• 29.12.2005, 17:55:26
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"DER STANDARD"-Kommentar: "Neue Kunstfeindlichkeit" von Thomas Trenkler

Ausgabe vom 30.12.2005

Wien (OTS) - Vor einigen Jahren, als Frauenministerin, rief
Barbara Prammer einen hoch dotierten Frauenkunstpreis ins Leben. Er
wurde nur einmal verliehen: Dann kam die Wende. Aber auch die
Sozialdemokraten, die seit den frühen 70er- Jahren für die Freiheit
der Kunst eingetreten waren und die kunstfeindlichen Plakate der
Freiheitlichen als Hetze empfunden hatten, vollzogen sie: Die Kunst
verlor an Stellenwert.
Das hatte sich zwar schon unter Kanzler Viktor Klima abgezeichnet:
Auf Kunstminister Rudolf Scholten, der die Kunst - auch die
unangenehme - gegen alle Anwürfe verteidigt hatte, folgte bloß ein
Kunststaatssekretär. Und Peter Wittmanns Bestellung machte es
deutlich: Im Personalreservoir der Sozialdemokraten gibt es kaum noch
jemanden, der eine Affinität zur Kunst hat. In der Steiermark ist
daher für die Kultur seit dem Herbst ein Landesrat zuständig, der die
Oper hasst - und als eine der ersten Amtshandlungen dem
Klassikfestival styriarte das Sonderbudget für eine
Harnoncourt-Produktion strich.
Mit der Wende aber wurde die SPÖ auch kunstfeindlich: Auf der
verzweifelten Suche nach Wählerschichten fordert sie Zensur. Und sie
übt diese, wenn möglich, auch aus: Heinz Schaden, Bürgermeister von
Salzburg, ließ eine Skulptur der mittlerweile international gefragten
Künstlergruppe Gelatin "einhausen": Niemand dürfe den sich in den
Mund pinkelnden Mann sehen.
Nun, da die Kronen Zeitung mit doppelbödiger Moral gegen zwei, drei
Sujets im Rahmen der Aktion euroPART von 25peaces zu Felde zieht,
fordert gerade Barbara Prammer, die ihrer Meinung nach skandalösen
Plakate "auf der Stelle abnehmen zu lassen". Das weltoffene Image,
das Sonnenkönig Bruno Kreisky, Kulturstadträtin Ursula Pasterk und
Scholten mit Herz und Engagement aufgebaut hatten: Es ist endgültig
zerstört.

Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445

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