- 13.10.2005, 13:55:30
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Experten: Steirische Landesregierung soll Energiesystem umbauen
Kopetz: Explodierenden Energiekosten und Klimawandel entgegenwirken
Graz (AIZ) - Die neue steirische Landesregierung müsse so bald wie
möglich den Umbau des Energiesystems in Richtung Nachhaltigkeit und
Kyoto-Konformität in Angriff nehmen, dies forderte heute die
"Plattform Klimaschutz Steiermark" in Graz. Damit solle einerseits
den explodierenden Energiekosten und gleichzeitig dem steigenden
Ausstoß von Treibhausgasen entgegengewirkt werden, betonte der
Sprecher der Plattform, Heinz Kopetz, er ist Vorsitzender des
Österreichischen Biomasseverbandes. Durch den Umbau des
Energiesystems könnten bis zu 3.000 zusätzliche Dauer-Arbeitsplätze
geschaffen werden.
Preise für fossile Energie extrem gestiegen
"Die Rohölpreise sind von Jänner 2004 bis September 2005 um 100%
von USD 30,- auf 60,- gestiegen. Auch die Gaspreise haben sich im
gleichen Zeitraum um mehr als 40% verteuert. Diese Preisexplosion der
fossilen Energie verteuert Wärme, Strom sowie Treibstoffe und
belastet die Haushaltsbudgets der Familien massiv: Ein
österreichischer Haushalt muss heuer mindestens EUR 730,- mehr für
Energie bezahlen als vor einem Jahr", gab Kopetz zu bedenken. Die
Energiekosten würden weiter steigen, weil die weltweite Nachfrage die
Preise hinauf treibe und in einigen Jahren Rohölpreise von USD 80,-
bis 120,- je Barrel zu erwarten seien. Die hohen Rohölpreise würden
auch die Gaspreise mit nach oben ziehen.
Erneuerbare Energien dürfen nicht ins Hintertreffen kommen
Auch eine WIFO-Studie bestätige, dass die Energiepolitik auf dem
falschen Weg ist, unterstrich Kopetz. Demnach stagnierte der Anteil
erneuerbarer Energieträger in den letzten 13 Jahren bei rund 21%. Das
WIFO erwarte bis 2025 nur einen geringfügigen Anstieg auf 23,5%, wenn
die bisherige Energiepolitik fortgesetzt werde. Der Energieverbrauch
sei im selben Zeitraum um 34% gestiegen, bis zum Jahr 2025 sei laut
WIFO ein Anstieg um weitere 21% zu erwarten. "Um den explodierenden
Energiekosten entgegenzuwirken und den Klimawandel zu bremsen, muss
die Landespolitik jetzt rasch klare Weichen für einen grundlegenden
Umbau des fossilen Energiesystems auf erneuerbare Energien stellen",
forderte Kopetz.
Bis 2025 mindestens 50% des Energiebedarfs aus erneuerbarer Energie
"Um eine sichere, preisstabile und Kyoto-konforme
Energieversorgung sicherzustellen, muss die Steiermark bis 2025
mindestens 50% des Energiebedarfs aus erneuerbarer Energie decken.
Dies erfordert einen raschen Ausbau von Wasserkraft, Wind, Biomasse,
Solarenergie und Geothermie sowie eine Senkung des Energieverbrauchs
um 20%, nannte Kopetz die erste Forderung der Plattform.
Weiters sollten bis zum Jahr 2010 rund 60.000 Öl- und Gasheizungen
durch moderne Holzheizungen und Solaranlagen ersetzt und weitere
300.000 Quadratmeter Solaranlagen für die Warmwasser- und
Wärmeerzeugung installiert werden", verlangte Ewald Selvicka,
Geschäftsführer des Instituts für Nachhaltige Technologie.
40%ige Investitionsförderung für Umstieg
Die Plattform Klimaschutz Steiermark hält darüber hinaus eine
40%ige Investitionsförderung für den Umstieg von fossilen
Energieträgern auf moderne Holzheizungen und Solarenergie für
notwendig, um den steirischen Haushalten rasch kostengünstiges Heizen
zu ermöglichen. "Die erforderlichen EUR 30 Mio. pro Jahr sollen über
ein Klimaschutzgesetz oder alternativ aus dem Landesbudget
aufgebracht werden", sagte Erwin Stubenschrott von der Firma KWB, die
internationaler Technologieführer bei modernen Holzheizungen ist.
"Nur wenn wirksame Maßnahmen zur Reduktion des Öl- und
Gasverbrauchs ergriffen werden, kann der Kyoto-Vertrag erfüllt
werden", erläuterte Kopetz und forderte den Beschluss eines
Steiermärkischen Klimaschutzgesetzes. Damit solle ein Anreizsystem
zur forcierten Umstellung der privaten Wärmeversorgung auf Biomasse
und Solarenergie sowie zum sparsamen und effizienten Energieeinsatz
geschaffen werden. Außerdem seien der Ausbau der Windenergie sowie
die Verwendung von Pflanzenöl und Biogas als Treibstoff zu forcieren,
betonte Karl Totter, geschäftsführender Obmann der Biodieselanlage
Mureck.
3.000 zusätzliche Dauer-Arbeitsplätze
"Die Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien schafft 15 Mal mehr
Arbeitsplätze als mit Fossil-Energie. So werden in einer Gemeinde mit
10.000 Einwohnern bei fossiler Energieversorgung neun Arbeitsplätze
gesichert, bei einer Beheizung mit erneuerbarer Energie jedoch 135.
Die Umstellung von 60.000 Öl- und Gasheizungen bis 2010 schafft 3.000
Dauerarbeitsplätze", hielt Kopetz fest.
Die Forcierung erneuerbarer Energie bedeutet auch eine Stärkung
des Wirtschaftsstandortes Steiermark. Innovative Industrie- und
Gewerbebetriebe im Biomasse- und Solarbereich könnten bei einem
boomenden Heimmarkt ihr Wachstum beschleunigen und auch Exporterfolge
umsetzen. "Die Umstellung von 60.000 fossilen Heizanlagen auf moderne
Holzheizungen reduziert die CO2-Emissionen um rund 426.000 t pro
Jahr. Wenn diese Reduktion nicht erreicht wird, muss die Steiermark
ab dem Jahr 2012 CO2-Emissionszertifikate im Wert von etwa EUR 10,7
Mio. jährlich zukaufen, um die Vorgaben des Kyoto-Vertrages
einzuhalten", warnte Kopetz. Eine rasche, tiefgreifende Änderung des
Energiesystems sei daher unabdingbar. (Schluss)
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