- 09.12.2005, 09:32:02
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Umweltdachverband und Alpenverein: EU und Österreich müssen punkto Alpenkonvention handeln!
Wien (OTS) -
- Appell zum Internationalen Tag der Berge 2005
- Umsetzung der Alpenkonvention forcieren!
- Schwerpunkt zum Schutz der europäischen Berggebiete starten!Die
österreichische EU-Präsidentschaft 2006 naht in großen Schritten.
Der 3. Internationale Tag der Berge 2005 steht bereits vor der
Tür. Er wird am 11. Dezember gefeiert. "Dieser von der UNO
ausgerufene Tag sollte in unserem Land, wo knapp zwei Drittel der
Gesamtfläche unter die Definition ,Alpen’ fallen, eigentlich für
Schlagzeilen sorgen", so Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des
Umweltdachverbandes. Noch dazu, wo Österreich ab Jänner 2006 nicht
nur - wie schon seit Dezember 2004 - Vorsitzland der Alpenkonvention,
sondern gleichzeitig auch den Vorsitz aller europäischen
Umweltminister innehaben wird. "Damit bietet sich die große Chance,
auch über die Grenzen hinweg wichtige Akzente für den Schutz und die
nachhaltige Entwicklung dieses besonders sensiblen Lebensraums zu
setzen", betont Mag. Peter Haßlacher, Leiter der Fachabteilung
Raumplanung/Naturschutz des Oesterreichischen Alpenvereins (OeAV).
Appell an EU: Alpenkonvention ratifizieren und umsetzen
Der Tag der Berge ruft heuer speziell dazu auf, die
Tourismusentwicklung hin zu einem "nachhaltigen Tourismus" zu lenken.
"Was uns sogleich zum wichtigen Thema Alpenkonvention bringt, nach
der sich die Vertragsparteien via Protokoll Tourismus verpflichten,
im Alpenraum eine Politik einzuleiten, die auf einen
umweltverträglichen Tourismus im Sinn einer nachhaltigen Entwicklung
abzielt", erläutert Haßlacher. Dabei sind nach der Alpenkonvention in
Entwicklungsprogrammen u.a. auch Ausbaugrenzen festzulegen. Es ist
aber beispielsweise auch der Einsatz von Beschneiungsanlagen auf
örtliche Kälteperioden - insbesondere, um exponierte Zonen zu sichern
- zu beschränken. "Über den jährlichen Stromverbrauch aus
Beschneiungsanlagen in den Alpen gibt es verschiedenste Schätzungen,
das Wettrüsten der einzelnen Schigebiete trägt jedoch sicher zum
ungebremsten Stromverbrauch bei. Angesichts naturzerstörerischer
Kraftwerksprojekte ist dem ungebremsten Ausbau von Schneekanonen
jedenfalls auch hinsichtlich der Alpenkonvention endlich ein Riegel
vorzuschieben", so Heilingbrunner und Haßlacher unisono.
Verkehrsprotokoll nach wie vor schmählich vernachlässigt
Die Alpenkonvention ist seit 1995 in Kraft, die
Durchführungsprotokolle seit Dezember 2002. Liechtenstein,
Deutschland, Österreich, Slowenien und Frankreich haben sie bereits
ratifiziert. "Die Europäische Gemeinschaft hinkt punkto
Alpenkonvention jedoch nach wie vor hinterher. Sie bekennt sich zwar
als Vertragspartei völkerrechtlich zu diesem Vertragswerk und hat
1994 die Protokolle Raumplanung und nachhaltige Entwicklung,
Berglandwirtschaft, Naturschutz- und Landschaftspflege unterzeichnet.
Erst am 2. Dezember 2005 wurde die Europäische Kommission vom
EU-Umweltministerrat ermächtigt, die Protokolle Tourismus, Energie
und Bodenschutz zu unterzeichnen. Die Ratifizierung steht jedoch in
allen genannten Fällen noch aus und damit sind die bisherigen
Unterschriften reine Kosmetik", so Haßlacher. Fest steht weiters,
dass seit Jänner 2001 ein Kommissionsvorschlag für eine Entscheidung
des Rates über die Unterzeichnung des Verkehrsprotokolls vorliegt,
der bis dato in der Schublade liegt. Eine besonders krasse
Missachtung, da dieses Protokoll im europäischen Kontext die
Haupterfordernisse einer gesundheits- und umweltschonenden
Alpenpolitik enthält. Auch in der Dokumentation des
Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten vom 19.10.2005 -
"Die österreichische EU-Präsidentschaft 2006" - ist kein Wort über
die Alpenkonvention und über die Unterzeichnung des
Verkehrsprotokolls zu finden. "Wir appellieren daher nachdrücklich an
die österreichische Präsidentschaft, die entscheidenden Weichen für
die Umsetzung der Alpenkonvention zu stellen und von den säumigen
Vertragsparteien - einschließlich der EU selbst - die Ratifikation
aller Durchführungsprotokolle der Alpenkonvention zu verlangen", so
Haßlacher.
Schwerpunkt zum Schutz der europäischen Berggebiete starten
"Wir fordern darüber hinaus eine Initiative für den Schutz und
eine nachhaltige Entwicklung der europäischen Berggebiete und eine
entsprechende Finanzierung von Umsetzungsmaßnahmen, beispielsweise
aus Mitteln der Ländlichen Entwicklung", so Heilingbrunner. Denn
Berggebiete stellen mehr als 30% der gesamten Fläche der EU dar. Sie
sind als Lebensraum und aufgrund ihrer Artenvielfalt bedeutend,
bieten Erholungsraum und Ruhezone, vermitteln kulturelle Vielfalt und
Identität und beherbergen landwirtschaftliche Ressourcen. Mit der
Alpen- oder der Karpatenkonvention gibt es zwar auf einzelne
Gebirgsregionen abgestimmte Schutz- und Entwicklungskonzepte, jedoch
keine kohärente Politik für alle Berggebiete der EU. "2006 hat die
Alpenrepublik - allen voran BM Pröll - eine einmalige Gelegenheit,
dafür Verbündete zu gewinnen und zum Vorreiter zu werden - wir
hoffen, der österreichische Vorsitz wird diese Chance nutzen!" so
Haßlacher und Heilingbrunner abschließend.
Rückfragehinweis:
Dr. Gerhard Heilingbrunner Präsident Umweltdachverband (UWD) Tel. 0664/381 84 62, Oesterreichischer Alpenverein (OeAV) Mag. Peter Haßlacher Mobil: 0676/84 44 53327. Öffentlichkeitsarbeit UWD Dr. Sylvia Steinbauer Tel.: 01/40 113-21 E-Mail: [email protected], http://www.umweltdachverband.at
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