• 06.12.2005, 10:17:00
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Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP): "Das Haben wird zum Ersatz für das Sein" - Kaufsucht - gerade zu Weihnachten ein Problem?

Wien (OTS) - Einkaufen dient schon seit langem nicht mehr nur
dazu, unsere Grundbedürfnisse zu stillen - Shoppingzentren gehören
schon zu gewohnten Aufenthalts- und Erlebnisräumen gerade von jungen
Menschen. Konsum ist ja prinzipiell ein gesellschaftlich erwünschtes
Verhalten - die Werbung erzeugt beständig "Bedürfnisse" und
Statussymbole, die man haben muss, um dazuzugehören. Als Sucht, im
Sinne eines unwiderstehlichen Drangs zu kaufen, wird das Kaufen erst
spät erkannt.

"Auf die anfängliche Euphorie und Hochstimmung folgt aber bald der
Katzenjammer - ein schlechtes Gewissen und Schamgefühl. Die vielen
Einkäufe werden zumeist versteckt, denn Kaufsucht ist eine
unauffällige Sucht, die erst dann sichtbar wird, wenn der finanzielle
Rahmen endgültig gesprengt ist. Mit Kaufen werden sehr häufig
negative Gefühle kompensiert. Zur Sucht wird es dann, wenn dieser
Prozess fort-schreitet und es zu einer deutlichen Verengung auf das
Kaufen kommt, so dass an-dere soziale Aktivitäten immer mehr an den
Rand gedrängt werden", beschreibt Dr. Eva Mückstein,
Psychotherapeutin und Vizepräsidentin des ÖBVP, die Situation der
Menschen mit inadäquatem Kaufverhalten.

Aus der Studie der Arbeiterkammer "Kaufsucht in Österreich" (2004)
geht hervor, dass 5,6% der österreichischen Bevölkerung als stark
gefährdet zu bezeichnen sind, bei jungen Menschen steigt dieser
Prozentsatz sogar auf 19,2% an.

Ein schwaches Selbstwertgefühl und eine Störung der
Selbstregulationsfähigkeit sind zentrale Probleme kaufsüchtiger
Menschen. Einkaufen ist nicht nur gesell-schaftlich akzeptiert,
sondern sogar erwünscht und damit beginnt ein Teufelskreis, der nur
schwer zu durchbrechen ist. Der Psychotherapeut Erich Fromm hat
bereits 1975 auf die zunehmende Orientierung unserer Gesellschaft am
Haben aufmerksam gemacht - eine Entwicklung, die sich seither noch
verstärkt hat. "Die Suche nach Werten und Sinn im Leben ist ein sehr
häufiges, obwohl nur selten direkt angespro-chenes, Thema in der
Psychotherapie", erzählt Mückstein aus ihrer Praxis.

Wie bei allen Suchterkrankungen ist das Eingeständnis, dass man an
einer Sucht leidet, der erste Schritt in Richtung Veränderung.
Zunächst gibt es eine Reihe von "Erste Hilfe-Strategien" - dazu
gehören Dinge wie: alle Kreditkarten zurückgeben, immer mit Bargeld
zahlen und die "gehorteten" Dinge sichtbar machen - längerfristi-ge
Wirkung wird aber nur eine Psychotherapie haben. "Und da gerade junge

Menschen von dieser immateriellen Sucht betroffen sind, steigt
zwar die Verschul-dung ständig, aber die Jugendlichen und jungen
Erwachsenen können sich den Weg aus diesem Teufelskreis nur selten
leisten. Die Kosten einer Psychotherapie übersteigen meistens ihre
Möglichkeiten, die Psychotherapie als Sachleistung der Krankenkassen
jedoch ist noch bei weitem nicht bedarfsgerecht", betont Frau
Mückstein.

Rückfragehinweis:
Dr. Eva Mückstein
Vizepräsidentin des ÖBVP
Tel.: 01/513 17 304
E-Mail: [email protected]

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