- 20.12.2005, 18:17:51
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DER STANDARD-Kommentar "Die Provinzposse" von Gerfried Sperl
Wien (OTS) - Der Internet-User "scrull" hat Recht: Arnold
Schwarzenegger hat den Nag(e)l auf den Kopf getroffen. In einem
harten und trotzdem elegant verfassten Brief an den Grazer
Bürgermeister hat der Gouverneur von Kalifornien der steirischen
Landeshauptstadt die Verwendung seines Namens verboten, den Ehrenring
der Post übergeben und trotzdem heimatliche Besuche angekündigt. Wann
immer die stattfinden sollen.
Siegfried Nagl jedenfalls ist postwendend in die Knie gegangen und
hat sich dem Terminator unterworfen. Der ÖVP- Politiker hat keinen
Konter gewagt, obwohl er dazu genügend Gründe hätte. Graz hat sich
selbst zur "Stadt der Menschenrechte" erklärt, was auch
Schwarzenegger würdigen müsste. Außerdem hätte Nagl der weit
verbreiteten Meinung entgegentreten können, Schwarzenegger habe ja
nur nach der kalifornischen Rechtslage gehandelt. Er hätte den
Todeskandidaten begnadigen können, wie es vor ihm auch schon der
spätere US-Präsident Ronald Reagan einmal tat.
Und: Nagl hätte den Landsmann auffordern können, wann immer es
dessen Terminplan erlaubt, für eine Diskussion nach Graz zu kommen.
In die Heimat des nach wie vor österreichischen Staatsbürgers.
Wofür sich die Debatte um die Todesstrafe nicht eignet: für
politische Kalkulationen und erfundene Rücksichten. Weshalb die
Attacke Nagls gegen "die Linke", deren Ruf nach der Umbenennung eines
Stadions sei eine "Provinzposse", in Wirklichkeit nach hinten
losgeht.
Die "Provinzposse" spielt sich im Amt des Bürgermeisters ab. Der
Hauptdarsteller ist Nagl selbst, weil er die Kritik mit dem Kuschen
vertauscht hat und den Untertanen spielt. Die steirischen Zeitungen
assistieren, indem sie wieder einmal den Unterschied zwischen
humanistischer Rhetorik und Auflagentaktik demonstrieren.
Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445
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