• 10.10.2005, 10:15:00
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SICHERHEITSVERGLEICH ÖSTERREICHISCHER TUNNELS

Aktuelle KfV-Studie zeigt: Zu geringer Sicherheitsabstand und zu hohe Geschwindigkeit sind Hauptunfallursachen in Autobahn- und Schnellstraßentunnels

Wien (OTS) - Unglücke wie jenes am 29. Mai 1999 im Tauerntunnel
haben sich in den letzten Jahren Gott sei Dank nicht wiederholt. Man
hat die Lehren aus dem Horror-Unfall gezogen und die Sicherheit von
Straßentunnels kontinuierlich verbessert. Die Diskussion unter
Fachleuten und in den Medien ist aber nach wie vor im Gange, denn es
gibt keinen Grund, sich auf Errungenschaften auszuruhen.
Durchschnittlich 88 Unfälle gibt es pro Jahr in Tunnels, die sich im
Verlauf von Autobahnen und Schnellstraßen befinden. Auf dieser
Straßenart bedeutet das einen Unfallanteil von 3,2 Prozent. Deshalb
hat das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) - im Auftrag des
BMVIT - auch heuer einen Sicherheitsvergleich angestellt. Untersucht
wurden dabei das Unfallaufkommen und die Unfallursachen in 130
österreichischen Tunnels (ab einer Länge von 200 Metern) mit und ohne
Gegenverkehr im Verlauf von Autobahnen und Schnellstraßen. Neben der
Gegenüberstellung zu anderen Straßenarten wurden auch Empfehlungen
für eine weitere Steigerung der Tunnelsicherheit ausgearbeitet.

Tunnel: Wenige Unfälle, aber hohe Verletzungsschwere

Die europäische Studie SARTRE (Social Attitudes to Road Traffic Risk
in Europe) hat ergeben, dass sich 25 Prozent der österreichischen
Autofahrer davor fürchten, durch einen Tunnel zu fahren. "Tatsächlich
ist die Wahrscheinlichkeit, im Tunnel zu verunglücken, wesentlich
geringer als auf Autobahnen, Schnell- und Landesstraßen im Freiland",
merkt Studienautor DI Klaus Robatsch an. Auf Landesstraßen im
Freiland ereignen sich bei gleicher Fahrleistung etwa vier Mal mehr
Unfälle. "Wenn in einem Tunnel ein Unfall passiert, fällt er
allerdings wesentlich schwerer aus", weiß Robatsch. "Das Risiko, bei
einem Tunnelunfall getötet zu werden, ist etwa doppelt so hoch wie
auf Autobahnen." Dadurch schnellt auch die Unfallkostenrate in die
Höhe: Während sie auf Autobahnen zehn Euro pro 1.000
Fahrzeugkilometern beträgt, liegt sie im Tunnel bei 15,2 Euro.

Mehr Verkehrssicherheit in Tunnels mit Richtungsverkehr

Gegenverkehr-Tunnels sind meistens vier bis fünf Mal so lang wie
Röhren, durch die nur Richtungsverkehr fließt. Deshalb wurden für den
Vergleich dieser zwei Arten ausschließlich Tunnels mit mehr als einem
Kilometer Länge herangezogen. An den Unfällen pro 1.000
Fahrzeugkilometer gemessen liegen Gegen- und Richtungsverkehrstunnel
etwa gleich auf. Ganz anders sieht es aber bei Verletzungsschwere und
Unfallkosten aus. "Dass Tunnels, die nur in eine Richtung verlaufen,
eindeutig verkehrssicherer sind, wird vor allem an der Zahl der
Getöteten deutlich", erläutert Robatsch. "Mit rund 17 Toten pro einer
Milliarde Fahrzeugkilometer ist die Getötetenrate in Tunnels mit
Gegenverkehr mehr als doppelt so hoch wie in Richtungsverkehrtunnels.
Dort liegt die Rate bei etwa acht Toten pro Milliarde gefahrener
Kilometer."

Am gefährlichsten: Das Tunnelportal

Das Portal ist die heikelste Stelle eines Tunnels. Sowohl bei Gegen-
als auch Richtungsverkehrstunnels ist die Unfallrate hier am höchsten
und bei beiden Arten fällt auch der hohe Anteil der Alleinunfälle im
Portalbereich auf. Zu 86 Prozent werden diese Unfälle von Pkw-Lenkern
verursacht. "Meistens ist dabei überhöhte Geschwindigkeit im Spiel",
erklärt Robatsch. Kritisch ist vor allem bei Tunnels mit Gegenverkehr
auch der so genannte "Vor- und Nachlauf" - damit ist der etwa 250
Meter lange Bereich vor dem Portal und nach der Tunnelausfahrt
gemeint. Im Vorlauf wird der Richtungsverkehr in den Gegenverkehr
übergeleitet. Die damit zusammenhängende Geschwindigkeitsreduktion
scheinen viele Autofahrer nicht im Griff zu haben, da 54 Prozent der
Unfälle, die an dieser Stelle passieren, Auffahrunfälle sind.

Auf geringe Abstände, Rückstaus und Missachtung der Tunnelampel ist
es zurückzuführen, dass der Anteil der Auffahrunfälle in der Einfahrt
- also 50 bis 150 Meter nach dem Portal - bei Gegenverkehrtunnels auf
60 Prozent steigt. Begegnungsunfälle ereignen sich in Tunnels mit
Gegenverkehr hauptsächlich in der Tunnelmitte, trotzdem ist aber auch
an dieser Stelle jeder zweite Unfall ein Auffahrunfall. Bei der Frage
nach der Vollschuld an Auffahrunfällen zeigt sich, dass jeder fünfte
Unfall von einem Lkw verursacht wurde, an Begegnungsunfällen sind Lkw
- wahrscheinlich wegen ihres größeren Platzbedarfs - sogar zu etwa
einem Drittel schuld.

Auch in Richtungsverkehrtunnels kommen Auffahrunfälle aufgrund zu
geringer Sicherheitsabstände am häufigsten vor, wobei besonders im
Einfahrtsbereich und der Tunnelmitte der höchste Anteil verzeichnet
wird.

Hauptunfallursache mangelnde Wachsamkeit

Sucht man nach der Ursache von Allein- und Auffahrunfällen, so zeigt
sich, dass bei beiden Unfallarten mangelnde Wachsamkeit in etwa zwei
Drittel der Fälle der Auslöser war - wobei Tunnels mit Gegenverkehr
besonders hervorstechen. Vor allem in der Tunnelmitte scheint die
Konzentration stark nachzulassen. Fehlverhalten des Lenkers in Form
von zu geringem Sicherheitsabstand, Überholen oder Spurhaltung ist
die zweithäufigste Unfallursache und häuft sich vor allem im Vor- und
Nachlauf sowie in der Tunnelmitte. "Vor allem in Gegenverkehrtunnels
ist Fehlverhalten ein besonders gravierendes Problem, da hier
zusätzlich die Gefahr von Frontalkollisionen gegeben ist", merkt
Robatsch an.

In Tunnels mit Richtungsverkehr liegen mangelnde Wachsamkeit und
Fehlverhalten des Lenkers mit etwa je einem Viertel als Ursachen
gleich auf, gefolgt von Fehleinschätzungen des Lenkers in punkto
Straßenführung, Witterung und anderen Fahrzeugen. Vor allem im
Portalbereich lösen außerdem zu hohe Geschwindigkeiten zahlreiche
Unfälle aus.

Sicherheitsrisiko Verkehrsmoral

"Die Analyse der Tunnelunfälle hat gezeigt, dass nicht der Tunnel an
sich, sondern die oft niedrige Verkehrsmoral das Hauptproblem ist",
zieht Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für
Verkehrssicherheit (KfV), den Schluss aus der Untersuchung. "Jeder
zweite Tunnelunfall ist auf zu geringen Sicherheitsabstand zurück zu
führen und viele Unfälle ließen sich vermeiden, indem man einfach vom
Gas geht." Da zu hohe Geschwindigkeiten vor allem im Vorlauf und
Portalbereich ein Problem sind, würden sich etwa 250 Meter vor dem
Tunnel Section Control Anlagen anbieten. Abstandsmessgeräte und
Radargeräte wären eine alternative Lösung. Um die Folgen von
Alleinunfällen im Portalbereich abzuschwächen, könnten Anpralldämpfer
zum Einsatz kommen. Speziell bei Gütertransporten sollten das
Geschwindigkeits- und Abstandsverhalten, Gewicht und Ladungssicherung
vor Tunnels stärker überprüft werden.
Weit schwieriger gestalten sich wahrscheinlich Maßnahmen gegen die
Hauptunfallursache "mangelnde Wachsamkeit". "Um hier gegen zu
steuern, müssten die Ruhezeiten von Lkw-Lenkern und die
Fahrtüchtigkeit von Pkw-Fahrern intensiver kontrolliert werden",
fordert Thann. "Parallel dazu müssen wir der Öffentlichkeit ins
Bewusstsein rufen, welche fatalen Folgen Übermüdung, Ablenkung oder
Alkoholisierung in einem Tunnel haben können." Dabei sollte auch
transportiert werden, wie man sich bei Unfällen, Pannen und Bränden
richtig verhält. Denn wie die Vergangenheit gezeigt hat, entscheidet
das richtige Verhalten in den meisten Fällen über Leben und Tod.

Rückfragehinweis:
Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Dolores Omann
Marketing & Kommunikation
Tel.: 01-717 70-225
E-Mail: [email protected]

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