- 28.09.2005, 09:00:00
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Wettbewerb und Wettbewerbspolitik auf dem österreichischen Strommarkt
Ein Überblick vier Jahre nach der Marktliberalisierung
Wien (WIFO) - Vor allem die Industrie, aber auch die privaten
Haushalte profitierten in Österreich zunächst von der Liberalisierung
der Strommärkte, die Preise sanken gegenüber einem Alternativszenario
ohne Liberalisierung. Der unterschiedliche Nutzen der beiden
Kundengruppen lässt auf eine unterschiedliche Wettbewerbsintensität
der Märkte schließen.
Ein "funktionsfähiger" Wettbewerb hat sich jedoch auf den
österreichischen Elektrizitätsmärkten trotz einer aktuellen
Wettbewerbsbelebung (Auseinanderbrechen des "Stromversorgerkartells"
aus EnergieAllianz und Verbundgesellschaft) noch nicht eingestellt.
Aufgrund von ungelösten heimischen Strukturproblemen (Vielzahl von
Netzbetreibern und Regelzonen, Doppelrolle der Gebietskörperschaften
als Legislativkörper und Eigentümer, hoher Anteil der Netzgebühren am
Endkundenpreis) beließ die Liberalisierung die eingesessenen
Stromversorger im Wesentlichen in ihrer Position als lokale
Monopolisten. Weiter erhöht wurde die Marktkonzentration durch
horizontale und vertikale Zusammenschlüsse von öffentlichen
Versorgungsunternehmen sowie durch die verzögerte Umsetzung der
rechtlichen Entflechtung von Netzinfrastruktur und Energievertrieb
("Entbündelung"). Die Realisierung der "Liberalisierungsdividende"
aus der Marktöffnung erscheint so ernsthaft gefährdet.
Aus Sicht der Wettbewerbspolitik ist die aktuelle Belebung des
Wettbewerbs auf den Endkundenmärkten für elektrische Energie zwar
uneingeschränkt zu begrüßen: Die einseitige Sistierung der
"österreichische Stromlösung" durch die Verbundgesellschaft bei
gleichzeitigem Wiedereinstieg in den Endkundenvertrieb für private
Haushalte und Industrie bedeutet einen wesentlichen Schritt in
Richtung eines funktionierenden Wettbewerbs. Es wird allerdings im
Interesse des Wirtschaftsstandortes Österreich genau zu beobachten
sein, ob die Erhöhung der Wettbewerbsintensität nachhaltig
sichergestellt ist.
Um einen funktionsfähigen Wettbewerb auf den österreichischen
Elektrizitätsmärkten nachhaltig zu etablieren, wird deshalb die
rasche Umsetzung eines "Wettbewerbsbelebungsprogramms" empfohlen. Im
Einklang mit den Vorschlägen von Wettbewerbs- und Regulierungsbehörde
sollte es Maßnahmen zur Erreichung folgender Ziele enthalten:
- Intensivierung des Wettbewerbs: Umsetzung der rechtlichen
Entflechtung von Netzinfrastruktur und Energievertrieb
("Entbündelung") ohne weitere Verzögerung, Herstellung von
wettbewerbsfähigen Marktstrukturen auf den österreichischen
Energiemärkten (Strom und Gas) vor allem durch Prüfung der
Unternehmensverflechtungen und -allianzen, Festlegung von nicht
diskriminierenden Netzgebühren auf niedrigerem Niveau, welche sowohl
Anreize für den Wettbewerb als auch für Investitionen in die
notwendige Infrastruktur setzen.
- Besserstellung der Kunden: Umsetzung von bindenden Standards für
Transparenz und Vergleichbarkeit der Leistungen und Tarife aller
Stromversorger, Senkung der Wechselkosten.
- Reduzierung der Stromvertriebskosten, Integration der drei
Regelzonen in eine österreichweite Zone.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
9/2005!
Rückfragehinweis:
Dr. Michael Böheim
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-227 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]
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