- 13.12.2005, 17:56:42
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DER STANDARD-Kommentar "Matte Kritik an äußerster Härte" von Gerfried Sperl
"In Österreich wird der "Terminator" nur von Grünen und Amnesty härter angefasst" - Ausgabe 14.12.2005
Wien (OTS) - Hinrichtungen sind für Arnold Schwarzenegger nichts
Neues. Er hat bereits drei unterzeichnet. Warum ist gerade die
Vollstreckung des Todesurteils am vierfachen Mörder Stanley "Tookie"
Williams einige prinzipielle Überlegungen wert? Der Gouverneur hätte
selbst unter dem Aspekt der kalifornischen Praxis den Weg der
Begnadigung wählen können. Niemand zwingt ihn zur äußersten Härte.
Außerdem hat Williams sichtbare Zeichen der Abkehr von der Gewalt
gesetzt. Ob er aus Taktik oder aus Überzeugung Kinderbücher gegen
Gewalt geschrieben hat, ist eine Frage, die niemand schlüssig
beantworten kann.
Bei früheren Gelegenheiten hat der republikanische Gouverneur seine
Ablehnungen damit begründet, dass er "dem Volk zu dienen" habe. Ein
reichlich moralinsaurer Populismus. Jetzt behauptet Schwarzenegger,
Williams habe seine (übrigens nie bewiesenen Morde) nicht bereut.
Damit ist die Frage nach der Christlichkeit des bekennenden
Katholiken zu stellen. Er habe, heißt es in seiner Stellungnahme,
"keine Rechtfertigung für die Gewährung einer Begnadigung" finden
können. Tatsächlich haben nicht nur Amnesty International und
Persönlichkeiten wie der südafrikanische Bischof Desmond Tutu oder
Menschenrechtler wie Bianca Jagger (siehe der Standard vom Montag) um
Gnade ersucht. Der Gouverneur hätte sowohl die ablehnende Haltung des
Papstes als auch der Bischöfe seiner beiden Heimatländer zur
Todesstrafe berücksichtigen müssen. Er hat es nicht getan und sich
somit gegen "seine" Kirche gestellt.
Ziemlich weich ist deshalb auch die Reaktion des Grazer
Diözesanbischofs Egon Kapellari, der dem Standard erklärt: "Wir
können uns nicht jedes Mal aus Österreich melden, wenn irgendwo auf
dieser Welt eine Menschenrechtsverletzung passiert." 1.) Kapellari
ist für Schwarzenegger zuständig, weil dieser nach wie vor
Österreicher ist. 2.) Der Gouverneur pflegt nach wie vor enge
Beziehungen zur steirischen Heimat und war das Herzi-Binki der
Landeshauptleute Krainer und Klasnic. 3.) Ein Bischof, der die
Abtreibung strikt ablehnt, sollte dies auch in der Frage der
Todesstrafe tun. Mit desto größerem Nachdruck, je mächtiger der
Adressat ist. 4.) Soll die Caritas womöglich aufhören zu helfen,
"wenn irgendwo auf der Welt . . ." Und so weiter.
Generell zeigt diese kirchliche Reaktion erneut eine dramatische
Schwäche der katholischen Hierarchie. Zögerliche oder nur matte
Kritik am Verhalten von politischen Potentaten bestärkt unter wachen
Christen die Meinung, das Rückgrat der Bischöfe sei nur mäßig
ausgeprägt. Der Rückgang ihres Einflusses in Europa ist die Folge.
Ähnlich mild die Position Wolfgang Schüssels. Die Forderung des
Grünen-Abgeordneten Peter Pilz nach einer "Aberkennung der
österreichischen Staatsbürgerschaft" sei "absurd", sagte der Kanzler.
Warum eigentlich? Wenn sich Schwarzenegger, wie Freunde meinen, "in
einem anderen Wertesystem" befindet, dann sollte er die
Staatsbürgerschaft von sich aus zurückgeben. Man müsste darüber auf
jeden Fall ernsthaft diskutieren. Und die Freunde des "Terminators":
Seit wann haben die USA ein anderes Wertesystem? Ist es nicht jenes
westlich-liberale, dem sich auch Österreich verpflichtet fühlt?
Zahlreiche Bundesstaaten der USA erfüllen leider die notwendigen
Standards der Menschenrechte nicht. Das ist die Situation.
In Graz selbst ist die Debatte um die Aberkennung der
Ehrenbürgerschaft und um einen anderen Namen für das
Schwarzenegger-Stadion neu entflammt. Immerhin hat der Grazer
Bürgermeister Siegfried Nagl von der ÖVP sich für Williams’
Begnadigung eingesetzt und sich damit deutlich von der Entscheidung
des Landsmannes distanziert.
Wenn die Volkspartei und die Sozialdemokraten ihre Programme ernst
nehmen, müssten sie zumindest das Stadion umbenennen. Als ein Zeichen
des Protestes, um an die Stelle der Sympathie für den Aufsteiger den
Wert der Ethik zu setzen.
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Tel.: (01) 531 70/445
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