- 13.07.2005, 12:06:24
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Streitfall Evolution - FWF-Präsident Wick befürchtet Rückfall in die Gegenreformation
Der Präsident des Wissenschaftsfonds nimmt zu der von Kardinal Schönborn ausgelösten Diskussion Stellung
Wien (OTS) - Für den FWF, der als zentrale Förderinstitution der
Republik Österreich alle Wissenschaftsdisziplinen ohne Vorbehalte -
ausschließlich nach internationalen Qualitätsstandards - fördert,
zeigt die derzeit laufende Diskussion über den Streitfall Evolution
und "Intelligent Design" sehr eindrucksvoll, wie schwierig ein Dialog
zwischen Wissenschaft und Religion sogar heute noch sein kann. Die
dabei mitschwingende Emotionalität macht darüber hinaus deutlich, wie
anachronistisch dieser Diskussionsvorgang ist, denn er berührt unter
anderem eine grundlegende Frage: Wird die einstige Polarität zwischen
Kirchen als Trägerinnen der Religionen (und hier konkret der
römisch-katholischen Kirche) und den Wissenschaften wieder neu
aufgerollt, oder bleibt der respektvolle Abstand, der sich seit der
Aufklärung entwickelt hat, bestehen?
Vieles spricht dafür, diesen Respektsabstand bestehen zu lassen,
denn es hat sich seit der erstrittenen Freiheit der Wissenschaften
(Stichwort Galilei) gezeigt, dass die Verbesserung der
Lebenssituation der Menschen untrennbar mit der freien Entwicklung
der Wissenschaften einhergeht. Wenn nun behauptet wird, der
Neodarwinismus sei dogmatisch, wo hingegen die Ansichten des
Kardinals durch Vernunft gestützt seien, so ist dies eine völlige
Verdrehung der Tatsachen.
Kardinal Schönborn hat in einem Punkt recht, nämlich, dass es
"inakzeptabel sei, wenn eine wissenschaftliche Theorie zum Dogma
wird, das nicht mehr hinterfragt werden darf". Im kritischen
Hinterfragen liegt ja gerade der eigentliche Kern wissenschaftlichen
Denkens. Wo stünde die Wissenschaft, wenn nicht laufend einzelne
Annahmen in der Sicht unserer Welt in Frage gestellt bzw. neue
Antworten gesucht würden? Allerdings hat sich in der Wissenschaft
eine Methode bekanntlich bewährt und ist Grundlage unseres
abendländischen Weltbildes geworden: wissenschaftliche Hypothesen -
gleichgültig ob sie zu Theorien verdichtet werden oder nicht - müssen
durch empirische Befunde untermauert oder deduktive Beweise belegt
werden. Jede Hypothese ist solange gültig, als sie nicht durch
wissenschaftliche Befunde widerlegt wird.
Nach übereinstimmender Meinung aller WissenschafterInnen konnte
die Evolutionstheorie bis zum heutigen Tage nicht erschüttert werden,
im Gegenteil: durch jüngste Ergebnisse der Genomforschung hat sie
eine eindrucksvolle Bestätigung erfahren.
Kardinal Schönborn hinterfragt aber nicht ein "wissenschaftliches
Dogma", sondern versucht, einer bisher unwidersprochenen Theorie mit
einem Dogma ("von Gott geplantes Design") zu begegnen. In der
Glaubenslehre möge Dogmenstreit eine Berechtigung haben, in der
Wissenschaft ist dies vehement abzulehnen. "Als Präsident des
Wissenschaftsfonds muss ich darauf hinweisen, dass diese Attacke auf
die Wissenschaft ein schwerer Rückfall in die Zeit der
Gegenreformation darstellt. Schade, dass das gewachsene Vertrauen
zwischen Religion und Wissenschaft durch solche Äußerungen nun auch
in Österreich gefährdet wird. Die Freiheit und Unabhängigkeit der
Wissenschaft ist ein bewährtes Grundrecht unserer Gesellschaft und
die so gewonnenen Resultate müssen gegen Angriffe - von welcher Seite
auch immer - verteidigt werden" so Wick abschließend.
Persönlicher Nachsatz: "Als Wissenschafter und praktizierender
Katholik habe ich übrigens kein Problem damit, auch im Wirken des
Zufalls in der Evolution ein höheres Prinzip zu sehen."
Rückfragehinweis:
Mag. Stefan Bernhardt, MBA
FWF - Der Wissenschaftsfonds
Tel.: +43 1 5056740 DW 36
mailto:[email protected]
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