- 19.12.2005, 13:12:36
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Neue SWS-Studie über sozialen Zusammenhalt: Angst vor Arbeitslosigkeit stark ausgeprägt
Bauer warnt vor Ausdünnung des ländlichen Raums und Zerfall sozialer Bindungen
Wien (SK) - Erste Ergebnisse der SWS-Studie "Die Bedeutung des
Sozialkapitals für Gemeinschaft und Wohlbefinden" belegen, dass die
Angst vor Arbeitslosigkeit in der österreichischen Bevölkerung mit
durchschnittlich 40 Prozent stark ausgeprägt ist, betonte der
SPÖ-Abgeordnete und Vorsitzende des Zukunftsforums Hannes Bauer im
Rahmen der Studienpräsentation, die er Montagvormittag gemeinsam mit
dem Sozialwissenschafter Ernst Gehmacher durchführte. Zudem warnte
Bauer vor einer Ausdünnung des ländlichen Raums, dies sei eine
"falsche Entwicklung", vor allem deshalb, weil "die Menschen in
leicht erreichbarer Nähe arbeiten wollen", was auch die
Aufrechterhaltung sozialer Bindungen gewährleiste. ****
Der Sozialwissenschafter Ernst Gehmacher betonte, dass das
Sozialkapital große Auswirkungen auf subjektives Wohlbefinden und auf
den Erfolg einer Gesellschaft habe und wichtigstes Element für
persönliches Glücksempfinden sei. Die Endergebnisse der im April 2005
durchgeführten Studie - die auf einer repräsentativen Umfrage von
1013 Personen beruht - werden voraussichtlich Ende Jänner 2006
vorliegen.
Hannes Bauer verwies darauf, dass vor allem die Bereiche
"Kontaktmöglichkeiten", "Soziale Unterstützung", "Mitgliedschaft und
aktive Teilnahme in Organisationen", aber auch "Ängste" sowie
"Zufriedenheit und Glück" von entscheidender Aussagekraft über den
sozialen Zusammenhalt in Österreich seien. So habe die Studie
ergeben, dass ein Großteil der Befragten (84 Prozent) die
Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, als "sehr
gut" einschätzen. Bauer zeigte in diesem Zusammenhang allerdings auf,
dass vor allem über 55-Jährige laut eigener Aussage nur mehr über
"geringe Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme" verfügen. Im Bereich der
sozialen Unterstützung sei darauf hinzuweisen, dass für rund 80
Prozent der Befragten ihr/e PartnerIn die Hauptansprecherperson sei -
die PartnerInnen sind damit klare "Unterstützungs-Spitzenreiter", so
Bauer mit Blick darauf, dass "professionelle Hilfe vor allem für die
ältere Bevölkerung an Bedeutung gewinnt".
Bei Mitgliedschaften und der aktiven Teilnahme in Organisationen
zeige sich, dass vor allem Berufsverbände eine zentrale Rolle spielen
(45 Prozent der Befragten), die Mitgliedschaft in religiösen oder
kirchlichen Organisationen liege bei 27 Prozent, unterstrich Bauer
und zeigte auf, dass die "aktive Teilnahme an Organisationen
durchwegs sehr gering ist" - hier gelte es, "durchaus zu mehr
Motivation aufzurufen".
Im Bereich von Angst habe die Studie ergeben, dass die
ÖsterreicherInnen vor allem vor dem Tod naher Angehöriger oder
Freunde Angst (47 Prozent) haben, erst mit zunehmendem Alter gewinne
die Angst vor eigener Krankheit oder Behinderung (46 Prozent) an
Bedeutung. Zum Thema Zufriedenheit und Glück sei zu vermerken, dass
die Befragten hauptsächlich mit den Lebensbereichen Ehe und
Partnerschaft (49 Prozent), Wohnung, Wohngegend und Familienleben (46
Prozent) "ganz und gar zufrieden" seien; die Bereiche Kirche,
öffentliche Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung rangierten dagegen
auf der unteren Ebene der Zufriedenheitsskala, führte Bauer aus. Der
SPÖ-Abgeordnete bekräftigte auch, dass angesichts des Umstands, dass
öffentliche Institutionen kein großes Vertrauensverhältnis hätten,
"hier noch viel gearbeitet werden muss".
Gehmacher - "Enormer Rückgang von Nahbeziehungen"
Vor allem die Nahbeziehungen hätten einen "enormen Rückgang" zu
verzeichnen, so der Sozialwissenschafter Ernst Gehmacher, der sich
mit dem Zusammenhang von Glück - Unglück - Sozialkapital auseinander
setzte. Dafür verantwortlich seien vorwiegend der zunehmend fehlende
Nachbarschaftszusammenhang, aber auch die gesteigerte Mobilität, die
etwa ein längeres Verbleiben in ein- und demselben
Arbeitszusammenhang erschwere. Es zeige sich auch, dass nach dem
Zerfall sozialer Strukturen in der Hauptsache die "biologischen
Strukturen übrig bleiben" (Familie). Das Sozialkapital (sozialer
Zusammenhalt) spiele für persönliches Glück eine größere Rolle als
etwa Geld oder Bildung, verwies Gehmacher auf die Resultate der
SWS-Studie, während "Einkommen und soziale Netze in erster Linie vor
Leiden und Unglücklichsein schützen".
Ein grundlegendes Ergebnis der Studie sei, dass 20 Prozent der
Befragten angeben, "nicht glücklich" zu sein, während sich 14 Prozent
als "sehr glücklich" deklarieren. Die soziale Bindungskraft sei auf
drei Ebenen wirksam: Auf der Mikro-Ebene (Familie, Freunde), auf der
Meso-Ebene (Arbeitskollegen, Vereinsleben) und auf der Makro-Ebene
(ideelle Beziehungen im Bereich von Politik, Religion, Kunst),
erläuterte Gehmacher, der abschließend darauf verwies, dass vor allem
von Armut und Einsamkeit Betroffene am stärksten gefährdet seien,
unglücklich zu sein. (Schluss) mb
Rückfragehinweis:
Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at
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