- 30.06.2005, 12:43:43
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Caritas zu Zivildienstreform: "Große Chance verspielt"
Caritas-Generalsekretär fordert dringend als nächsten Schritt ein Gesetz zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste
Wien (OTS) - "Vorerst ist das ein sehr dünnes Ergebnis. Man hat zu
einem großen Sprung in die Zukunft angesetzt. Herausgekommen ist der
kleinstmögliche Schritt im Schatten der Bundesheerreform." Mit diesen
Worten kommentiert Caritas-Generalsekretär Stefan Wallner die
politische Einigung zur Neuregelung des Zivildienstes. Fünf Monate
intensive Beratungen, zahlreiche Expertisen und eine Fülle guter
Ideen zur Weiterentwicklung für den Zivildienst seien am Ende der
Zivildienstreformkommission gestanden. Unterm Strich bleibe als
politisches Ergebnis davon nur die Verkürzung der Zivildienstzeit auf
neun Monate.
"Ziel, Zivildienst attraktiv und zukunftssicher zur gestalten,
eindeutig verfehlt"
"Wenn man bedenkt, dass diese Reform auch das Ziel hat, den
Zivildienst so attraktiv zu gestalten, dass er als rein freiwilliger
Dienst nach allfälligem Wegfall der Wehrpflicht seine Bedeutung
erhält, so wurde dieses Ziel eindeutig verfehlt", bedauert Wallner.
Die einzigen zukunftsweisenden Maßnahmen, nämlich die Öffnung für
Frauen und die freiwillige Verlängerungsmöglichkeit, würden jetzt
zurückgenommen oder würden mangels adäquater Rahmenbedingungen in der
Praxis nicht funktionieren. Damit sei die Zivildienstreform auch an
ihren eigenen Ansprüchen gescheitert.
Wallner fordert daher vor den letzten Beratungen im
Innenausschuss, dass schnellstens aus der Not eine Tugend gemacht
wird: "Wir brauchen in Österreich jetzt sehr rasch ein Gesetz zur
Förderung von freiwilligen sozialen Diensten. Es muss eine
Zivildienst-analoges Angebot auf freiwilliger Basis auch für Frauen
oder für den Wehrdienst untaugliche Personen geben. Denn ein solcher
Einsatz ist für viele junge Menschen auch ein Sprungbrett, ein Sprung
in eine reifere Persönlichkeit, ein Sprung in eine gute Ausbildung,
ein Sprung zu einer fundierten und guten Berufswahl."
"Völlig unverständlich" ist für Wallner zudem, dass die
Gesetzgeber im neuen Entwurf die Gelegenheit ungenutzt verstreichen
ließen, endlich für eine einheitliche Regelung beim Verpflegungsgeld
zu sorgen.
Auch wirkliche Attraktivierungsmaßnahmen für den Zivildienst
fehlten bislang, so Wallner. Gerade in der heutigen Zeit, wo
Solidarität und Einsatz für den Nächsten oft ungemein schwer zu
vermitteln sind, müsse ein Sozialdienst für junge Menschen attraktiv
sein, damit sie sich auch dafür zur Verfügung zu stellen, betont der
Generalsekretär: "Warum verknüpft man diesen Einsatz nicht mit
Bonuspunkten fürs lebenslange Lernen, wie zum Beispiel ein Bonus für
ein Studiensemester oder eine Fachausbildung oder Meisterprüfung? Die
erste Chance für eine zukunftsweisenden Wurf wurde vertan. Jetzt gilt
es noch mal Anlauf zu nehmen."
Rückfragehinweis:
Caritas Österreich
Mag. Silke Ruprechtsberger
Tel: 01/488 31/417 oder: 0664/82 66 909
[email protected]
www.caritas.at
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