• 05.07.2005, 18:59:55
  • /
  • OTS0218 OTW0218

"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Trotzdem gewinnen?" (Von Günther Schröder)

Ausgabe vom 6. Juli 2005

Innsbruck (OTS) - Nein, es ist an sich keine Schande, wenn sich
die Geister innerhalb einer Partei am Thema Zwangsernährung scheiden.
Wie es derzeit bei der SPÖ der Fall ist. Die Frage, wie weit
staatliche Gewalt gehen soll, ist eine sensible. Natürlich stimmt es,
dass sich Asylwerber mit Hungerstreiks aus der Schubhaft pressen.
Doch es ist ebenso zu diskutieren, ob ein Eingriff in die menschliche
Integrität hungerstreikender Asylwerber nicht ein zu hoher Preis ist.
Trotzdem bietet die SPÖ ein Bild des Jammers. Da verhandelt mit
Norbert Darabos immerhin ein Vertrauter von SP-Chef Gusenbauer ein
entscheidendes Gesetz aus - und sofort gehen die Streitereien darüber
los, was drinsteht. Und der Parteichef lässt die Debatte eskalieren,
bevor er ein Machtwort spricht.

Letzendlich fehlt der SPÖ-Führung einfach Leadership. Die
Landeshauptleute, allen voran der Wiener Michael Häupl, werden
immer mächtiger und kochen ihre eigene Süppchen. Es ist ja auch
Häupl, der der Bundespartei mit Rücksicht auf seine Landtagswahl das
Asyl-Ja anschaffte. Gleichzeitig werden alte Rechnungen mit
Gusenbauer beglichen, so lässt beispielsweise der frühere
Innenminister Caspar Einem keine Gelegenheit aus, dem Chef in die
Parade zu fahren. Für Gusenbauer, ohnehin kein Strahlemann, wird das
Ganze zur gefährlichen Mischung.

Dabei hätte die SPÖ inhaltlich einiges zu bieten: Abgesehen von
ihrer Ideenlosigkeit im Sozialbereich, werden in den oft belächelten
Kompetenzteams von Gesundheit bis Bildung sehr wohl Nägel mit Köpfen
gemacht. Doch was hilft`s, wenn die Ideen niemand über die Rampe,
sprich unters Volk bringen kann? Und so steht die SPÖ im Jahre fünf
nach Verlust der Regierungsmacht zwar einer geschwächten Koalition
gegenüber - ist aber selbst keinen Deut stärker geworden. Die SPÖ
muss also die nächste Wahl trotz ihres Erscheinungsbildes gewinnen.
So etwas gelingt einem nur in den seltensten Fällen.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 05 04 03 DW 601

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel