Greenpeace: Kraftwerk Voitsberg retten durch Umrüstung auf Biomasse!

Ökostromgesetz muss erhalten und neue Ökostromziele verankert werden

Graz/Voitsberg (OTS) - Mit einer großen Aktion auf dem steirischen Braunkohlekraftwerk Voitsberg protestierten heute Vormittag mehr als 30 Greenpeace-Aktivisten gegen dessen geplante Schließung und für den Umbau zu einem Biomasse-Kraftwerk. Die Aktivisten kletterten auf das Kraftwerk und brachten ein 250 Quadratmeter großes Transparent mit der Aufschrift "Stop C02. Biomasse statt Kohle!" am Kraftwerksblock an. Zusätzlich wurden der Kraftwerksleitung 50 Säcke mit Hackschnitzel übergeben. Die Aktivisten präsentierten dabei ein Transparent mit der Forderung " Nicht zusperren - Umbauen!" Statt einer Schließung des Braunkohlekraftwerks fordert Greenpeace seinen Erhalt und dessen Umrüstung auf Biomasse. Dadurch wären nicht nur der Standort Voitsberg und viele Arbeitsplätze gerettet sondern die Umrüstung zum Ökostrom-Kraftwerk wäre auch ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz und würde die heimische Forst- und Landwirtschaft stärken. "Österreich müsste dann auch weniger Atomstrom importieren und wäre energieunabhängiger vom Ausland", so Greenpeace-Energieexperte Jurrien Westerhof. Zur Rettung von Voitsberg müsste das Ökostromgesetz verbessert werden. Greenpeace wünscht sich von der Steirischen Landesregierung, dass sie sich für die Ökostromziele zum Klimaschutz einsetzt.

Derzeit wird das Kraftwerk Voitsberg noch mit Braunkohle befeuert. Da die Stromerzeugung mit Braunkohle sich aber nicht mehr rentiert, hat Kraftwerkseigentümer und Verbund-Tochter ATP (Austrian Thermal Power) im November 2003 beschlossen, das Kraftwerk nächstes Jahr zu schließen. Derzeit werden nur noch die Restbestände an Braunkohle verfeuert. Durch die Schließung von Voitsberg verdient der Verbund sogar viel Geld, denn die Emissionszertifikate über 1,2 Millionen Tonnen C02 für Voitsberg haben derzeit einen Wert von fast 30 Millionen Euro, auch wenn das Kraftwerk geschlossen wird.

Greenpeace fordert daher, dass das Kraftwerk erhalten bleibt und für die Nutzung von Biomasse als Brennstoff umgerüstet wird. "Gerade in der Steiermark gibt es ein enormes Potential an Biomasse aus der Forstwirtschaft weil jährlich viel mehr Holz nachwächst als genutzt wird", so Westerhof. Allein in den Bezirken Voitsberg und Deutschlandsberg beträgt der jährliche Zuwachs mehr als eine halbe Million Festmeter. "Mit der bisher ungenutzten Biomasse wäre es möglich, am Standort Voitsberg ein Biomasse-Kraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 70 Megawatt zu betreiben. Nicht nur Strom sondern auch Wärme für das Fernwärmenetz könnte so erzeugt werden", rechnet Westerhof vor. Ein Biomasse-Kraftwerk Voitsberg könnte beispielhaft für weitere regionale Ökostrom-Kraftwerke in der Steiermark sein. Kleinere Kraftwerke sind sinnvoller und vermeiden lange Transportwegen für Biomasse und Strom. In Oberösterreich (Timelkam und Linz), Wien (Simmering) und auch in Leoben wurden bereits Biomassekraftwerke errichtet oder sind im Bau.

Voraussetzung für die Rettung von Voitsberg wäre eine Verbesserung des Ökostromgesetzes. Greenpeace fordert, dass im Ökostromgesetz die Ziele von 10 Prozent für das Jahr 2010 und 30 Prozent Ökostrom für 2035 festgeschrieben werden. Derzeit sind es nur vier Prozent. Dazu soll es langfristig garantierte Einspeisevergütungen geben, die es ermöglichen, diese Ziele zu erreichen. Derzeit droht aber eine drastische Reduktion der Mittel durch Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, was das Ende von Voitsberg bedeuten würde. "Wir wünschen uns von der steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, dass sie sich für diese Ökostromziele einsetzt. Das wäre ein klares Bekenntnis der Steiermark für den Klimaschutz, die Unterstützung der heimischen Forst- und Landwirtschaft, die Rettung der Arbeitsplätze in Voitsberg und eine sinnvolle Maßnahme gegen weitere Atomstromimporte", so Westerhof.

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DI Jurrien Westerhof, Energieexperte Greenpeace, tel. 0664-6126701.

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