• 03.08.2005, 10:15:00
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UNFALLGESCHEHEN 2005: STANDORTBESTIMMUNG UND PROGNOSEN

Rückgang bei Unfällen, Verletzten und Getöteten in der ersten Jahreshälfte - Sorgenkinder: Schulbus, Alkohol, Fußgänger und Motorradfahrer

Wien (OTS) - "Vom heutigen Standpunkt aus dürften wir 2005 bei
Unfällen, Verletzten und Getöteten einen Rückgang verzeichnen
können", ist Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für
Verkehrssicherheit (KfV) erfreut. "Das Zwischenziel des
Österreichischen Verkehrssicherheitsprogrammes für 2005, nämlich
36.423 Unfälle und 713 Getötete werden wir zwar verfehlen, aber wir
bewegen uns in die richtige Richtung." Von Jänner bis Juni des Jahres
2005 wurden bei voraussichtlich 19.293 (-2,5%) Unfällen rund 25.133
Menschen verletzt (-3,6%) und 342 getötet (-9,3%).
Bis Ende dieses Jahres rechnet das KfV mit 41.695 Unfällen (-2,26%),
54.290 Verletzten (-2,81%) und 835 Toten (-4,1%) auf Österreichs
Straßen. Dass noch einiges getan werden muss, um das ambitionierte
Gesamtziel des Verkehrssicherheitsprogrammes, nämlich maximal rund
500 Tote im Straßenverkehr pro Jahr, zu erreichen, ist
offensichtlich. Deswegen wird gerade eine Zwischenevaluation
durchgeführt, die gesetzte Maßnahmen und erreichte Ziele einander
gegenüberstellt und die Richtung für die nächsten fünf Jahre vorgeben
soll. Trotz des positiven Halbzeit-Ergebnisses 2005 haben sich in der
ersten Jahreshälfte einige Teilbereiche des Straßenverkehrs nicht so
gut entwickelt.

Schulbus - zwei Unfälle mehr ließen Zahl der Verletzten rasant
ansteigen

Voraussichtlich 17 Schulbusunfälle ereigneten sich von Jänner bis
Juni 2005, "nur" um zwei mehr als im Vergleichszeitraum des
Vorjahres. Diese Unfälle hatten es in sich: "Während wir 2004 im
ganzen Jahr 44 Verletzte bei Unfällen mit Schulbussen verzeichneten,
werden es bis Juni 2005 rund 105 Verletzte sein", zitiert Thann die
Statistik. Verantwortlich dafür waren zwei Großunfälle, bei denen
einmal 49 und einmal 26 Personen verletzt wurden. Für Armin
Kaltenegger, Bereichsleiter des KfV, ist das ein Grund mehr, die
vorbereitete Änderung des Kraftfahrrechts (26. KFG-Novelle) so bald
wie möglich zu realisieren. Bisher galt nämlich in Bussen - egal ob
Linien- oder Gelegenheitsverkehr: Drei Kinder zwischen sechs und 14
Jahren zählen wie zwei Erwachsene, Kinder bis sechs Jahren werden
überhaupt nicht mitgezählt. Das bedeutet für viele Kinder ein
erhöhtes Verletzungsrisiko etwa bei einer Notbremsung, da man ganz
legal mindestens 50 Prozent mehr Kinder transportieren kann als die
Gesamtzahl an Fahrgästen, für die der Bus zugelassen ist! Besonders
paradox: Seit 2001 müssen neu zugelassene Busse mit mehr als neun
Plätzen Gurte haben, die angelegt werden müssen - das ist aber nicht
möglich, solange nicht jedes Kind einen eigenen Sitzplatz im Bus hat.

Damit würde die 26. KFG-Novelle zumindest im Gelegenheitsverkehr
Schluss machen: Jedes Kind muss dann einen eigenen Sitzplatz haben,
also 1:1 statt 3:2! Kinder könnten sich richtig sichern und wären bei
einem Unfall geschützter. "Entscheidend ist, dass es zu keiner
weiteren Aufweichung dieser Regelung kommt. Einzige Ausnahme der
1:1-Zählung darf nur der Linienverkehr sein. Bei einer weiteren
Einschränkung - etwa bei täglichen privaten Schülertransporten -
würde sich die Situation kaum verbessern", fordert Kaltenegger. Aber
auch über die Ausbildung der Schulbuslenker solle man sich Gedanken
machen: Ein Fahrsicherheitstraining und eine amtsärztliche
Untersuchung wären angebracht, genau wie Kontrollen in punkto
Kindersicherung. Erst im Juni gab es einen Schulbusunfall mit vier
verletzten Kindern - keines der Kinder hatte den Sicherheitsgurt
angelegt.

Alkohol - Absolute Stagnation

"Bei den Alkoholunfällen hat sich in der ersten Jahreshälfte wenig
getan - und genau das ist schlecht", betont Thann. Den 1.244 Unfällen
von Jänner bis Juni 2004 stehen wahrscheinlich genau so viele
Alkoholunfälle von Jänner bis Juni 2005 gegenüber. Die Zahl der
alkoholisierten Lenker ist sogar um 1,3 Prozent gestiegen. "Deshalb
freut es uns besonders, dass das Innenministerium unserer Forderung
nach dem Einsatz von Alkoholvortestgeräten nachkommt", ist
Kaltenegger erleichtert. Momentan gerät man in Österreich
statistisch gesehen alle 33 Jahre in eine Alkoholkontrolle.
Vortestgeräte können die Kontrolldichte verzehnfachen, da der Test
wenige Minuten in Anspruch nimmt. Die Ausschreibung für den Ankauf
der Geräte läuft. "Wichtig ist uns aber vor allem der tatsächliche
Einsatz", appelliert Kaltenegger. Positiv: Bei der Zahl der bei
Alkoholunfällen Getöteten wurde ein Rückgang von rund der Hälfte
verzeichnet (Jänner-Juni 2004: 30, Jänner-Juni 2005: 14).

Fußgänger - Unfälle auf Schutzwegen geben Anlass zur Sorge

Die Zahl der Fußgängerunfälle ist bis Juni 2005 gegenüber dem
Vergleichszeitraum 2004 zwar von 2.031 auf ungefähr 1.913 gesunken
(-5,8%). "Gerade auf Schutzwegen ist aber wieder ein Anstieg der
Unfälle um etwa 6,5 Prozent zu verzeichnen", ist Thann besorgt.
"Dieser Trend dauert nun seit einigen Jahren an". Bei ungeregelten
Schutzwegen dürfte das Problem hauptsächlich bei den Lenkern liegen.
Die Anhaltebereitschaft von Pkw-Lenkern vor ungeregelten Schutzwegen
beträgt lediglich 41 Prozent. Auf geregelten Schutzwegen stehen
Fußgänger aber im Missachten von Verkehrsregeln in Nichts nach - etwa
in Form von Queren bei Rot. "Es findet scheinbar ein Kampf am
Schutzweg statt, bei dem sich jeder im Recht sieht und die
Verantwortung des vorausschauenden Handelns hin und her geschoben
wird", definiert Kaltenegger das Problem. Tatsache ist, dass
Fußgänger und Kfz-Lenker gleichermaßen Regeln zu beachten haben und
zur Verantwortung gezogen werden können. So ist die "Gefährdung oder
Behinderung von Fußgängern" ein Delikt des neuen Vormerksystems.

Motorrad - Schwarzer Frühling

Im Mai verging kein verlängertes Wochenende ohne Meldungen über
schreckliche Motorradunfälle - allein am Pfingstwochenende gab es
neun Tote. "2004 starben bis Juni 41 Motorradaufsassen, von Jänner
bis Juni 2005 waren es voraussichtlich 50", zieht Thann das traurige
Resümee. "Voraussichtlich werden wir 2005 in diesem Bereich etwa 115
Tote beklagen müssen - rund 16 Prozent mehr als letztes Jahr." Das
Problem liegt zu einem Großteil wohl in der Ungeübtheit und
Selbstüberschätzung vieler "Neo"-Motorradfahrer, die sich in höherem
Alter den Traum auf zwei Rädern erfüllen wollen. So liegt der Anteil
der Alleinunfälle bei Motorradunfällen doppelt so hoch wie bei
Pkw-Unfällen. "Fahrerfahrung mit dem Auto bedeutet nicht, dass man
auch ein guter Motorradfahrer ist", warnt Kaltenegger. "Bei
Fahrsicherheitstrainings sind viele überrascht, wie wenig sie die
schweren Gefährte im Ernstfall unter Kontrolle haben". Daher sei der
Vorschlag von Verkehrsminister Gorbach, bei der nachträglichen
Motorrad-Führerscheinprüfung Theoriestunden gegen Fahrpraxis
einzutauschen, durchaus diskussionswürdig. Handlungsbedarf sei auf
jeden Fall gegeben, da sich bei den Motorradunfällen außer
Schwankungen in gewissen Bandbreiten keine signifikanten
Veränderungen zeigen.

Die Aufgaben für die zweite Jahreshälfte 2005

Einige große "Brocken" wurden in der ersten Jahreshälfte 2005 bereits
umgesetzt. Das Vormerksystem ist seit 1. Juli in Kraft, Änderungen
der KFG-Novelle wurden zumindest angedacht und mit der 21.
StVO-Novelle wurde der Einsatz von Alkoholvortestgeräten ermöglicht.
Seit Frühling ist für 15-jährige Mopedlenker auch eine obligatorische
Praxisausbildung vorgeschrieben. Diese Punkte sind für das KfV aber
noch nicht völlig abgeschlossen. Einige Verwirrungen rund um das
Vormerksystem haben gezeigt, dass eine Evaluierung unbedingt
notwendig ist und dass danach durchaus die Erweiterung um weitere
Delikte diskutiert werden sollte. "Konkret denken wir an die
Gurtanlegepflicht, das Verbot von Handy am Steuer und
Geschwindigkeitsdelikte", verrät Thann. Die KFG-Novelle mit
gravierenden Änderungen wie der 1:1-Regel für Busse und Licht am Tag
sollte so bald wie möglich abgeschlossen werden. Ganz oben auf der
Prioritätenliste steht natürlich der tatsächliche Ankauf und Einsatz
von Alkoholvortestgeräten.

Rückfragehinweis:
Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Dolores Omann
Marketing & Kommunikation
Tel.: 01-717 70-225
E-Mail: [email protected]

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