- 18.08.2005, 12:41:34
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Gusenbauer: Regierung gefährdet Zukunft der österreichischen Jugend
Jugendarbeitslosigkeit verdoppelt, Akademikerquote zu niedrig, Drop-Quot-Quote bei Schulen enorm hoch
Wien (SK) Schwere Versäumnisse wirft SPÖ-Vorsitzender Alfred
Gusenbauer der Bundesregierung im Bildungsbereich und bei der
Jugendbeschäftigung vor. "Die Regierung gefährdet die Zukunft der
österreichischen Jugend", so Gusenbauer Freitag in einer
Pressekonferenz. Die Jugendarbeitslosigkeit sei in den letzten fünf
Jahren geradezu explodiert und habe sich mit 51.970 gegenüber dem
Jahr 2000 verdoppelt. Die Drop-Out-Quote bei den 15-jährigen sei
enorm hoch, die Quote der Maturanten stagniere und bei der
Akademikerquote entwickle man sich in Österreich "nach hinten";
außerdem nütze die Regierung den Spielraum nach Abschaffung der
Zwei-Drittel-Hürde im Schulbereich nicht für Reformen, musste
Gusenbauer feststellen. "Was heute im Bildungsbereich versäumt wird,
werden wir morgen bitter bezahlen. Der Reichtum Österreichs wird in
sieben, acht Jahren sich daraus ergeben, wie viele junge Menschen gut
ausgebildet sind", so Gusenbauer. ****
Die Maßnahmen der Regierung gingen immer ins Leere. So wies
Gusenbauer auf die jüngste Initiative des "Arbeitslosenministers"
Bartenstein zur Lösung der Jugendarbeitslosigkeit hin, die aber immer
das gleiche Ergebnis zeitigen würde. Nachdem viel Wind erzeugt und
Gipfel inszeniert wurden, stelle sich am Ende des Jahres heraus, dass
das Problem nicht gelöst, sondern weiter verschärft wurde. Gusenbauer
wies auf die Wurzel des Problems hin, dass nämlich fünf Prozent der
15-jährigen, das sind immerhin 5.000 Jugendliche, keinen
Hauptschulabschluss schaffen. Die "erheblichen Bildungsdefizite"
machen es den Jugendlichen dann schwer, am Arbeitsmarkt Fuß zu
fassen. Die Hälfte der Arbeitslosen habe nämlich nur einen
Pflichtschul- oder gar keinen Abschluss.
Zwt.: Drop-Out-Quote bei 15-jährigen enorm hoch
Die Drop-Out-Quote bei den 15-jährigen in weiterführenden Schulen sei
ebenfalls sehr hoch, kritisierte Gusenbauer. So beenden 17 Prozent
der SchülerInnen in einer Berufsbildenden Höheren Schule ihre
Schullaufbahn nach der 1. Klasse und 26 Prozent der SchülerInnen in
Berufsbildenden Mittleren Schulen. Insgesamt haben im vergangenen
Jahr 13.000 von 90.000 15-jährigen ihr Schulausbildung abgebrochen,
so der SPÖ-Chef. Schuld daran sei eine mangelnde Berufsorientierung,
fehlende Ausbildungsplätze in BMS und BHS, sowie zu hohe
Klassenschülerzahlen in der Oberstufe.
Gusenbauer wies darauf hin, dass es zwei wirkungsvolle Maßnahmen zur
Behebung der Lehrstellenproblematik gegeben habe. Die eine sei das
Auffangnetz über das Jugendausbildungssicherungsgesetz (JASG),
wodurch die Lehrlingsausbildung parallel über das Arbeitsmarktservice
finanziert wurde; die andere seien die Lehrlingsstiftungen mit den
überbetrieblichen Lehrwerkstätten, die eine hochqualitative
Ausbildung garantiert hätten. Die Lehrlingsstiftungen gebe es
allerdings nicht mehr, und alle Kapazitäten für überbetriebliche
Lehrwerkstätten stehen leer.
Zwt.: Lastenausgleich bei Lehrlingsausbildung gefordert
Es sei daher sinnvoll, das JASG weiterzuführen und die
Lehrlingsstiftungen wieder einzuführen, um 4.000 Ausbildungsplätze
für Jugendliche in den Lehrwerkstätten zu schaffen. Gusenbauer
forderte analog zur Arbeiterkammer auch die Schaffung eines
Lehrlings-Ausbildungsfonds, in dem Betriebe, die keine Lehrlingen
ausbilden einzahlen müssen, während ausbildende Betriebe Geld aus
diesem Fonds erhalten. Es müsse nämlich endlich ein "Schlussstrich"
gezogen werden, denn man habe ja gesehen, wohin die Appelle an die
Eigenverantwortung der Wirtschaft und finanzielle Anreize zur
Lehrlingsausbildung geführt haben. Die Lehrlingssubventionen hätten
keine zusätzliche Lehrstellen gebracht, sagte der SPÖ-Vorsitzende.
Nun sei die Zeit reif, für einen "Wink mit dem Zaunpfahl".
Zwt.: Akademikerquote viel zu niedrig
Bei der Maturantenquote stagniere Österreich seit Langem bei 40
Prozent und bei der Akademikerquote komme Österreich nicht nach
vorne, sondern nach hinten. In Österreich betrage die Akademikerquote
14 Prozent, während die durchschnittliche Quote in OECD-Staaten bei
24 Prozent, in Skandinavien sogar 33 Prozent betrage. "Da müssten
alle Alarmglocken läuten. Die Antwort der Bundesregierung ist aber
eine Uni-Reform mit Studiengebühren und die Ankündigung über die
Schaffung von Weltklasseuniversitäten", so Gusenbauer. Ein Blick in
die Universitäten genüge aber, um zu sehen, dass man sehr weit von
Weltklasseunis entfernt sei. Das schlage sich auch in der
Drop-Out-Quote nieder, die in Österreich bei 41 Prozent liege,
während sie in Irland bei 15 Prozent ist.
Den Umgang mit den Universitäten in Österreich könne man auch
am Urteil des EuGH zur Öffnung der österreichischen Universitäten
ablesen. Seit Jahren habe man gewusst, dass ein derartiges Urteil
erfolgen könne, und die Bildungsministerin Gehrer habe nichts
unternommen. Jetzt werde es trotz der ohnehin niedrigen
Akademikerquote weitere Selektionskriterien, weitere
Zugangsbeschränkungen geben. "Wie soll Österreich unter diesen neuen
Bedingungen die Akademikerquote erhöhen und die Ausbildung von
österreichischen Studenten an österreichischen Universitäten
sichern?" Das sei die entscheidende Frage, so Gusenbauer.
Der SPÖ-Chef wies auf zahlreiche Maßnahmenpakete hin, die von
der SPÖ in den Nationalrat eingebracht wurden. So seien
Lösungsvorschläge für die Lehrlingsproblematik im Österreich-Vertrag
formuliert. Die Abgeordneten Broukal und Niederwieser haben dem Hohen
Haus Vorschläge, wie man aus der Uni-Misere rauskommt, unterbreitet
und ein 10-Punkte-Programm sei als Antwort auf die Pisa-Ergebnisse
zusammen gestellt worden. "Die SPÖ ist nicht bereit zuzusehen, wie
diese Bundesregierung im Bildungsbereich nichts unternimmt. Daher
sind die Maßnahmenpakete präsentiert worden, um einen Eindruck zu
vermitteln, wie die Politik unter einer SPÖ-geführten Regierung
aussehen wird", schloss Gusenbauer. (Schluss) ns
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