• 11.08.2005, 11:39:19
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Broukal: Gehrer hat den Kontakt zur Realität verloren

Wien (SK) SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal wirft
Bildungsministerin Gehrer vor, jeden Kontakt zur Realität verloren zu
haben. "Leider ist Gehrers Sachkompetenz noch stärker gesunken als
ihre Popularitätswerte", sagte Broukal am Donnerstag in Reaktion auf
Gehrers Aussagen gegenüber der APA. ****

"Welchen Sinn hat es, den jungen Leuten zu sagen, dass nur
acht der 170 Studienrichtungen betroffen sind, wenn an diesen acht
ein Drittel aller österreichischen Studenten studiert?", fragte
Broukal. Dazu kämen noch die knapp 16.000 Studierenden in den
Lehramtsfächern, für die Ministerin Gehrer nun ebenfalls
Zugangsbeschränkungen diskutieren will.

Broukal sieht in Gehrers Feststellung, wonach 162 Studienfächer
ohnehin unverändert geblieben seien, auch eine "gehörige Portion
Zynismus". Broukal: "Wenn jemand Arzt oder Betriebswirt werden will,
hilft es ihm wenig, dass er auf ein Studium der Altertumsforschung
ausweichen kann, wie das Gehrer empfiehlt".

"Glatte Realitätsverweigerung" sei Gehrers Behauptung, es
gebe kein Chaos an den Unis. "Wie bezeichnet Gehrer dann die auch
über das Fernsehen vermittelte Tatsache, dass Jugendliche an der
MedUni Wien campieren, um einen Studienplatz für Medizin zu
ergattern, oder dass an der Medizinuni Innsbruck ganze Wäschekörbe
voller Anmeldungen eingetroffen sind", fragte Broukal. An der
Medizinuni Innsbruck stehen den bis 19. Juli erfolgten 2.300
Bewerbungen lediglich 550 Plätze gegenüber.

Auch mit ihrer Behauptung, dass es "ganz klare
Rahmenbedingungen" gebe, liege Gehrer falsch. So mussten die
Maturanten erst nach Abschluss ihrer Matura erfahren, dass nun auch
Maturanoten als Zugangskriterium herangezogen werden und nicht nur
das Maturzeugnis an sich. "Das ist ein Verstoß gegen Treu und
Glauben, wenn die Bedingungen rückwirkend geändert werden", so
Broukal.

Ministerin Gehrer habe "wie ein Kaninchen vor der Schlange" seit
Jahren auf das EuGH-Urteil gewartet ohne irgendetwas auf politischer
Ebene zu unternehmen, erklärte der SPÖ-Wissenschaftssprecher. Selbst
der sonst in seiner Kritik sehr zurückhaltende Vorsitzende der
Rektorenkonferenz, Christoph Badelt, habe sich beklagt, dass er zu
spät und nicht ausreichend über die Folgen des EuGH-Urteils
informiert worden sei. (Schluss) se

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