Neue SWS-Studie über sozialen Zusammenhalt: Angst vor Arbeitslosigkeit stark ausgeprägt

Bauer warnt vor Ausdünnung des ländlichen Raums und Zerfall sozialer Bindungen

Wien (SK) - Erste Ergebnisse der SWS-Studie "Die Bedeutung des Sozialkapitals für Gemeinschaft und Wohlbefinden" belegen, dass die Angst vor Arbeitslosigkeit in der österreichischen Bevölkerung mit durchschnittlich 40 Prozent stark ausgeprägt ist, betonte der SPÖ-Abgeordnete und Vorsitzende des Zukunftsforums Hannes Bauer im Rahmen der Studienpräsentation, die er Montagvormittag gemeinsam mit dem Sozialwissenschafter Ernst Gehmacher durchführte. Zudem warnte Bauer vor einer Ausdünnung des ländlichen Raums, dies sei eine "falsche Entwicklung", vor allem deshalb, weil "die Menschen in leicht erreichbarer Nähe arbeiten wollen", was auch die Aufrechterhaltung sozialer Bindungen gewährleiste. ****

Der Sozialwissenschafter Ernst Gehmacher betonte, dass das Sozialkapital große Auswirkungen auf subjektives Wohlbefinden und auf den Erfolg einer Gesellschaft habe und wichtigstes Element für persönliches Glücksempfinden sei. Die Endergebnisse der im April 2005 durchgeführten Studie - die auf einer repräsentativen Umfrage von 1013 Personen beruht - werden voraussichtlich Ende Jänner 2006 vorliegen.

Hannes Bauer verwies darauf, dass vor allem die Bereiche "Kontaktmöglichkeiten", "Soziale Unterstützung", "Mitgliedschaft und aktive Teilnahme in Organisationen", aber auch "Ängste" sowie "Zufriedenheit und Glück" von entscheidender Aussagekraft über den sozialen Zusammenhalt in Österreich seien. So habe die Studie ergeben, dass ein Großteil der Befragten (84 Prozent) die Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, als "sehr gut" einschätzen. Bauer zeigte in diesem Zusammenhang allerdings auf, dass vor allem über 55-Jährige laut eigener Aussage nur mehr über "geringe Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme" verfügen. Im Bereich der sozialen Unterstützung sei darauf hinzuweisen, dass für rund 80 Prozent der Befragten ihr/e PartnerIn die Hauptansprecherperson sei -die PartnerInnen sind damit klare "Unterstützungs-Spitzenreiter", so Bauer mit Blick darauf, dass "professionelle Hilfe vor allem für die ältere Bevölkerung an Bedeutung gewinnt".

Bei Mitgliedschaften und der aktiven Teilnahme in Organisationen zeige sich, dass vor allem Berufsverbände eine zentrale Rolle spielen (45 Prozent der Befragten), die Mitgliedschaft in religiösen oder kirchlichen Organisationen liege bei 27 Prozent, unterstrich Bauer und zeigte auf, dass die "aktive Teilnahme an Organisationen durchwegs sehr gering ist" - hier gelte es, "durchaus zu mehr Motivation aufzurufen".

Im Bereich von Angst habe die Studie ergeben, dass die ÖsterreicherInnen vor allem vor dem Tod naher Angehöriger oder Freunde Angst (47 Prozent) haben, erst mit zunehmendem Alter gewinne die Angst vor eigener Krankheit oder Behinderung (46 Prozent) an Bedeutung. Zum Thema Zufriedenheit und Glück sei zu vermerken, dass die Befragten hauptsächlich mit den Lebensbereichen Ehe und Partnerschaft (49 Prozent), Wohnung, Wohngegend und Familienleben (46 Prozent) "ganz und gar zufrieden" seien; die Bereiche Kirche, öffentliche Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung rangierten dagegen auf der unteren Ebene der Zufriedenheitsskala, führte Bauer aus. Der SPÖ-Abgeordnete bekräftigte auch, dass angesichts des Umstands, dass öffentliche Institutionen kein großes Vertrauensverhältnis hätten, "hier noch viel gearbeitet werden muss".

Gehmacher - "Enormer Rückgang von Nahbeziehungen"

Vor allem die Nahbeziehungen hätten einen "enormen Rückgang" zu verzeichnen, so der Sozialwissenschafter Ernst Gehmacher, der sich mit dem Zusammenhang von Glück - Unglück - Sozialkapital auseinander setzte. Dafür verantwortlich seien vorwiegend der zunehmend fehlende Nachbarschaftszusammenhang, aber auch die gesteigerte Mobilität, die etwa ein längeres Verbleiben in ein- und demselben Arbeitszusammenhang erschwere. Es zeige sich auch, dass nach dem Zerfall sozialer Strukturen in der Hauptsache die "biologischen Strukturen übrig bleiben" (Familie). Das Sozialkapital (sozialer Zusammenhalt) spiele für persönliches Glück eine größere Rolle als etwa Geld oder Bildung, verwies Gehmacher auf die Resultate der SWS-Studie, während "Einkommen und soziale Netze in erster Linie vor Leiden und Unglücklichsein schützen".

Ein grundlegendes Ergebnis der Studie sei, dass 20 Prozent der Befragten angeben, "nicht glücklich" zu sein, während sich 14 Prozent als "sehr glücklich" deklarieren. Die soziale Bindungskraft sei auf drei Ebenen wirksam: Auf der Mikro-Ebene (Familie, Freunde), auf der Meso-Ebene (Arbeitskollegen, Vereinsleben) und auf der Makro-Ebene (ideelle Beziehungen im Bereich von Politik, Religion, Kunst), erläuterte Gehmacher, der abschließend darauf verwies, dass vor allem von Armut und Einsamkeit Betroffene am stärksten gefährdet seien, unglücklich zu sein. (Schluss) mb

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