Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP): "Das Haben wird zum Ersatz für das Sein" - Kaufsucht - gerade zu Weihnachten ein Problem?

Wien (OTS) - Einkaufen dient schon seit langem nicht mehr nur
dazu, unsere Grundbedürfnisse zu stillen - Shoppingzentren gehören schon zu gewohnten Aufenthalts- und Erlebnisräumen gerade von jungen Menschen. Konsum ist ja prinzipiell ein gesellschaftlich erwünschtes Verhalten - die Werbung erzeugt beständig "Bedürfnisse" und Statussymbole, die man haben muss, um dazuzugehören. Als Sucht, im Sinne eines unwiderstehlichen Drangs zu kaufen, wird das Kaufen erst spät erkannt.

"Auf die anfängliche Euphorie und Hochstimmung folgt aber bald der Katzenjammer - ein schlechtes Gewissen und Schamgefühl. Die vielen Einkäufe werden zumeist versteckt, denn Kaufsucht ist eine unauffällige Sucht, die erst dann sichtbar wird, wenn der finanzielle Rahmen endgültig gesprengt ist. Mit Kaufen werden sehr häufig negative Gefühle kompensiert. Zur Sucht wird es dann, wenn dieser Prozess fort-schreitet und es zu einer deutlichen Verengung auf das Kaufen kommt, so dass an-dere soziale Aktivitäten immer mehr an den Rand gedrängt werden", beschreibt Dr. Eva Mückstein, Psychotherapeutin und Vizepräsidentin des ÖBVP, die Situation der Menschen mit inadäquatem Kaufverhalten.

Aus der Studie der Arbeiterkammer "Kaufsucht in Österreich" (2004) geht hervor, dass 5,6% der österreichischen Bevölkerung als stark gefährdet zu bezeichnen sind, bei jungen Menschen steigt dieser Prozentsatz sogar auf 19,2% an.

Ein schwaches Selbstwertgefühl und eine Störung der Selbstregulationsfähigkeit sind zentrale Probleme kaufsüchtiger Menschen. Einkaufen ist nicht nur gesell-schaftlich akzeptiert, sondern sogar erwünscht und damit beginnt ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist. Der Psychotherapeut Erich Fromm hat bereits 1975 auf die zunehmende Orientierung unserer Gesellschaft am Haben aufmerksam gemacht - eine Entwicklung, die sich seither noch verstärkt hat. "Die Suche nach Werten und Sinn im Leben ist ein sehr häufiges, obwohl nur selten direkt angespro-chenes, Thema in der Psychotherapie", erzählt Mückstein aus ihrer Praxis.

Wie bei allen Suchterkrankungen ist das Eingeständnis, dass man an einer Sucht leidet, der erste Schritt in Richtung Veränderung. Zunächst gibt es eine Reihe von "Erste Hilfe-Strategien" - dazu gehören Dinge wie: alle Kreditkarten zurückgeben, immer mit Bargeld zahlen und die "gehorteten" Dinge sichtbar machen - längerfristi-ge Wirkung wird aber nur eine Psychotherapie haben. "Und da gerade junge

Menschen von dieser immateriellen Sucht betroffen sind, steigt zwar die Verschul-dung ständig, aber die Jugendlichen und jungen Erwachsenen können sich den Weg aus diesem Teufelskreis nur selten leisten. Die Kosten einer Psychotherapie übersteigen meistens ihre Möglichkeiten, die Psychotherapie als Sachleistung der Krankenkassen jedoch ist noch bei weitem nicht bedarfsgerecht", betont Frau Mückstein.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Eva Mückstein
Vizepräsidentin des ÖBVP
Tel.: 01/513 17 304
E-Mail: oebvp@psychotherapie.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OBP0001