Caritas zu Zivildienstreform: "Große Chance verspielt"

Caritas-Generalsekretär fordert dringend als nächsten Schritt ein Gesetz zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste

Wien (OTS) - "Vorerst ist das ein sehr dünnes Ergebnis. Man hat zu einem großen Sprung in die Zukunft angesetzt. Herausgekommen ist der kleinstmögliche Schritt im Schatten der Bundesheerreform." Mit diesen Worten kommentiert Caritas-Generalsekretär Stefan Wallner die politische Einigung zur Neuregelung des Zivildienstes. Fünf Monate intensive Beratungen, zahlreiche Expertisen und eine Fülle guter Ideen zur Weiterentwicklung für den Zivildienst seien am Ende der Zivildienstreformkommission gestanden. Unterm Strich bleibe als politisches Ergebnis davon nur die Verkürzung der Zivildienstzeit auf neun Monate.

"Ziel, Zivildienst attraktiv und zukunftssicher zur gestalten, eindeutig verfehlt"

"Wenn man bedenkt, dass diese Reform auch das Ziel hat, den Zivildienst so attraktiv zu gestalten, dass er als rein freiwilliger Dienst nach allfälligem Wegfall der Wehrpflicht seine Bedeutung erhält, so wurde dieses Ziel eindeutig verfehlt", bedauert Wallner. Die einzigen zukunftsweisenden Maßnahmen, nämlich die Öffnung für Frauen und die freiwillige Verlängerungsmöglichkeit, würden jetzt zurückgenommen oder würden mangels adäquater Rahmenbedingungen in der Praxis nicht funktionieren. Damit sei die Zivildienstreform auch an ihren eigenen Ansprüchen gescheitert.

Wallner fordert daher vor den letzten Beratungen im Innenausschuss, dass schnellstens aus der Not eine Tugend gemacht wird: "Wir brauchen in Österreich jetzt sehr rasch ein Gesetz zur Förderung von freiwilligen sozialen Diensten. Es muss eine Zivildienst-analoges Angebot auf freiwilliger Basis auch für Frauen oder für den Wehrdienst untaugliche Personen geben. Denn ein solcher Einsatz ist für viele junge Menschen auch ein Sprungbrett, ein Sprung in eine reifere Persönlichkeit, ein Sprung in eine gute Ausbildung, ein Sprung zu einer fundierten und guten Berufswahl."

"Völlig unverständlich" ist für Wallner zudem, dass die Gesetzgeber im neuen Entwurf die Gelegenheit ungenutzt verstreichen ließen, endlich für eine einheitliche Regelung beim Verpflegungsgeld zu sorgen.

Auch wirkliche Attraktivierungsmaßnahmen für den Zivildienst fehlten bislang, so Wallner. Gerade in der heutigen Zeit, wo Solidarität und Einsatz für den Nächsten oft ungemein schwer zu vermitteln sind, müsse ein Sozialdienst für junge Menschen attraktiv sein, damit sie sich auch dafür zur Verfügung zu stellen, betont der Generalsekretär: "Warum verknüpft man diesen Einsatz nicht mit Bonuspunkten fürs lebenslange Lernen, wie zum Beispiel ein Bonus für ein Studiensemester oder eine Fachausbildung oder Meisterprüfung? Die erste Chance für eine zukunftsweisenden Wurf wurde vertan. Jetzt gilt es noch mal Anlauf zu nehmen."

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