- 30.11.2005, 09:31:29
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ZUK-Diskussion zum "Mythos Arbeit" - Knoll: "Entzauberung des Neoliberalismus"
Wien (SK) - Aufgrund der "hervorragenden SPÖ-Politik in den 70er
und 80er-Jahren" sei es damals vielen Angehörigen der ehemaligen
Arbeiterklasse möglich geworden, in qualifizierte Arbeitsfelder zu
kommen und sich im Mittelstand zu etablieren, so Gertraud Knoll,
Leiterin der SPÖ-Zukunfts- und Kulturwerkstätte, am Dienstagabend im
Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema "Mythen der Arbeit"
anlässlich der Vorführung des Films "Workingman's Death". Viele der
"neoliberalen Mythen" seien bereits "entzaubert" - etwa jener von der
"Mangelware Arbeit", der dazu geführt habe, dass "die Menschen um
Arbeit bettelten und sich ausgemustert und entsorgt fühlten". Es
gelte, die "erworbenen Rechte der Arbeiterbewegung ins 21.
Jahrhundert zu bringen", plädierte Knoll für eine Politik, die "über
den eigenen Tellerrand hinausschaut". ****
Es sei die falsche Botschaft, jungen Menschen zu sagen: "Wir
brauchen euch nicht", so Knoll mit Blick auf die hohe
Jugendarbeitslosigkeit. "Ohne starke Gewerkschaften machen Konzerne,
was sie wollen", unterstrich Manfred Anderle, Leitender Sekretär der
Gewerkschaft Metall-Textil, der kritisierte, dass "neokonservative
Regierungen" an einer Hebung der Lohnstandards kein Interesse hätten.
Unter der Moderation von Günter Kaindlstorfer diskutierten weiters
Alexander Norman (Personalentwicklung, Mitglied des
Föhrenbergkreises) und Michael Glawogger, Regisseur des Films
"Workingman's Death".
Zwar sei der "klassische Arbeiter" zunehmend aus dem öffentlichen
Bewusstsein verschwunden, nichtsdestotrotz gebe es aber noch genügend
manuell hart Arbeitende, so Knoll, die hier auch daran erinnerte,
dass "vor allem Menschen mit Migrationshintergrund heute die
Schwerarbeit leisten". Die "bewusste Inkaufnahme von Armut" sei
"unmoralisch", machte Knoll klar und übte heftige Kritik am
Neoliberalismus, der mit sich bringe, dass "das Kapital dorthin
wandert, wo schon viel Geld ist und dabei eine Spur der Verwüstung
hinterlässt". Das Ziel verantwortungsvoller Politik müsse die
Vermehrung des Wohlstands für jeden sein, so Knoll mit Verweis
darauf, dass man mit erwirtschaftetem Geld so umgehen müsse, dass ein
"menschenwürdiges Leben" für alle möglich ist. Gerade an die
Jugendlichen müsse man die Botschaft richten: "Wir brauchen jeden
einzelnen von euch", kritisierte Knoll den Umstand, dass konservative
Regierungen den Jugendlichen keine Perspektiven bieten.
Michael Glawoggers Film "Workingman's Death" sei ein
"unbeschreiblich sinnlicher Film", dessen "große Leistung" darin
bestehe, die "politische Inszenierung vom Helden der Arbeit zu
entzaubern", stellte die Leiterin der SPÖ-Zukunfts- und
Kulturwerkstätte klar. Glawoggers Film zeige "mit viel Liebe zum
Detail", wie die Menschen "ums Überleben ringen", ohne dabei ihre
Würde und ihren Stolz zu verlieren.
Es gelte, weltweit eine "starke Gewerkschaftsbewegung" zu
etablieren, nur so sei gewährleistet, dass den Konzernen gewisse
Grenzen gesetzt werden, betonte Manfred Anderle, Leitender Sekretär
der GMT. Die Arbeit, auch die Schwerarbeit, werde heute aus
"ökonomischen Gründen verlagert" - vor allem in Länder mit niedrigen
Lohn- und Umwelt-Standards. Man müsse aber in jenen Ländern, in die
ausgelagert wird, auch zu "ordentlichen Löhnen" kommen und nicht von
"Weichlohnländern" reden, forderte Anderle abschließend. (Schluss) mb
Rückfragehinweis:
Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
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