- 05.07.2005, 16:45:26
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NS-Vergangenheit: Stadler zu Studie: "Ein offenes Forschungsproblem wird angegangen"
Wien (SK) "Das Phänomen der Entnazifizierung wird im Kontext mit dem
Gedankenjahr nur marginal abgehandelt, deshalb ist es besonders
erfreulich, dass dieses Buch ein offenes Forschungsproblem angeht",
so Friedrich Stadler vom Institut für Zeitgeschichte der Universität
Wien am Dienstag im Rahmen einer wissenschaftlichen Tagung im
Renner-Institut, bei der eine von Alfred Gusenbauer in Auftrag
gegebene Studie über die "braunen Flecken" in der SPÖ präsentiert
wurde. Diese Studie ist nun unter dem Titel "Entnazifizierung
zwischen politischem Anspruch, Parteienkonkurrenz und kaltem Krieg.
Das Beispiel der SPÖ" von Maria Mesner herausgegebnen worden und
erscheint im Oldenbourg-Verlag. Friedrich Stadler widmete sich dem
Thema "Entnazifizierung als Thema der Geschichtswissenschaft. Zur
Forschungslage". Stadler forderte alle Parteien der Republik auf, die
vorhandenen Lücken zu füllen - jede Form des Vergessens der Thematik,
vor allem vor dem Hintergrund der Gudenus-Kampl-Causa - sei
abzulehnen. ****
Das Institut für Zeitgeschichte habe sich dem Thema aus zweierlei
Gründen angenommen, schickte Stadler voraus. Zum einem sei das Thema
der Entnazifizierung ein "tatsächliches Forschungsdesiderat", gerade
im so genannten Gedankenjahr, zum zweiten sei die Zeitgeschichte im
Rahmen des Gedankenjahres nicht immer breit genug vertreten, "ein
guter Anlass, sich dieses Themas anzunehmen", betonte Stadler.
Stadler erinnerte an ein von ihm mitorganisiertes Symposium des
Institutes für Wissenschaft und Kunst mit dem Titel "Verdrängte
Schuld - Verfehlte Sühne. Entnazifizierung in Österreich 1945-1955",
das vor zwanzig Jahren stattfand. "Schon damals hat es Ergebnisse
gegeben, die viel zu wenig in die Forschung eingeflossen sind, schon
damals gab es eine sehr kontroversielle Diskussion", so Stadler. Er
verwies außerdem auf das Buch "Entnazifizierung in Österreich", von
Dieter Stiefel, in welchem auch wirtschaftliche Aspekte behandelt
wurden.
Bekannt sei, dass die Integration ehemaliger
Nationalsozialisten als "historischer Kompromiss im Zeichen des
Aufbaus" angesehen werde, führte Stadler aus. Dieses Spiel habe nur
gespielt werden können, weil man Vertriebene nicht zurückgeholt hat,
betonte Stadler. Eine zentrale Frage, die sich stelle sei, wie
"erfolgreiche Entnazifizierung" ausschaut, so Stadler.
Offene Probleme gebe es dennoch, attestierte Stadler. So komme der
internationale Vergleich zu kurz; es sei an der Zeit, synchrone
Problemlösungsstrategien vergleichend zu untersuchen, forderte
Stadler. (Schluss) sk
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