• 11.08.2005, 15:43:02
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AMA: Österreich erntet 2005 um 15% weniger Getreide

Auch Qualität geringer wie in Vorjahren - Vermarktung aber als möglich gesehen

Wien (AIZ) - Die österreichische Getreideernte 2005 soll
(exklusive Mais) mit 2,8 Mio. t um rund 15% geringer ausfallen als
die Rekordernte 2004 (Zahlen siehe Downloads unten). Auch die
Qualität kann durch Auswuchsprobleme und niedrigere Fallzahlen im
östlichen Teil des Bundesgebietes nicht an den gewohnten Maßstab der
Vorjahre anschließen und wird als "durchwachsen" bezeichnet. Dennoch
bestehe für die aus dem Weizen zu erzielende Qualität von Gebäck
keine Sorge, da die von der Regenperiode zu Erntebeginn im Juli
beeinträchtigten Qualitätskriterien hauptsächlich technischer Natur
als Kriterium für die Aufnahme in die öffentliche Lagerhaltung, der
EU-Intervention, die für die Backfähigkeit eigentlich
ausschlaggebenden Werte wie Proteingehalt des Weizens und Alveogramm
aber sehr gut seien. Dies teilte heute die Marktordnungsstelle AMA
bei einem Pressegespräch in Wien mit. Die Vermarktung dieser Ernte
sollte aber bei einiger Anstrengung von allen beteiligten
Marktteilnehmern zweifelsohne möglich sein, jedes Jahr sei in der
Landwirtschaft naturbedingt anders, relativierte AMA-Vorstand Werner
Weihs Sorgen.

Die Erntemenge, so der Vorsitzende des AMA-Fachbeirates Getreide
und Präsident der Landwirtschaftskammer Burgenland, Franz Stefan
Hautzinger, verfehle zwar den Inlandsverbrauch Österreichs um rund
200.000 t, aber die Marktlage sei dennoch schwierig, weil sich
Österreich seit der EU-Erweiterung 2004 in einer zentraleuropäischen
Überschussregion in Binnenlage und damit schlechtem Zugang zu den
Weltmärkten befinde. Der Ertragsrückgang 2005 ist neben den
Witterungsverhältnissen auch auf einen Rückgang der Anbaufläche
zurückzuführen, nachdem die EU zur Ernte 2005 die Verpflichtung zur
Stilllegung von Ackerflächen auf 10% erhöht hat. Hautzinger schätzt
der Erlösausfall für die heimischen Getreidebauern durch die
geringeren Erträge und die schwächere Qualität auf EUR 30 bis 40 Mio.
Die Stimmung der Bauern sei deshalb "gedrückt", aber eine
unmittelbare Auswirkung auf den in den vergangenen Jahren im Ackerbau
im Vergleich zum Grünland ohnehin schon schnelleren Strukturwandel
sieht Hautzinger nicht. Die Herausforderung bestehe nun darin, durch
Nachbearbeitung und die Zusammenstellung homogener Getreidepartien
"das Beste aus dieser Ernte zu machen".

Für Preisbildung auch europäisches Umfeld ausschlaggebend

Preise haben sich erst auf Großhandelsstufe gebildet und
orientieren sich etwa auf Höhe des Vorjahres bei Mahlweizen mit EUR
101,- bis 103 pro t am EU-Interventionspreis und liegen für
Qualitätsweizen mit EUR 118,- bis 123,- pro t darüber. Für die
Preisbildung ist aber letztlich auch das europäische Umfeld
ausschlaggebend, da sich Österreich in einem globalisierten Markt
befindet. Das heißt, es müssten zuerst Ertrags- und Qualitätsdaten
aus Deutschland, wo die Ernte erst läuft, aber auch aus den östlichen
Nachbarstaaten und dem Schwarzmeerraum, der in den vergangenen Jahren
zum "Big Player" aufgestiegen ist, abgewartet werden.

Auf Erzeugerebene hat sich noch kein Preis gebildet. Hautzinger
wollte auch keine Zahlen nennen, weil das Feilschen um den Preis
einem "Mikado-Spiel" gleicht nach dem Motto, "wer sich zuerst bewegt
und eine Zahl nennt, der hat verloren".

Qualität von Brot und Gebäck nicht beeinträchtigt

Hautzinger hofft jedenfalls mit den heimischen Mühlen eine
Zusammenarbeit finden zu können, dass die für die Backqualität
weniger relevante Untergrenze der Fallzahl von 220 sec. aus der
Definition von Mahlweizen heuer relativiert werde. "Gutes Gebäck
lässt sich nicht nur mit 220 sec. Fallzahl, sondern auch mit 160 sec.
Fallzahl herstellen." Eine andere Option wäre, die besseren
Weizenpartien an daran interessierte italienische Mühlen zu
verkaufen, dann werde es aber mit dem Rest der Weizenernte für die
heimischen Mühlen eng. Futterweizen, weil er die
Interventionskriterien der EU nicht erfüllt und damit auch nicht die
Mindestpreisgarantie der EU genießt, stehe dagegen unter Preisdruck
von "Lieferungen aus dem Osten ex Ernte um jeden Preis". Dies habe
seine Ursache in Kapital- und Lagerraummangel sowie im noch
unzureichenden Umgang mit der EU-Intervention insbesondere in Ungarn.

Von der EU-Agrarpolitik wünscht sich Hautzinger in diesem Jahr
eine Herabsetzung der Interventionskriterien. Man werde aus
Österreich mit dieser Forderung zwar bei der EU vorstellig werden,
sei sich aber bewusst, dass die Chancen dafür, wenn man nicht andere
namhafte Getreide erzeugende Länder mit ähnlichen Interessen als
Mitstreiter gewinnt, nicht allzu groß sind.

Weichweizen: 2005 ein Drittel Futterweizen - Verwertung für
Energiegewinnung

Von der Weichweizenernte erreicht heuer rund ein Drittel die
Kriterien von Qualitätsweizen und rund ein weiteres Drittel nur von
Futterweizen, während dieser sonst nur rund 5 bis 10% Anteil am
Weizenertrag ausmache. Die Bauern sollten aber vor einem einmaligen
"Ausreißer" bei der Qualität nicht resignieren, sagte Hautzinger,
sondern die erfolgreiche Strategie von "Qualität statt Quantität"
weiter verfolgen. "Die letzten Jahre haben bewiesen, dass für
Qualität ein Markt zu finden ist." Als zweite Strategie empfiehlt
Hautzinger den Einsatz von Getreide minderer Qualität für die
Energieerzeugung, sowohl für den Biotreibstoff Ethanol als auch für
Wärmezwecke. Dies könnte nach seinen Vorstellungen letztlich zu einer
Verknappung des Angebots führen und den Preis steigen lassen. Bei
einem Ölpreis von 65 Cent pro Liter und in Anbetracht der Tatsache,
dass 2,5 kg Getreide einen Liter Öl ersetzen und nur rund 20 Cent
kosten, "liegt darin ein riesiges Potenzial, über das wir uns
drübertrauen sollten". Hautzinger will damit der Landwirtschaft einen
größeren Wertschöpfungsanteil an verarbeiteten Lebensmitteln
sichern. "Das Scherzel für die Landwirtschaft sollte größer werden",
meinte er unter dem Hinweis, der Bauer erhalte zurzeit für den
Rohstoff Getreide nur 5% Anteil vom Brot- und 2% Anteil vom
Semmelpreis.

Hautzinger bezifferte den Flächenbedarf für das geplante
Bioethanol-Werk zur Herstellung von Benzin-Additiven zur Erfüllung
der EU-Biokraftstoffrichtline (5,75% Beimischung ab 2008) mit rund
80.000 ha Getreide, Mais und Rüben. Die Erzeugung von Biodiesel zum
selben Zweck erfordere ein Produktionspotenzial von 300.000 ha
Rapsfläche. Dies sei bei derzeit rund 35.000 ha, wovon auf einem Teil
auch für die Speiseölerzeugung angebaut wird, und bei einer
Gesamt-Getreidefläche von rund 590.000 ha aber ein eher
unrealistisches Ziel. Österreich werde daher Raps für Biodiesel
importieren müssen.

Wintergerste und Roggen bringen beste Qualität

Von den einzelnen Kulturen ist Durum heuer stark von Auswuchs
geschädigt worden, während Wintergerste bei Qualität und Ertrag am
besten abgeschnitten hat. Von der Sommergerste sind wegen zu hoher
Proteingehalte nur rund 50% braufähig, mit diesen 180.000 t sei aber
der Inlandsbedarf an Braugerste gedeckt. Als spät räumende Frucht hat
auch Roggen, insbesondere im Hauptanbaugebiet Waldviertel, wo jetzt
erst die Ernte einsetzt, nicht gelitten und bringt sehr gute
Qualität. Raps hat mit rund 30 dt/ha zwar einen "nicht so schlechten
Ertrag" gebracht, aber es sei mit einem Anbau auf nur 35.000 ha und
auch trotz attraktiver Preise wieder nicht gelungen, die Anbaufläche
auszudehnen, bedauerte Hautzinger. Die Bauern scheuen offensichtlich
das hohe Ertragsrisiko und den hohen Aufwand bei der Kulturführung.

Neue Marktsituation in Mitteleuropa seit EU-Erweiterung

Der Leiter der Abteilung Marktordnungen und Marktberichte in der
AMA, Christian Gessl, erläuterte, dass mit der EU-Erweiterung 2004 in
Mitteleuropa eine völlig neue Marktsituation entstanden ist. Die
Region, der auch Österreich angehört, ist zu einer Überschussregion
geworden, wobei der fehlende Zugang zu Meereshäfen und dem Weltmarkt
durch vergleichsweise höhere Transportkosten die Vermarktung von
Getreide erschwert. Dieses Vermarktungsproblem hat aus der Ernte 2004
die Interventionsbestände der EU von zuletzt (Ende 2003/04) rund 3,6
Mio. t auf knapp 15 Mio. t (Ende 2004/05) Getreide empor schnellen
lassen, auch in Österreich musste 2004/05 mit 440.000 t eine
Rekordmenge seit dem EU-Beitritt 1995 in die öffentlichen Lager
übernommen werden. Dagegen besteht in der EU auf der iberischen
Halbinsel ein Getreidedefizit von 15 bis 17 Mio. t. Die hohen
Transportkosten aus Zentraleuropa verhinderten aber bisher, dieses
Defizit aus EU-Beständen zu decken, statt dessen importieren Spanien
und Portugal Getreide aus Übersee. Der gegenüber dem Dollar starke
Euro verschafft amerikanischem Getreide zusätzlichen
Wettbewerbsvorteil. Ebenso sind die Frachtkosten aus Mitteleuropa zu
Mittelmeerhäfen oder über den Donauweg zum Schwarzen Meer für Exporte
in die Hauptmärkte der EU, Naher Osten und Nordafrika, sehr von
Nachteil.

Global nimmt laut Studien der EU die Produktion und der Verbrauch
von Getreide in den nächsten Jahren zu. Dies werde auch das Volumen
des internationalen Getreidehandels wachsen lassen.

Damit wird die Marktpolitik der EU, nämlich wie Brüssel Exporte
ankurbelt und ob es für eine Versorgung der iberischen Staaten aus
EU-Beständen oder Importen sorgen will, so Gessl, heuer für die
mitteleuropäischen Staaten entscheidend. Mit rund 262 Mio. t fällt
die Getreideernte der EU heuer zwar auch deutlich geringer aus als
2004 mit 283,5 Mio. t, bei einem Eigenverbrauch von 250 Mio. t und
namhaften Importströmen aus Drittländern steht aber auch eine
namhafte Getreidemenge zum Export oder zur Intervention an.
(Schluss) pos

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