Eklat um Salzburger Oberarzt: Für österreichische Spitalsärzte "menschenverachtend"

Bundeskurienobmann Mayer: "Fordern Entschuldigung und Rücktritt des Geschäftsführers" - Präsident Bayer: "Oberarzt sagt nur, was alle denken"

Wien (OTS) - Als "absolut inakzeptabel, zynisch und menschenverachtend" hat der Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Harald Mayer, heute die gestrige kurzfristige Entlassung und unter Schweigeauflage erfolgte Wiedereinstellung eines Oberarztes in den Salzburger Landeskliniken kritisiert.

"Die Entlassung nun durch eine 'letzte strenge Ermahnung' abzuschwächen und den Arzt gleichzeitig unter eine Art Schweigekuratel zu stellen, erinnert mich an Maßnahmen aus einem Überwachungsstaat, in dem nur noch die Geheimpolizei fehlt", kritisierte Mayer. "Was hier passiert ist Einschüchtern, Drohen, Niederhalten und die Vergiftung des Betriebsklimas. So kann man mit medizinischen Spitzenkräften nicht umgehen. Ich fordere eine umgehende Entschuldigung des zuständigen Geschäftsführers Max Laimböck und dessen Rücktritt."

Statt kritische Angestellte zu maßregeln und mit Entlassung zu bedrohen, sollten sich die österreichischen Spitalsträger lieber um adäquate Arbeitsbedingungen für Spitalsärzte kümmern, empfahl Mayer. "Das bedeutet die Einhaltung des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes, moderne arbeitnehmerfreundliche Arbeitsplätze und ein kollegiales, konstruktives Betriebsklima", führte der Bundeskurienobmann aus. Im Übrigen sei "Salzburg nur die Spitze des Eisbergs." Mayer: "Überall brodelt es in der Spitalsärzteschaft wegen der schlechten Arbeitsbedingungen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser schlummernde Vulkan ausbricht."

Der Oberarzt habe keineswegs unternehmensschädigend gehandelt, sondern in internem Kreis nichts anderes getan, als eine Meinung zu äußern, die die derzeit vorherrschende, generelle Meinung der österreichischen Spitalsärztinnen und -ärzte widerspiegele, berichtete dazu auch der Präsident der Ärztekammer für Steiermark und Vize-Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Dietmar Bayer. Bayer: "Der Salzburger Kollege hat ausgesprochen, was derzeit die Spitalsärzte denken: dass sie ausgebeutet werden, dass die Arbeitsbedingungen unmöglich sind und dass die Bezahlung der gebrachten Leistung und Verantwortung vollkommen inadäquat ist. Dass er auch sagt, was er denkt, dafür ist ihm hoher Respekt zu zollen."

Bayer erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass bereits 1100 Ärztinnen und Ärzte aus Österreich nach Deutschland und England ausgewandert seien, weil man ihnen in den dortigen Spitälern bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung anbiete. Die Geschäftsführungen der österreichischen Spitäler seien daher gut beraten, ihr ärztliches Personal durch angemessene Arbeitsbedingungen zu pflegen. "Denn das Spital funktioniert letztlich nur durch unserer Hände Arbeit", so Bayer.

Der Oberarzt, ein Orthopäde, war gestern kurzfristig entlassen worden, weil er in einem internen Mail seine Spitalskollegen im Rahmen des aktuellen Gehaltskonflikts an den Salzburger Landeskliniken empfohlen hatte, den von der Landesregierung vorgelegten Kompromiss nicht anzunehmen und in der Sache hart zu bleiben. Die Geschäftsführung hatte ihn daraufhin mündlich entlassen und auch den Betriebsrat informiert, später aber die Entlassung in eine "letzte strenge Ermahnung" umgewandelt.

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