebelt das solidarische Gesundheitssystem aus

Nur Heraufsetzen der Höchstbeitragsgrundlage kann Zwei-Klassen-Medizin verhindern

Wien (ÖGB) - Die von Ärztekammer-Präsident Reiner Brettenthaler angedachte Versicherungspflicht als Ersatz für die bestehende Pflichtversicherung wird von der Vorsitzenden der ARGE ÄrztInnen im ÖGB, Dr. Sabine Oberhauser, strikt abgelehnt: "Die Einführung der Versicherungspflicht in der Krankenversicherung würde die Auflösung des Prinzips bedeuten, dass die Gesunden für die Kranken in der Gesellschaft einstehen." Anstatt der von Brettenthaler geforderten allgemeinen Beitragserhöhung fordert Oberhauser ein Anheben der Höchstbeitragsgrundlage.++++

Der gleiche und freie Zugang zur Gesundheitsvorsorge für alle gehöre zu den demokratischen Grundwerten, an denen nicht gerüttelt werden dürfe. Ein Versicherungspflicht-System würde bedeuten: Wer jung ist und es sich leisten kann, zahlt niedrige Prämien, jene die krank und alt sind, müssen wegen ihres erhöhten Krankheitsrisikos hohe Prämien bezahlen. "Ein solidarisches Gesundheitssystem hingegen bedeutet, dass niemand in einem Arzt-Wartezimmer sitzen darf und sich denken muss, hätte ich nur mehr Geld, um mir eine bessere medizinische Versorgung leisten zu können", betont Oberhauser.

Bei der im Jahr 2001 durchgeführten ÖGB-Urabstimmung sprachen sich 94,6 Prozent der teilnehmenden Mitglieder für die Beibehaltung der Pflichtversicherung aus. Die ARGE ÄrztInnen fordert daher die Beibehaltung der Pflichtversicherung, damit auch in Zukunft alle -unabhängig von ihrem Einkommen - auf die Gesundheitsversorgung vertrauen können.

Gerechte Gesundheitsfinanzierung statt allgemeiner Gebühren- und Selbstbehaltserhöhungen

Um die Kosten, die durch den medizinischen Fortschritt entstehen, sozial gerecht zu verteilen, dürfen die Versicherungsbeiträge nicht einfach angehoben werden. Auch die ständige Anhebung von Selbstbehalten, wie zuletzt bei Rezeptgebühren, Heil- und Sehbehelfen erfolgt, lehnt die ARGE ÄrztInnen ab. "Wer hier eine faire Verteilung will, kommt nicht daran vorbei, die Höchstbeitragsgrundlage anzuheben, und damit auch von den BesserverdienerInnen einen gerechten Anteil an den Gesundheitskosten einzufordern. Nur so ist ein Abrutschen in die Zwei-Klassen-Medizin zu verhindern", schließt Oberhauser.(fk)

ÖGB, 3. Jänner
2006 Nr. 3

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