• 28.09.2005, 16:00:20
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Europas Warenbörsen sorgen für Transparenz und Ordnung auf Agrarmarkt

45. Europäische Warenbörse von 20. bis 22.10.2005 in Wien

Wien (AIZ) - Warenbörsen, an denen Notierungen physischer
Handelsgeschäfte getätigt werden, Usancen für den Handel aufgestellt
und deren Durchsetzung mit Schiedsgerichten exekutiert wird,
gewinnen, so der Präsident der Börse für landwirtschaftliche Produkte
in Wien, Rudolf Kunisch, heute vor Journalisten, "immer mehr an
Bedeutung". Sie sind das Fundament funktionierender Agrarmärkte und
ein wesentliches Kriterium für das Marktgeschehen. "Bis vor zehn
Jahren, als Österreich der EU beitrat, waren in den Marktordnungen
alle Regeln, Preise und Spannen auf allen Vermarktungsstufen von
Getreide fixiert; seit 1995 ist der Markt angehalten,
selbstverantwortlich zu handeln", so Kunisch. Die 1869 gegründete
Wiener Warenbörse trägt heuer von 20. bis 22.10.2005 übrigens die 45.
Europäische Warenbörse in der Bundeshauptstadt aus. Zu dieser
jährlichen Generalversammlung und dem gesamteuropäischen Börsetag der
europäischen Organisation von 47 Warenbörsen aus zwölf Ländern werden
rund 2.000 Teilnehmer aus allen beteiligten Branchen, von der
landwirtschaftlichen Produktion über den Getreidehandel bis hin zu
Mühlen, Mälzereien, Backwarenerzeugung sowie Logistik erwartet.

Im Herbst 2006 wird Kunisch, derzeitiger Vizepräsident, das Amt
des Präsidenten der Europäischen Warenbörse von Baudouin Delforge,
Präsident der Bourse de commerce de Paris, für eine zweijährige
Periode übernehmen.

Kunisch ab 2006 Präsident Europäischer Warenbörse - Einheitskontrakte
vorantreiben

Kunisch setzt sich dabei zum Ziel, dem Handel mit
landwirtschaftlichen Produkten in Europa möglichst einheitliche und
verlässliche Rahmenbedingungen zu setzen, indem die Einführung
einheitlicher europäischer Getreidekontrakte als über die Grenzen
hinaus anerkannte und durchsetzbare Geschäftsgrundlagen
vorangetrieben werden soll. Ein einheitlicher
deutsch-österreichisch-italienischer Musterkontrakt für den
Getreidehandel ist nicht zuletzt auf Initiative der Wiener
Produktenbörse schon Realität. Weiters will Kunisch die Kontakte der
Branche zu den Europäischen Institutionen und Dienststellen vertiefen
und die geografische Lage Wiens als zentraleuropäische Drehscheibe
für Kontakte zu Warenbörsen im östlichen Mitteleuropa nutzen sowie
diesen Einrichtungen Hilfe und Know-how beim Aufbau ihrer Strukturen
zur Etablierung von Handelsusancen auf westlichem Standard anbieten.

Gesprächsplattform Börse soll Handschlagsqualität stärken

Der Organisator der 45. Europäischen Warenbörse in Wien und
frühere langjährige Wiener Börsepräsident, Kurt Engleitner, stellte
das umfangreiche dreitägige Kongressprogramm vor. Das Interesse an
der Pflege bestehender und dem Aufbau neuer Geschäftsbedingungen auf
der Plattform der Europäischen Warenbörse sei groß und der
Veranstaltungsort des Börsetages, das Austria Center Wien, praktisch
schon ausgebucht. Die Wiener Warenbörse leiste mit dieser
Gesprächsplattform einen Beitrag dazu, "die Ethik im Handel und die
Handschlagsqualität, die in den letzten Jahren zunehmend abzubröckeln
begann, wieder zu festigen".

Wiener Warenbörse will nicht ins Termingeschäft

An der Wiener Börse besteht einmal wöchentlich, am Mittwoch, dem
Sitzungstag der Notierungskommission, die Gelegenheit für das
persönliche Gespräch zwischen Marktbeteiligten aller involvierten
Branchen. Notiert werden an der Wiener Börse Agrarprodukte vom
Getreide bis zum Dünger auf Basis tatsächlich abgeschlossener
Geschäfte in der dem Börsetag vorangegangenen Woche. Mit der Basis
physischer Warenflüsse unterscheidet sich Wien als Warenbörse
deutlich von so genannten Terminbörsen, an denen lediglich mit
Kontrakten - Futures oder Optionen - gehandelt wird.

Kunisch sieht die Funktion der Warenbörse als
Dienstleistungsunternehmen außer Diskussion, an den Einstieg in
Termingeschäfte ist nicht gedacht. Dafür, so das
Börse-Präsidiumsmitglied Peter Gartner, sei auch der Markt in
Österreich zu klein. In Europa gebe es mit der MATIF in Paris
praktisch nur eine einzige funktionierende Terminbörse für
Commodities wie Getreide. Selbst in Ungarn, mit einem Getreidemarkt
zehnmal so groß wie Österreich, seien Notierungen an der Budapester
Terminbörse leicht durch einige wenige Geschäfte "künstlich zu
steuern" sagte Gartner, weil selbst hier das Handelsvolumen, die
Liquidität, nicht die nötige kritische Masse erreicht.

Schiedsgerichtsurteile unmittelbar exekutierbar

Als weitere Dienstleistungen der Wiener Warenbörse nannte Kunisch
die Festlegung von Usancen auf Beschluss aller in der Börse
vertretenen Branchen, Gutachten und Expertisen sowie das
Schiedsgericht zur Durchsetzung dieser Usancen in Streitfällen.
Sprüche dieses Schiedsgerichtes, das pro Jahr etwa zwanzigmal
angerufen wird, so auch in grenzüberschreitenden Handelsgeschäften
wie mit Italien, sind übrigens nicht zu beeinspruchen und können
unmittelbar exekutiert werden, wenn die Handelspartner dies zuvor in
ihrem Kontrakt anerkannt haben. Das Geschehen an der Börse als
autonome Institution unter der Staatsaufsicht von Landwirtschafts-
und Wirtschaftsministerium, die kommissarische Aufsichtsorgane
entsenden, lebt praktisch vom ehrenamtlichen Engagement der
Marktbeteiligten und wählt alle Organe aus diesem Kreis.

Schöggl: Getreidequalität 2005 schwächer - Gutes Brot und Gebäck aber
gesichert

Der Leiter des Börselabors, Gerhard Schöggl, präsentierte als eine
der Börse-Dienstleistungen eine qualitative Analyse der Getreideernte
2005. Tenor: Die Regenfälle zur Reifezeit im Juli haben zwar die
Qualität beeinträchtigt und schlechter als in den Vorjahren ausfallen
lassen, aber im Wissen dessen und unter Anwendung des entsprechenden
Know-hows bei der Verarbeitung in Mühlen und Bäckereien lasse sich
aus dem Weizen und Roggen gewohnt gutes Gebäck herstellen. Österreich
habe bei der Getreidequalität noch immer Vorteile gegenüber Ungarn
und andere seit der EU-Erweiterung auf angestammte Märkte der
österreichischen Anbieter drängende ost-mitteleuropäische Staaten.
Allerdings wird die Konkurrenz härter und, so Gartner, hätten
Mitbewerber mit einer größeren Struktur der landwirtschaftlichen
Betriebe es leichter, homogene Getreidequalität auf den Markt zu
bringen als Österreich mit einer Vielzahl von Kleinbetrieben und
Getreidesorten.

Der größere Anteil von Weizen unterhalb der Qualitätsschwelle für
die EU-Getreideintervention und die Einstufung als Mahlweizen in
Österreich von rund einem Drittel der Ernte 2005 mache sich auf dem
Markt durch Preisdruck auf die geringere Qualität und zuletzt
anziehenden Preise der höheren Qualitätsstufen bemerkbar.
(Schluss) pos

Rückfragehinweis:
AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38

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