"Die Presse" Meinung: "Solidarität" (von Martina Salomon)

Ausgabe vom 1.7.2005

Wien (OTS) - Der Zivildienst wird ab 1. 1. 2006 kürzer, bleibt
aber länger als der Wehrdienst - das ist ein vernünftiger Kompromiss. Mit dieser Lösung können alle leben: Der Zivildienst wird von zwölf auf neun Monate verkürzt. Die SPÖ, die dafür ursprünglich sechs Monate forderte, ist über ihren Schatten gesprungen. Und das ist auch gut so: Denn so lange sich der Staat kein eigenes Berufsheer leistet, braucht er junge Männer für den Heeresdienst und soll diesen daher mit dem Privileg einer kürzeren Verpflichtung ausstatten. Denn der Zivildienst ist dafür lediglich Ersatz, wenn auch eine willkommene Einrichtung, um soziale Aufgaben billig zu erledigen. Eine Halbierung des Zivildienstes von - derzeit - zwölf auf sechs Monate hätte die karitativen Organisationen belastet: Soeben eingeschult, wären die Hilfskräfte auch schon wieder weg gewesen.
Engagement für das Gemeinwohl hat in einem Land wie Österreich, wo man den Staat für alles zur Verantwortung zieht, ohnehin wenig Tradition. Der Zivildienst ist ein Zipfelchen Solidarität. Ihn irgendwann vielleicht völlig abzuschaffen, wäre ein Fehler.

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