UNFALLGESCHEHEN 2005: STANDORTBESTIMMUNG UND PROGNOSEN

Rückgang bei Unfällen, Verletzten und Getöteten in der ersten Jahreshälfte - Sorgenkinder: Schulbus, Alkohol, Fußgänger und Motorradfahrer

Wien (OTS) - "Vom heutigen Standpunkt aus dürften wir 2005 bei Unfällen, Verletzten und Getöteten einen Rückgang verzeichnen können", ist Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) erfreut. "Das Zwischenziel des Österreichischen Verkehrssicherheitsprogrammes für 2005, nämlich 36.423 Unfälle und 713 Getötete werden wir zwar verfehlen, aber wir bewegen uns in die richtige Richtung." Von Jänner bis Juni des Jahres 2005 wurden bei voraussichtlich 19.293 (-2,5%) Unfällen rund 25.133 Menschen verletzt (-3,6%) und 342 getötet (-9,3%).
Bis Ende dieses Jahres rechnet das KfV mit 41.695 Unfällen (-2,26%), 54.290 Verletzten (-2,81%) und 835 Toten (-4,1%) auf Österreichs Straßen. Dass noch einiges getan werden muss, um das ambitionierte Gesamtziel des Verkehrssicherheitsprogrammes, nämlich maximal rund 500 Tote im Straßenverkehr pro Jahr, zu erreichen, ist offensichtlich. Deswegen wird gerade eine Zwischenevaluation durchgeführt, die gesetzte Maßnahmen und erreichte Ziele einander gegenüberstellt und die Richtung für die nächsten fünf Jahre vorgeben soll. Trotz des positiven Halbzeit-Ergebnisses 2005 haben sich in der ersten Jahreshälfte einige Teilbereiche des Straßenverkehrs nicht so gut entwickelt.

Schulbus - zwei Unfälle mehr ließen Zahl der Verletzten rasant ansteigen

Voraussichtlich 17 Schulbusunfälle ereigneten sich von Jänner bis Juni 2005, "nur" um zwei mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Diese Unfälle hatten es in sich: "Während wir 2004 im ganzen Jahr 44 Verletzte bei Unfällen mit Schulbussen verzeichneten, werden es bis Juni 2005 rund 105 Verletzte sein", zitiert Thann die Statistik. Verantwortlich dafür waren zwei Großunfälle, bei denen einmal 49 und einmal 26 Personen verletzt wurden. Für Armin Kaltenegger, Bereichsleiter des KfV, ist das ein Grund mehr, die vorbereitete Änderung des Kraftfahrrechts (26. KFG-Novelle) so bald wie möglich zu realisieren. Bisher galt nämlich in Bussen - egal ob Linien- oder Gelegenheitsverkehr: Drei Kinder zwischen sechs und 14 Jahren zählen wie zwei Erwachsene, Kinder bis sechs Jahren werden überhaupt nicht mitgezählt. Das bedeutet für viele Kinder ein erhöhtes Verletzungsrisiko etwa bei einer Notbremsung, da man ganz legal mindestens 50 Prozent mehr Kinder transportieren kann als die Gesamtzahl an Fahrgästen, für die der Bus zugelassen ist! Besonders paradox: Seit 2001 müssen neu zugelassene Busse mit mehr als neun Plätzen Gurte haben, die angelegt werden müssen - das ist aber nicht möglich, solange nicht jedes Kind einen eigenen Sitzplatz im Bus hat.

Damit würde die 26. KFG-Novelle zumindest im Gelegenheitsverkehr Schluss machen: Jedes Kind muss dann einen eigenen Sitzplatz haben, also 1:1 statt 3:2! Kinder könnten sich richtig sichern und wären bei einem Unfall geschützter. "Entscheidend ist, dass es zu keiner weiteren Aufweichung dieser Regelung kommt. Einzige Ausnahme der 1:1-Zählung darf nur der Linienverkehr sein. Bei einer weiteren Einschränkung - etwa bei täglichen privaten Schülertransporten -würde sich die Situation kaum verbessern", fordert Kaltenegger. Aber auch über die Ausbildung der Schulbuslenker solle man sich Gedanken machen: Ein Fahrsicherheitstraining und eine amtsärztliche Untersuchung wären angebracht, genau wie Kontrollen in punkto Kindersicherung. Erst im Juni gab es einen Schulbusunfall mit vier verletzten Kindern - keines der Kinder hatte den Sicherheitsgurt angelegt.

Alkohol - Absolute Stagnation

"Bei den Alkoholunfällen hat sich in der ersten Jahreshälfte wenig getan - und genau das ist schlecht", betont Thann. Den 1.244 Unfällen von Jänner bis Juni 2004 stehen wahrscheinlich genau so viele Alkoholunfälle von Jänner bis Juni 2005 gegenüber. Die Zahl der alkoholisierten Lenker ist sogar um 1,3 Prozent gestiegen. "Deshalb freut es uns besonders, dass das Innenministerium unserer Forderung nach dem Einsatz von Alkoholvortestgeräten nachkommt", ist Kaltenegger erleichtert. Momentan gerät man in Österreich statistisch gesehen alle 33 Jahre in eine Alkoholkontrolle. Vortestgeräte können die Kontrolldichte verzehnfachen, da der Test wenige Minuten in Anspruch nimmt. Die Ausschreibung für den Ankauf der Geräte läuft. "Wichtig ist uns aber vor allem der tatsächliche Einsatz", appelliert Kaltenegger. Positiv: Bei der Zahl der bei Alkoholunfällen Getöteten wurde ein Rückgang von rund der Hälfte verzeichnet (Jänner-Juni 2004: 30, Jänner-Juni 2005: 14).

Fußgänger - Unfälle auf Schutzwegen geben Anlass zur Sorge

Die Zahl der Fußgängerunfälle ist bis Juni 2005 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2004 zwar von 2.031 auf ungefähr 1.913 gesunken (-5,8%). "Gerade auf Schutzwegen ist aber wieder ein Anstieg der Unfälle um etwa 6,5 Prozent zu verzeichnen", ist Thann besorgt. "Dieser Trend dauert nun seit einigen Jahren an". Bei ungeregelten Schutzwegen dürfte das Problem hauptsächlich bei den Lenkern liegen. Die Anhaltebereitschaft von Pkw-Lenkern vor ungeregelten Schutzwegen beträgt lediglich 41 Prozent. Auf geregelten Schutzwegen stehen Fußgänger aber im Missachten von Verkehrsregeln in Nichts nach - etwa in Form von Queren bei Rot. "Es findet scheinbar ein Kampf am Schutzweg statt, bei dem sich jeder im Recht sieht und die Verantwortung des vorausschauenden Handelns hin und her geschoben wird", definiert Kaltenegger das Problem. Tatsache ist, dass Fußgänger und Kfz-Lenker gleichermaßen Regeln zu beachten haben und zur Verantwortung gezogen werden können. So ist die "Gefährdung oder Behinderung von Fußgängern" ein Delikt des neuen Vormerksystems.

Motorrad - Schwarzer Frühling

Im Mai verging kein verlängertes Wochenende ohne Meldungen über schreckliche Motorradunfälle - allein am Pfingstwochenende gab es neun Tote. "2004 starben bis Juni 41 Motorradaufsassen, von Jänner bis Juni 2005 waren es voraussichtlich 50", zieht Thann das traurige Resümee. "Voraussichtlich werden wir 2005 in diesem Bereich etwa 115 Tote beklagen müssen - rund 16 Prozent mehr als letztes Jahr." Das Problem liegt zu einem Großteil wohl in der Ungeübtheit und Selbstüberschätzung vieler "Neo"-Motorradfahrer, die sich in höherem Alter den Traum auf zwei Rädern erfüllen wollen. So liegt der Anteil der Alleinunfälle bei Motorradunfällen doppelt so hoch wie bei Pkw-Unfällen. "Fahrerfahrung mit dem Auto bedeutet nicht, dass man auch ein guter Motorradfahrer ist", warnt Kaltenegger. "Bei Fahrsicherheitstrainings sind viele überrascht, wie wenig sie die schweren Gefährte im Ernstfall unter Kontrolle haben". Daher sei der Vorschlag von Verkehrsminister Gorbach, bei der nachträglichen Motorrad-Führerscheinprüfung Theoriestunden gegen Fahrpraxis einzutauschen, durchaus diskussionswürdig. Handlungsbedarf sei auf jeden Fall gegeben, da sich bei den Motorradunfällen außer Schwankungen in gewissen Bandbreiten keine signifikanten Veränderungen zeigen.

Die Aufgaben für die zweite Jahreshälfte 2005

Einige große "Brocken" wurden in der ersten Jahreshälfte 2005 bereits umgesetzt. Das Vormerksystem ist seit 1. Juli in Kraft, Änderungen der KFG-Novelle wurden zumindest angedacht und mit der 21. StVO-Novelle wurde der Einsatz von Alkoholvortestgeräten ermöglicht. Seit Frühling ist für 15-jährige Mopedlenker auch eine obligatorische Praxisausbildung vorgeschrieben. Diese Punkte sind für das KfV aber noch nicht völlig abgeschlossen. Einige Verwirrungen rund um das Vormerksystem haben gezeigt, dass eine Evaluierung unbedingt notwendig ist und dass danach durchaus die Erweiterung um weitere Delikte diskutiert werden sollte. "Konkret denken wir an die Gurtanlegepflicht, das Verbot von Handy am Steuer und Geschwindigkeitsdelikte", verrät Thann. Die KFG-Novelle mit gravierenden Änderungen wie der 1:1-Regel für Busse und Licht am Tag sollte so bald wie möglich abgeschlossen werden. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht natürlich der tatsächliche Ankauf und Einsatz von Alkoholvortestgeräten.

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