• 25.10.2005, 10:39:30
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Eklat um Salzburger Oberarzt: Für österreichische Spitalsärzte "menschenverachtend"

Bundeskurienobmann Mayer: "Fordern Entschuldigung und Rücktritt des Geschäftsführers" - Präsident Bayer: "Oberarzt sagt nur, was alle denken"

Wien (OTS) - Als "absolut inakzeptabel, zynisch und
menschenverachtend" hat der Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte
in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Harald Mayer, heute
die gestrige kurzfristige Entlassung und unter Schweigeauflage
erfolgte Wiedereinstellung eines Oberarztes in den Salzburger
Landeskliniken kritisiert.

"Die Entlassung nun durch eine 'letzte strenge Ermahnung'
abzuschwächen und den Arzt gleichzeitig unter eine Art
Schweigekuratel zu stellen, erinnert mich an Maßnahmen aus einem
Überwachungsstaat, in dem nur noch die Geheimpolizei fehlt",
kritisierte Mayer. "Was hier passiert ist Einschüchtern, Drohen,
Niederhalten und die Vergiftung des Betriebsklimas. So kann man mit
medizinischen Spitzenkräften nicht umgehen. Ich fordere eine
umgehende Entschuldigung des zuständigen Geschäftsführers Max
Laimböck und dessen Rücktritt."

Statt kritische Angestellte zu maßregeln und mit Entlassung zu
bedrohen, sollten sich die österreichischen Spitalsträger lieber um
adäquate Arbeitsbedingungen für Spitalsärzte kümmern, empfahl Mayer.
"Das bedeutet die Einhaltung des
Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes, moderne arbeitnehmerfreundliche
Arbeitsplätze und ein kollegiales, konstruktives Betriebsklima",
führte der Bundeskurienobmann aus. Im Übrigen sei "Salzburg nur die
Spitze des Eisbergs." Mayer: "Überall brodelt es in der
Spitalsärzteschaft wegen der schlechten Arbeitsbedingungen. Es ist
nur eine Frage der Zeit, bis dieser schlummernde Vulkan ausbricht."

Der Oberarzt habe keineswegs unternehmensschädigend gehandelt,
sondern in internem Kreis nichts anderes getan, als eine Meinung zu
äußern, die die derzeit vorherrschende, generelle Meinung der
österreichischen Spitalsärztinnen und -ärzte widerspiegele,
berichtete dazu auch der Präsident der Ärztekammer für Steiermark und
Vize-Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Dietmar Bayer.
Bayer: "Der Salzburger Kollege hat ausgesprochen, was derzeit die
Spitalsärzte denken: dass sie ausgebeutet werden, dass die
Arbeitsbedingungen unmöglich sind und dass die Bezahlung der
gebrachten Leistung und Verantwortung vollkommen inadäquat ist. Dass
er auch sagt, was er denkt, dafür ist ihm hoher Respekt zu zollen."

Bayer erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass bereits 1100
Ärztinnen und Ärzte aus Österreich nach Deutschland und England
ausgewandert seien, weil man ihnen in den dortigen Spitälern bessere
Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung anbiete. Die
Geschäftsführungen der österreichischen Spitäler seien daher gut
beraten, ihr ärztliches Personal durch angemessene Arbeitsbedingungen
zu pflegen. "Denn das Spital funktioniert letztlich nur durch unserer
Hände Arbeit", so Bayer.

Der Oberarzt, ein Orthopäde, war gestern kurzfristig entlassen
worden, weil er in einem internen Mail seine Spitalskollegen im
Rahmen des aktuellen Gehaltskonflikts an den Salzburger
Landeskliniken empfohlen hatte, den von der Landesregierung
vorgelegten Kompromiss nicht anzunehmen und in der Sache hart zu
bleiben. Die Geschäftsführung hatte ihn daraufhin mündlich entlassen
und auch den Betriebsrat informiert, später aber die Entlassung in
eine "letzte strenge Ermahnung" umgewandelt.

Rückfragehinweis:
Pressestelle der
Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 513 18 33

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