E-Card-Pannen-Serie offensichtlich mit Supergage belohnt

Massive Kritik seitens der Ärztekammer - Beschwichtigungsversuche des Hauptverbands angesichts der Wiener Kassenverhandlungen "besonders pikant"

Wien (OTS) - In Wien ist die Empörung über die jüngst bekannt gewordenen Supergagen des "Mister E-Card" Volker Schörghofer besonders groß. "Uns erreichen bereits erboste Anrufe von Wiener Kolleginnen und Kollegen, die wütend darüber sind, dass in den derzeit anstehenden Honorarverhandlungen die Wiener Gebietskrankenkasse mit Hinweis auf knappe finanzielle Ressourcen nicht bereit ist, neue medizinische Leistungen zu finanzieren, und auf der anderen Seite sich die Spitzen der sozialen Krankenversicherung Millionenverträge finanzieren lassen", sagt der Wiener Ärztekammerpräsident Walter Dorner.****

Bereits im August hat der Rechnungshof massive Kritik am Projekt E-Card geübt und insbesondere die hohen Projektnebenkosten und Personalkosten bei der Chipkartenbetriebs- und Errichtungsgesellschaft kritisiert. Dass nun der für das E-Card-Projekt verantwortliche Volker Schörghofer als "Gagenritter" geoutet wurde, sei nur die logische Folge all der Pannen und Probleme rund um das Projekt. Dorner: "Da passt auch ganz gut hinein, dass just zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens des Spitzengehalts von Schörghofer ein neuerlicher Systemabsturz der E-Card passiert ist."

Besonders beschämend für den Ärztechef sind die Beschwichtigungsversuche der politisch Verantwortlichen. Auch wenn Hauptverbandspräsident Erich Laminger nun als Entschuldigung anführe, dass die Verträge Schörghofers "ordnungsgemäß zu Stande gekommen sind", prolongiere dies eigentlich nur den Gagenskandal mit üblem Nachgeschmack. "Für mich ist völlig unverständlich, dass die Gehälter offensichtlich keine Unachtsamkeit waren, sondern ganz bewusst von der Hauptverbandsspitze abgesegnet wurden", betont der Ärztechef.

Jahrein, jahraus erkläre die soziale Krankenversicherung in Österreich die "schwierige finanzielle Situation". Nun stelle sich ein weiteres Mal heraus, mit welchen Pfründen die Spitzen im Hauptverband bedacht werden. In diesem Zusammenhang stellt Dorner auch die Forderung, die Dienstverträge anderer leitender Angestellter wie Beate Hartinger oder Josef Kandlhofer offen zu legen. Dorner:
"Die Öffentlichkeit wird es sicherlich interessieren, ob hier möglicherweise ähnlich 'leistungsdotierte Verträge' existieren."

Ausschreibungschaos, fehlendes Controlling, katastrophaler Roll-out in den Ordinationen, mangelhafte E-Cards, Systemabstürze:
"Offensichtlich stört das im Hauptverband niemanden, und dafür wird man dann auch noch belohnt." Die Bevölkerung und auch die Ärzteschaft habe jedenfalls kein Verständnis dafür, dass der Bevölkerung immer mehr Leistungen im Rahmen der sozialen Krankenversicherung vorenthalten würden und das dabei frei werdende Geld direkt auf die Gehaltskonten von Spitzenangestellten fließe, so Dorner, der auch darauf verweist, dass "wieder einmal alle Kontrollmechanismen seitens des Gesundheits- und Sozialministeriums komplett versagt haben".(hpp)

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