- 22.12.2005, 13:01:35
- /
- OTS0123 OTW0123
Weihnachtsstimmung auf Kommando?
Wien (OTS) - Die Weihnachtsbotschaft von "Frieden und Liebe"
trifft unsere Sehnsucht und uns in einer Stimmung, die von
Unsicherheit und Zweifel geprägt ist. Existenzielle Ängste, wie z.B.
um den Arbeitsplatz, immer größer werdende Spannungen zwischen den
verschiedenen sozialen und ethnischen Gruppen, aber auch die
Bedrohung durch familiäre Gewalt, Terror und Krieg beunruhigen viele
Menschen. Doch diese Verunsicherung kann nicht bewusst wahrgenommen
werden. Gerade zu Weihnachten sind die Menschen versucht, die
alltäglichen Sorgen und Nöte auszublenden, um "endlich" Familie und
Gemeinschaft zu leben. Einem rituellen Zwang ähnlich "hat man
glücklich zu sein". Dies lässt immer weniger Raum für die Diskrepanz
zwischen inneren Bildern und dem gelebten Alltag. Dabei wird
übersehen, dass diese bedeutsamen Beziehungen oft schon lange ihre
Tragfähigkeit verloren haben.
Nachdem der vorweihnachtliche Trubel zurückgelassen worden ist, kehrt
Stille ein, die häufig als Leere empfunden wird und Angst macht.
Nicht selten dient Alkohol dann als Stimmungsmacher, um die als
unerträglich erlebte Stille zu überdecken. Alte Konflikte brechen aus
und es kommt, noch häufiger als im restlichen Jahr, zu Enttäuschung,
Streit und auch zu Gewalt.
"Sinn und Werte verlangen in einer pluralistischen Gesellschaft
vom Einzelnen, sich persönlich mit Lebensthemen auseinanderzusetzen
und sich Zeit für sich zu nehmen. Zeit, die wir uns das ganze Jahr
über nicht nehmen. Viele erleben sich als hilflos, wenn ihre
Erwartungen der familiären Harmonie nicht eintreffen. Geschenke
können gekauft werden, Glück nicht. Gemeinsamkeit stellt sich nicht
einfach ein, sie muss immer wieder auf`s Neue erarbeitet und gelebt
werden. In diesem Sinne wird Weihnachten als Fest der Familie
überstrapaziert", so Dr. Margret Aull, Präsidentin des
Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP). "Wir
Psycho-therapeutInnen sind gerade in der Weihnachtszeit mit vielen
psychosozialen Krisen konfrontiert - ältere Menschen, die ihre
Einsamkeit in diesen Tagen besonders schmerzlich erleben,
PartnerInnen, die auf diesem Hintergrund an Trennung denken, aber
auch Jugendliche, die gegen die Pseudoharmonie revoltieren. Gemeinsam
ist diesem krisenhaften Geschehen die Unfähigkeit, Konflikte als Teil
des Familienlebens anzunehmen und nicht als Versagen zu empfinden",
erzählt Frau Aull aus ihrer Praxis. "Die Feiertage für gemeinsame
Unternehmungen vorsehen, ohne zu erwarten, dass alles "perfekt" ist.
Der Wunsch, dass die Feiertage friedlich und genussvoll verlaufen,
geht am ehesten dann in Erfüllung, wenn man sich keinem allzu hohen
Erwartungsdruck aussetzt", betont Margret Aull.
Hilfe können Sie z.B. am Krisentelefon der Ö3-Kummernummer (0800
600 607) rund um die Uhr in Anspruch nehmen. Unsere Erfahrung hat
gezeigt, dass sich allein schon durch die telefonische Beratung akute
Krisen entschärfen lassen.
Sollten Sie darüber hinaus Interesse an einer Psychotherapie
haben, finden Sie unter www.psychotherapie.at bundesweit
PsychotherapeutInnen, mit denen Sie Kontakt aufnehmen können.
Rückfragehinweis:
Dr. Margret Aull/Mag. Doris Beneder
Tel.: 01/513 17 304
bzw. ab 23.12.2005: Mobil:0664/46 60 976
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OBP






